Ein Sonntag im Marollenviertel

08 Januar 2026
De dagelijkse rommelmarkt op het Vossenplein in de Marollen.

Lust, einen Sonntag in den Brüsseler Marollen zu vertrödeln? Wir nehmen Sie mit! Das Viertel mit seiner bewegten Geschichte ist berühmt berüchtigt für seinen authentischen Charme und seine etwas spröde, typisch Brüsseler Seele. Sonntags ist der Ansturm der Einheimischen und Touristen, die auf dem berühmten Flohmarkt auf Schnäppchenjagd bzw. Schatzsuche gehen, besonders groß. Der Sonntag ist hier auch der beste Tag, um all die schönen Vintage-Shops, Restaurants, Cafés, Kneipen und Sehenswürdigkeiten abzuklappern!

 

Auf der Suche nach Flohmarktschätzchen

Hauptattraktion und nimmermüdes Herz des Marollenviertels ist sicherlich der Flohmarkt auf dem Place du Jeu de Balle. Täglich, wirklich täglich, lockt der Markt Schnäppchenjäger und Flaneure an, die hier auf dem holprigen Kopfsteinpflaster alte Fotos, Vintage-Möbel und -Kleidung, Schallplatten, Omas Geschirr und andere Kleinode und Kuriositäten ausfindig machen. Hier gilt die Devise „Früher Vogel fängt den Wurm“: Profis gehen schon um 7 Uhr in der früh auf die Pirsch, aber auch zu späterer Stunde lohnt sich ein Rundgang. Unter der Woche ist der Flohmarkt bis 14 Uhr geöffnet, am Wochenende sogar eine Stunde länger.

Frühstücken

Nach dem Flohmarktbummel knurrt Ihnen vielleicht der Magen. Ein zwar im Stehen einzunehmendes, aber wirklich ausgezeichnetes Frühstück finden Sie bei Pinpin in der Rue Blaes. Diese wie eine Brotmanufaktur anmutende Bäckerei ist bekannt für ihr außergewöhnlich gutes Brot, das mit viel Savoir-faire, Zeit und einer Extraprise Liebe aus alten belgischen Getreidesorten gebacken wird. Verknuspern Sie direkt an der Theke ein Croissant oder ein Pain au Chocolat - und bestellen dazu einen Spezialitätenkaffee der Brüsseler Mikrokaffeerösterei Mok.

Um 10 Uhr öffnet auch die vegane Espressobar Lucifer Lives Coffee ihre Türen, die veganes Frühstück und Brunch serviert. Hier stammen die Kaffeebohnen von der Wide Awake Roastery.  Die Einrichtung im Stile der Trash-Ästhetik der Horrorfilme der 80er-Jahre tun der guten Laune und dem Appetit keinen Abbruch (eher im Gegenteil).

Vintage-Perlen

Nach der Stärkung können Sie gleich weiterstöbern: Besonderheit des Marollenviertels sind die zahlreichen Vintage- und Antiquitätenläden. In der Rue Haute und der Rue Blaes reihen sich Boutiquen und Vintage-Shops wie die Perlen einer Perlenschnur aneinander. Im Sortiment sind hier vor allem Vintage-Kleidung, -Möbel und -Objekte.

Bei Melting Pot Kilo werden Secondhand-Klamotten nach Gewicht verkauft, während Sie bei Vintage Seventies Retro-Looks aus den Siebzigern finden. Elegante Vintage-Mode hat Mademoiselle l’Ancien im Sortiment, und bei Foxhole Vintage gibt es handverlesene Vintage-Teile (60er- bis 90er-Jahre). Auch ein Abstecher in die Boutiquen des DJs und Mode-Gurus Bernard Gavilan lohnt sich.

Antiquitäten, Vintage-Möbel, Designobjekte, aber auch Kuriositäten, gibt es bei Haute Antiques 207, Passage 125 Blaes, Via Antica, Bel-Oeil und bei der Galerie des Minimes zu entdecken.

Mittagessen oder Brunch

Zeit fürs Mittagessen: In der Nähe der Kirche Notre-Dame de la Chapelle verströmt die inzwischen schon legendäre Frittenbude "Friterie Chapelle" seit Jahr und Tag ihre Duftwolke. Perfekt, um sich mit einer Tüte belgischer Pommes "auf die Faust" auf einer der Bänke des Place de la Chapelle oder - ein Stückchen weiter - auf dem Place du Grand Sablon niederzulassen.

Wer lieber richtig einkehren möchte, findet mehrere gute Adressen in der Nähe: Bei Fish Tank gibt kleine Köstlichkeiten aus frischem Fisch. La Clef d'Or direkt am Place du Jeu de Balle ist der Klassiker für ein typisches Brüsseler Brasserie-Mittagessen. In der Café-Kooperative Mazette gibt es selbstgebrautes Bier und kleine hausgemachte Speisen. Das Al Jannah verwöhnt Sie mit Köstlichkeiten aus Nahost, während das Chaff mit einfachen Gerichten (Suppe, Quiche etc.) und gutem Kaffee lockt. Im Kosto können Sie am Fuße des Aufzugs zwischen Ober- und Unterstadt Mediterranes genießen.

