Architektur in Ganshoren und Koekelberg

Schloss und Residenzen von Ganshoren, Basilika von Koekelberg

Der Brüsseler Nordwesten steht dem Rest der Stadt architektonisch in nichts nach. Das malerische, ländliche Flair der Vergangenheit von Jette ist im Norden mit seinen Grünflächen und den verbliebenen Sümpfen bis heute spürbar. Der Süden bringt eine schöne Stilvielfalt mit sich. Die Nachbargemeinde Ganshoren hat sich erst in den 1930er-Jahren städtebaulich entwickelt und einige schöne Zeugnisse modernistischer Architektur hinterlassen. Die kleine Gemeinde Koekelberg lebt im Schatten ihrer prächtigen Basilika, die Sie auf jeden Fall besichtigen sollten! Auf geht's zu einem Spaziergang durch diese drei Gemeinden im Großraum Brüssel!

Vue lointaine sur la coupole de la basilique et les rues qui y mènent

Das Château de Rivieren ist aufgrund seiner Architektur und seiner wunderbaren Umgebung ein obligatorischer Halt auf unserem Spaziergang durch Ganshoren. Das Schloss mittelalterlichen Ursprungs (12. Jahrhundert) hatte wechselnde Besitzer und wurde zahlreichen Veränderungen und Umbauarbeiten unterzogen, behielt aber dennoch seinen Charakter im Stile des Ancien Régime. Das Anwesen gehört derzeit einer Firma, die dort private Veranstaltungen organisiert. (Drève du Château, 66)   

Wenn Sie das Anwesen verlassen, sollten Sie durch die Gartenstadt Het Heideken flanieren, die bereits 1920 von dem Architekten und Stadtplaner Jules Ghobert entworfen wurde. Bei dem Konzept der Gartenstädte ging es darum, erschwinglichen Wohnraum für ärmere Bevölkerungsschichten zu schaffen, das alles mit einem gewissen Komfort und in naturnaher Umgebung. Das Ergebnis? Ein Komplex aus Einfamilienhäusern mit Gärten. Ursprünglich setzte man stark auf die Kollektivität des Komplexes und versuchte, jegliche Individualisierung zu verbannen. Auch heute noch ist eine sehr dörfliche Atmosphäre zu spüren, die fast an das Bild des Gemeinschaftslebens oder sogar des Beginenhofs erinnert. (Drève de Rivieren - Drève du Château)

Tauchen Sie ein in eine andere Epoche und halten Sie vor der Kirche Saint-Martin, die 1971 von dem Architekten Jean Gilson erbaut wurde. Die überraschende Fassade in Form eines Trapezes ist mit einem riesigen Keramikkunstwerk verziert, das an das Thema der Nächstenliebe erinnert. Das moderne Interieur der Kirche und ihre Dekoration sind einen Besuch wert (Place Reine Fabiola, 3).

1965 bauten die beiden Partnerarchitekten Brunswyck und Wathelet ihre neuen Büros im modernistischen Stil der Nachkriegszeit. Sie schufen ein bemerkenswertes Werk, dessen Fassade fast vollständig aus Glas besteht. Das Gebäude ist heute eine Erweiterung des Rathauses von Ganshoren. Nutzen Sie die Gelegenheit, um die Tür aufzustoßen und die Inneneinrichtung zu bewundern: eine Ziegelsteinmauer mit Relief, ein von seiner Rinde befreiter Baum oder eine teilweise hängende Treppe. (Avenue de Villegas, 31)

 

Besuchen Sie anschließend die Cité Moderne, eine weitere Brüsseler Gartenstadt mit hohem Wiedererkennungswert. Sie wurde zwischen 1922 und 1924 nach den Plänen von Victor Bourgeois erbaut. Sein ursprünglicher Plan war es, 500 Wohnungen zu bauen, tatsächlich entstanden jedoch nur 274, in 15 verschiedenen Typen. Heute geht der Trend natürlich hin zu dieser Art von modernistischen Würfeln mit flachen, weiß verputzten Dächern! (Place des Coopérateurs)

Die Résidence Amaryllis ist das modernistische Werk von Jean Delhaye, der das Eckgebäude zwischen 1956 und 1960 als seine persönliche Bleibe errichtete. Die Formen sind geometrisch, nach hinten hinaus erstreckt sich eine große Terrasse! (Rue des Amaryllis, 34)

Modernismus wie er im Buche steht! Dieses sehr schön gestaltete Haus wurde von dem Architektenduo de Henau und Mathieux entworfen. Es zeichnet sich durch eine recht roh und schlicht wirkende Fassade aus. Werfen Sie einen Blick auf das Design der Fenster, das mal mit der Horizontalität, mal mit der Vertikalität spielt! (Rue de l'Ancien Presbytère, 20)

Der bunte Reigen der unterschiedlichen Stilrichtungen setzt sich mit diesem überaus gepflegten Jugendstilgebäude fort, das 1906 erbaut wurde. Sein Urheber ist allerdings unbekannt. Ohne übertriebene Extravaganz ist die Fassade mit farbig glasierten Ziegelbändern und Keramikpaneelen mit Blumenmotiven verziert. Auch die Holzarbeiten sind von großer Schönheit! (Avenue Vital Riethuisen, 13)

In der gleichen Straße können Sie auch ein gediegenes Beispiel für eklektische Architektur mit Beaux-Arts-Elementen bewundern. Dieses Wohnhaus aus dem Jahr 1935 ist dem Talent des Architekten Georges Doyen zu verdanken. Es verwendete eine Mischung aus roten Backsteinen und weißem Stein, geschnitzten Giebeln, Fensterrahmen mit Fenstersprossen usw. (Avenue Vital Riethuisen, 54).

