In Brüssel gibt es Hunderte von Kirchen und jede hat ihre eigene Geschichte. Wir haben sechs von ihnen ausgewählt, die - jede für sich - eine kleine Besonderheit aufweisen. Vielleicht sind es nicht die bekanntesten, aber sie alle bestechen durch architektonische Besonderheiten oder bergen das eine oder andere charmante Geheimnis. Sechs Geschichten von sechs nicht alltäglichen Kirchen! Aber lesen und sehen Sie am besten selbst...
St. Martinskirche in Ganshoren: Modernismus pur
Klein, aber oho: Diese modernistische Kirche aus dem Jahr 1970 befindet sich in Ganshoren, einer der ländlichsten und kleinsten Gemeinden der Region Brüssel. Bemerkenswert: Der Architekt Jean Gilson war auch am Bau des ehemaligen Verwaltungszentrums der Stadt Brüssel und des Berlaymont-Gebäudes, dem Sitz der Europäischen Kommission, beteiligt. Das auffälligste Merkmal ist das riesige Keramikrelief des polnischen Künstlers Zygmunt Dobrzycki an der Fassade, das schon von weitem ins Auge stickt. Sehen Sie sich unbedingt auch im Inneren um, wo Sie die atemberaubenden skulpturalen Betonsäulen bewundern können.
Kirche St. Augustinus: die Überragende
Sie thront majestätisch auf dem Place de l'Altitude Cent in Forest, einen kreisförmigen Platz, der zu den höchsten Punkten der Stadt Brüssel gehört... Die Kirche wurde zwischen 1932 und 1935 im Art-déco-Stil erbaut und besteht zum Großteil aus Beton. Sie wurde im Rahmen der städtebaulichen Entwicklung des Viertels, das eine große architektonische Vielfalt aufweist, bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Das Gebäude selbst zeichnet sich durch seinen imposanten zentralen Turm aus, um den herum sich die unteren Stockwerke gruppieren, aber auch durch seine harmonischen Proportionen und seine Gesamtästhetik.
Die Stiftskirche Saints-Pierre et Guidon mit ihrem winzigen Beginenhof
In Anderlecht gibt es viele Kirchen, doch diese hier verdient unsere besondere Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, weil sie der nahegelegenen Metrostation und dem Platz ihren Namen gegeben hat. Die Reliquien des Schutzheiligen, St. Guidon von Anderlecht, befinden sich in der Krypta der Kirche, die übrigens das einzige noch rein romanische Element ist. Die Kirche wurde später im gotischen Stil umgebaut und im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil mit einer neuen Turmspitze restauriert. Absolut sehenswert sind auch die Glasfenster im Chor aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
Kleiner Tipp: Gleich neben der Kirche befindet sich einer der kleinsten Beginenhöfe Belgiens (wegen Renovierung geschlossen, Wiedereröffnung 2025) und das berühmte Erasmus-Haus mit seinem herrlichen Garten - ideal für einen Moment der Besinnung!
Kirche Sainte Suzanne: Prachtstück des Art déco
Von allen Brüsseler Art-déco-Kirchen ist diese zweifellos die farbenfrohste und die erste, die aus Stahlbeton erbaut wurde. Schon beim Betreten der Kirche fällt sofort das rote und blaue Leuchten auf, das von den monumentalen rechteckigen Glasfenstern ausgeht. Der Ursprung dieser Kirche beruht auf einer rührenden Geschichte: Sie wurde von Louise Thiéry, der Witwe des Generals Maes, finanziert. Sie hatte 1915 ihren Mann und 1914 ihre Tochter Suzanne verloren. Die Kirche wurde zu Ehren ihrer Tochter errichtet.
Bemerkenswert: Die Kirche beherbergt in ihren Untergeschossen einen Theatersaal und verschiedene Räume, um das Vereinsleben in der Nachbarschaft zu unterstützen - ein Wunsch, den die Witwe Thiéry selbst geäußert hatte.
Kirche Notre-Dame du Finistère: Shopping-Pause
Diese Kirche, in der sich barocke und neoklassische Stilelemente zusammenfließen, befindet sich in der wohl bekanntesten Brüsseler Shoppingmeile: der Rue Neuve. Eine ideale Pause also, um Ruhe, Besinnung und architektonische Schönheit zu finden. Das Prachtgebäude stammt aus dem Jahr 1730 und besitzt unter anderem eine geschnitzte Kanzel aus schwarzem Holz aus dem Jahr 1758, die den Sündenfall des Menschen darstellt.
Charmantes Detail: In der Prüfungszeit kommen die Studenten hierher, um die Hilfe der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Statue Our Lady of Good Hope aus dem schottischen Aberdeen zu erbitten, die sich in einer der Seitenkapellen befindet. Einen Versuch ist es wert!
Die Kirche Saint-Jean-Baptiste: Schönheit ganz aus Beton
Ein Hauch von Sagrada Familia auf dem Stadtgebiet der Gemeinde Molenbeek-Saint-Jean... dieses Heiligtum ganz aus Beton ziert seit fast 100 Jahren diesen Stadtteil, der nur wenige Schritte vom Zentrum und dem Rathaus von Molenbeek entfernt liegt. Der Architekt ist in Brüssel kein Unbekannter: Joseph Diongre, der auch das ehemalige Institut National de Radiodiffusion und heutige Konzert- und Veranstaltungszentrum („Flagey“), das Rathaus der Gemeinde Woluwe-Saint-Lambert oder auch die Gartenstädte in Molenbeek entwarf. Hier erschuf er ein schlichtes und elegantes Gebäude im Art-déco-Stil.
Treten Sie ein und erhaschen Sie einen Blick auf die riesigen Parabolstützbögen und die Buntglasfenster, durch die das gleißende Sonnenlicht einfällt.