Anna Boch war nicht nur eine der Gründerinnen der Belgischen Liga für Frauenrechte (Ligue belge du droit des femmes), sondern machte im 19. und 20. Jahrhundert auch als Künstlerin und Malerin von sich reden.
Ihr Nachname ist in Belgien kein unbekannter... Anna ist in der Tat die Tochter von Victor Boch, einem der Gründer der berühmten Keramikmanufaktur Royal-Boch-Keramis, die in La Louvière ansässig war und vor gut zehn Jahren ihren Betrieb eingestellt hat
Anna wurde 1848 in der Provinz Hennegau in ein großbürgerliches Milieu hineingeboren, was ihr eine große materielle Sicherheit beschied. Sie verbrachte ihre Kindheit in La Closière, einem extravaganten Schloss, das ihr Vater von dem Architekten Poelaert errichten ließ. Sie genoss eine künstlerische und musikalische Ausbildung und frequentierte Künstler wie Van Gogh und Toulouse-Lautrec.
Nach ihrer musikalischen Ausbildung wandte sie sich der Malerei zu und genoss in Brüssel eine hochwertige Ausbildung, unter anderem bei Isidore Verheyden und Théo Van Rysselberghe, was ihre Sensibilität für die nicht-traditionelle Kunst verdeutlicht.
Im Jahr 1907 kauft Anna ein Automobil und reist allein durch Europa – eine absolute Seltenheit in jener Epoche! Sie liess sich ein prunkvolles Wohnhaus in der Gemeinde Ixelles an der Kreuzung zwischen der Rue de l’Abbaye und der Chaussée de Vleurgat erbauen. Das vom Jugendstil inspirierte Gebäude muss 1954 leider zugunsten eines modernen Mehrfamilienhauses weichen. Sie organisierte bei sich zu Hause Musik-Montage, richtete ein umfangreiches Mäzenatentum ein und stellte eine umfassende Gemäldesammlung zusammen, die nach ihrem Tode in alle Himmelsrichtungen verstreut wurde... Darunter ein Gemälde von Van Gogh, das einzige, das er zu Lebzeiten verkaufte!
Anna verstarb im Jahr 1936 in Brüssel.