Machen Sie nun kehrt, um in den Parc Elisabeth zu gelangen und die Basilika Sacré-Cœur de Koekelberg  zu bestaunen, die fünftgrößte Kirche der Welt! Sie wurde im Art-déco-Stil erbaut, ist 164 Meter lang, 107 Meter breit und ihre Kuppel erreicht eine Höhe von 93 Metern – ein echter Orientierungspunkt im Brüsseler Stadtbild. Wussten Sie, dass die Pariser Kirche Sacré-Cœur als Vorbild diente? Und dass die Bauarbeiten, die 1909 begannen, über 60 Jahre dauerten? Lassen Sie sich nicht den (kostenpflichtigen) Panoramaausblick von der Kuppel aus entgehen – es lohnt sich!

Das Maison Vandevelde ist eine stattliche Villa mit vier Fassaden, die Sie in englische Gefilde entführt. Man bemerkt einen deutlichen Einfluss des Cottage-Stils mit einem Hauch von Art déco und regionalen Anklängen. Das Haus mit L-förmigem Grundriss wurde 1922 von Antoine Pompe entworfen. Auf der Rückseite befindet sich ein Garten, der den Eindruck erweckt, man hätte die Stadt längst hinter sich gelassen... (Avenue Sermon, 25)

Mit seiner mit bordeauxfarbenen Keramikfliesen verzierten Fassade und den knallroten Fensterrahmen ist dieses modernistische Haus ein echter Blickfang und eine kleine Sensation in der Straße! Sein Architekt André Claessens bediente sich des Stromlinienstils und entlehnte einige Elemente, wie z. B. die Bullaugen, aus der Welt der Schifffahrt. (Avenue Sermon, 55)

Der gleiche Beaux-Arts-Stil inspirierte auch andere Architekten in Ganshoren, so wie bei diesen beiden Herrenhäusern, die 1930 von demselben Architekten, Auguste Hanssens, erbaut wurden. Die beiden kunstvoll gestalteten Fassaden zeigen große Wirkung: Eleganz auf allen Etagen! Achten Sie auf die Steinverblendungen, die skulpturierten Tür- und Fensterpfeiler, die Pilaster und die schöne Loggia, die die Fassade des linken Hauses durchbricht... (Avenue Broustin, 83-85) 

In derselben Avenue sollten Sie unbedingt vor diesem Jugendstilhaus aus dem Jahr 1910 verweilen, das ein Musterbeispiel seiner Art ist! Das Haus wurde für Alphonse Hellinckx erbaut. Bewundern Sie vor allem die mehrfarbige Fassade, das große Fenster mit dem Spitzbogen und die dekorativen Steingutpaneele des Erkerfensters... eine echte Schönheit! (Avenue Broustin, 110)

Unser Spaziergang endet allmählich in diesem Viertel um die Basilika, das zweifellos von großem architektonischem Interesse ist. Ein weiterer Beweis dafür ist dieses bemerkenswerte Beispiel: Ein imposantes Herrenhaus im eklektischen Stil mit neogotischen Anklängen aus dem Jahr 1905. Der Architekt Pepermans baute ein Haus, das nicht nur durch seine breite Fassade, sondern auch durch sein allgemeines Erscheinungsbild beeindruckt. Er verwendete Blaustein und zahlreiche dekorative Elemente. (Avenue des Gloires Nationales, 40)

Halten Sie auf derselben Avenue an diesem kleinen Apartmenthaus im brutalistischen Stil an, das 1966 von Paul Caulier entworfen wurde. Ursprünglich handelte es sich um das Büro (im ersten Stock) und die Wohnung (in den oberen Stockwerken) des Architekten Caulier selbst. Beachten Sie den allgegenwärtigen Beton, die Loggien, in die Blumenkästen integriert sind, oder auch diesen erstaunlichen, asymmetrisch geformten Balkon im obersten Stockwerk. Im Inneren ist alles roh: Seitenwände aus unverputztem Backstein und Decken aus Beton, Wendeltreppen aus Beton, ein Kamin, der Backstein und Beton verbindet (Avenue des Gloires nationales, 10)

Nachdem Sie den Parc Elisabeth durchquert haben, können Sie diese Eckvilla im Art-déco-Stil bewundern, die einst dem Industriellen Oscar Bossaert gehörte, der auch Bürgermeister von Koekelberg war. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1930. Sein Architekt Albert Callewaert, dem ein Bildhauer zur Seite stand, offenbarte hier sein ganzes Talent: eine besondere Komposition, gelegen an einer abgerundeten Ecke einer Straßenkreuzung, eine elegante eiserne Eingangstür, geschnitzte Friese, die Türen und Fenster einrahmen, und nicht zu vergessen ein sehr schönes baumbestandenes Grundstück... (Avenue du Panthéon, 1)

Krönenden Abschluss bildet ein typisch Brüsseler Beispiel des Jugendstils. Sie werden schnell feststellen, dass es sich lohnt, einige Augenblicke vor dem Gebäude aus dem Jahr 1913 zu verweilen, das seinem Architekten Fernand Lefever nicht nur als Wohnhaus und Büro diente, sondern auch als Visitenkarte! Besonderes Augenmerk legte er auf die Formen und die Dekoration mit sehr schönen Sgraffiti und aufwendigen Schmiedearbeiten. Man meint zu erkennen, dass die Hauptfassade aus Stein besteht, doch in Wirklichkeit handelt es sich um Putz, der Stein imitiert, was weitaus kostengünstiger ist! (Avenue du Panthéon, 59)