Fassaden mit Geschichte(n)

Frisch gestärkt können Sie Ihre Entdeckungstour durchs Viertel fortsetzen, dieses Mal mit dem Fokus Street Art und Comic-Kunst! Tatsächlich erzählen die Häuserfassaden in den Marollen kleine Geschichten. Neben den berühmten Comic-Wandbildern, die den Helden der "9. Kunst" eine bunte Hommage erweisen, finden Sie hier auch zahlreiche Street-Art-Oeuvres. Sogar zu Ehren des flämischen Meisters Pieter Bruegel gibt es einen eigenen Rundgang mit etwa zehn Wandgemälden. In der Kirche La Chapelle können Sie zudem seine Bronzestatue besichtigen.

Teil der Urban Culture und Hotspot für Einsteiger und erfahrene Skater ist der mit Graffiti übersäte Skatepark an der Place des Ursulines, wo einem schon vom Zugucken schwindelig wird! 

Von Bar zu Bar

Die Belgier lieben ihre "Drinks" - trinken Sie einen mit? In den Marollen ist die Café- und Bar-Dichte besonders hoch und ihr Ambiente reicht von urig bis trendig. 

Los geht's mit Le Petit Lion in der Rue Haute, einer der letzten Kneipen und Bastionen des Viertels, die sich ihre typisch Brüsseler Seele (und Schrammeligkeit) bewahrt hat. Seit mehr als einem Jahrhundert fließen hier Bier und andere Getränke in rauen Mengen. Tagsüber trifft man hier vor allem Stammgäste, abends zieht das Café seit einigen Jahren auch ein jüngeres Publikum an, das von genau diesem unaufgeregten, spröden Charme angelockt wird. Hin und wieder gibt es Konzerte oder Partys.

In der Rue des Renards hat sich die Hybrid-Bar GIMIC niedergelassen, der der Spagat zwischen Barbetrieb und Radiosender im Dienste der lokalen Underground-Elektromusikszene gelingt. Hier ist man ganz dicht am Puls der hochkreativen Brüsseler Musikkultur.

Authentisch geht es auch im Wiel’s Renard Noir zu - einem typisch Brüsseler Café mit urigem Charme und alter Holzvertäfelung. Einrichtung, Musik und Speisekarte fügen sich perfekt in die Atmosphäre des Viertels.

Zwischen Art Brut und Art-déco-Schwimmbad

Sie sind noch nicht bereit, einen Gang zurückzuschalten? Dann ziehen Sie ein paar Bahnen in einem der schönsten Schwimmbäder Brüssels! Dieses architektonische Kleinod mit altmodischem Charme befindet sich direkt neben der Place du Jeu de Balle (Rue Reebok). Die Piscine du Centre, früher „Bains du Centre“, stammt aus dem Jahr 1953: Dank einer ausgeklügelten Architektur liegen die beiden Becken übereinander, und vom Glasdach und den großen Fenstern aus genießen Sie einen Panoramablick über die Dächer des Viertels.

Wenn Sie lieber trocken bleiben möchten, besuchen Sie Art & Marges, das Brüsseler Museum für Outsider-Kunst in der Rue Haute. Dort erwarten Sie Werke von Künstlern, die außerhalb der klassischen Kunstszene stehen, oft Autodidakten oder Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischen Erkrankungen. Kleines Extra: Der Eintritt ist am ersten Sonntag des Monats kostenlos!

Abendessen im Viertel

Was für ein Tag! Jetzt ist es an der Zeit, sich bei einem köstlichen Abendessen zu entspannen. In den Marollen haben Sie die Qual der Wahl, egal ob Sie sich für klassische Brüsseler Küche oder kreative internationale Speisen entscheiden.

Die Brasserie Ploegmans ist ein weiterer Klassiker: eine typisch Brüsseler Brasserie mit bester Stimmung und einer Speisekarte mit Brüsseler Spezialitäten. Eine farbenfrohe Alternative ist das Restaurant Renard Bleu, das raffinierte saisonale Küche in einem intimen Rahmen serviert. Für mediterrane und nahöstliche Köstlichkeiten empfehlen wir Pois Chiche, während L’Entrée des Artistes mit kreativen Gerichten und einem künstlerischen Ambiente lockt.

Als krönenden Abschluss ein atemberaubender Ausblick

Was gibt es Schöneres, als am späten Nachmittag ein wenig Höhe zu gewinnen und den Blick in den Ferne schweifen zu lassen? Nehmen Sie einfach den Aufzug, der Sie von der Unter- zur Oberstadt, genauer gesagt zum Place Poelaert bringt. Von dort aus können Sie die gigantischen Ausmaße des berühmten Justizpalasts bewundern und einen der schönsten Ausblicke auf die Stadt genießen! Das dort thronende Riesenrad entführt Sie in den siebten Himmel. Und wenn Sie Lust auf einen letzten Drink oder einen kleinen Spätimbiss haben, besuchen Sie das Schmet auf dem Place Poelaert.