Es ist ein offenes Geheimnis, dass es heute weniger Kirchgänger gibt als früher. Doch selbst die größten Skeptiker erkennen den Wert des Kulturerbes der Kirchengebäude an. Der Kampf gegen die Vernachlässigung dieser Gebäude ist in gewisser Weise ein Kreuzzug unserer Zeit. Besichtigen Sie die Brüsseler Kirchengebäude, die bereits ein neue Bestimmung gefunden haben.
Spirito
Ursprünglicher Name: Church of the Resurrection (Ixelles)
„God is a DJ“. Ein geflügeltes Wort, das man im Zusammenhang mit dem Spirito-Club tatsächlich wörtlich nehmen kann: eine ehemalige anglikanische Kirche, nur wenige Schritte von der Porte de Namur entfernt, in der jede Woche Hunderte von Clubbern ihr Heil suchen. Diese neugotische Kirche aus dem 19. Jahrhundert diente ursprünglich als Versammlungsort für die anglikanische Gemeinde in Brüssel. Kleine Anekdote: Ihre Gründung ist im Zusammenhang mit der Anerkennung der anglikanischen Religion zu sehen, die von dem ersten belgischen König Leopold I. gefördert wurde. Seit 2010 ist sie ein Nachtclub, der von vielen Nachtschwärmern geradezu angebetet wird. Die hohen Gewölbe, Buntglasfenster und imposanten Säulen bieten ein transzendentales Club-Erlebnis.
Maniak Padoue
Ursprünglicher Name: Kirche des Heiligen Antonius von Padua (Forest)
In der Bibel war Petrus ein Fels, ein treuer und starker Halt. Leider gibt es für Outdoor-Kletterer in der Brüsseler Natur nur wenige Felsen. Dafür erfreut sich der Klettersport in der Kletterhalle immer größerer Beliebtheit. Überall in der belgischen Hauptstadt sprießen Kletterhallen aus dem Boden, deren Besucherzahlen in die Höhe schnellen. Und welches Gebäude eignet sich perfekt, um unerforschte Höhen zu erreichen? Eine verlassene Kirche natürlich. Die Gemeinde Forest hat genau das begriffen und das dreischiffige Gebäude einer neuen Bestimmung zugeführt. Wie in jedem anderen Gotteshaus auch ist hier jeder willkommen: vom professionellen Kletterer bis zum Anfänger. Sind Sie bereit, in den siebten Himmel zu klettern? Vorsicht beim Abstieg
Les Brigittines
Ursprünglicher Name: Kirche der Brigittines (Brüsseler Stadtzentrum)
Les Brigittines ist gewissermaßen ein Tempel der zeitgenössischen Bühnenkunst. Hier gibt es Raum für interdisziplinäres und experimentierfreudiges Schaffen. Auch in architektonischer Hinsicht ist dieses Kulturzentrum im Marollenviertel absolut sehenswert. Das einzigartige Konzept der Verdoppelung aus der Feder des Architekten Andrea Bruno ist absolut sehenwert: Die ehemalige Barockkapelle aus dem Jahr 1663 glänzt neben ihrem zeitgenössischen Pendant aus Glas und Cortenstahl. Eine gelungene Demonstration, wie sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem kontrastreichen, aber harmonischen Ganzen fügen können, das vielleicht die Herausforderungen der Stadt der Gegenwart versinnbildlicht.
Kulturzentrum NOH – Maison de la Création
Ursprünglicher Name: Sint-Niklaas-Kirche (Brüsseler Umland)
Die ehemalige Sint-Niklaas-Kirche in Neder-Over-Heembeek ist eine der ältesten Kirchen der Region: Ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte hinter sich und wurde mehrfach umgebaut. Im Jahr 1935 wurde sie entweiht, um kurz darauf in den Besitz der Stadt Brüssel überzugehen, die dort ein Museum einrichtete. Seit 2016 ist diese kleine Kirche Teil des französischsprachigen Kulturzentrums Maison de la Création und hat ihre wahre Bestimmung gefunden: Menschen um Musik, Ausstellungen und darstellende Künste herum zu versammeln.
Mona
Ursprünglicher Name: Kirche Sainte-Madeleine (Jette)
Auch in der Gemeinde Jette ist einiges los. Im Jahr 2022 wurde dort ein wunderbares Projekt ins Leben gerufen: Mona. Jahrelang war diese ehemalige Kultstätte (ein denkmalgeschütztes Kloster (frz. „Mona “stère) am Place du Miroir für die Öffentlichkeit geschlossen. Dank des Vereins Toestand, der emsig für die Neunutzung verlassener und ungenutzter Gebäude kämpft, wurde das ehemalige Kloster zu einem offenen Treffpunkt für Dialog, Austausch, Kreativität und Experimentierfreude. Mona erfüllt die sozialen, kulturellen und ökologischen Bedürfnisse des Viertels. Es gibt verschiedene Aktivitäten, während die Gärten zum Entspannen einladen. Es handelt sich um eine zeitlich begrenzte Umwidmung - zögern Sie also nicht allzu lange!
Le Grand Hospice
Ursprünglicher Name: Hospice Pacheco / Institut Pacheco (Brüsseler Stadtzentrum)
Wir schummeln ein wenig, in der Hoffnung, dass Sie uns verzeihen: Das Grand Hospice ist keine entweihte Kirche, sondern ein großer neoklassizistischer Komplex aus dem Jahr 1827. An dieser Stelle befand sich früher die Krankenstation des Großen Beginenhofs von Brüssel. Viele Jahre lang kümmerte man sich hier um kranke und alte Menschen. Heute hat sich hier ein lebendiger und schöner Treffpunkt im Herzen der belgischen Hauptstadt etabliert. Hier können Sie Boule spielen, Yogakurse besuchen, Ihr Fahrrad reparieren, im Garten entspannen und vieles mehr!