Architektur in Schaerbeek

Schaerbeek, eine Gemeinde zwischen Jugendstil und Neoklassik

Die Gemeinde Schaerbeek, die für ihr architektonisches Kulturerbe bekannt ist, hat zahlreiche Schätze zu bieten. Durchstreifen Sie diese außergewöhnliche Gemeinde, in der zahlreiche begnadete Architekten ihre Spuren hinterließen: Herrenhäuser, Schulen, öffentliche Gebäude und vieles mehr. 

Schaerbeek - Schaarbeek
tour Brusilia - Brusilia-toren (Jacques Cuisinier 1971)
© visit.brussels - Jean-Paul Remy - 2017

Im Süden der Gemeinde wurde 1907 die Ecole Communale 13 bzw. das Athénée Fernand Blum errichtet, ein Werk von Henri Jacobs. Das Interieur des Schulkomplexes und seine Verzierungen zwischen Eklektizismus und Jugendstil sind absolut sehenswert: Keramikkacheln, Friese, Gemälde auf Leinwand etc. (avenue Ernest Renan, 12)

Etwas weiter Richtung Norden können Sie vor der breiten Fassade des Foyer Schaerbeekois verweilen, einem 1899 von Henri Jacobs entworfenen Arbeiterwohnhaus im Jugendstil. Wie man sieht, war der Jugendstil nicht nur ein Privileg der Wohlhabenden! (rue Victor Hugo, 53-65)

Kleiner Abstecher zum Maison Devalck (1900), das der gleichnamige Architekt für seine Mutter erbaute. Besonders bemerkenswert sind die Öffnungen, die Loggia, die Glasfenster und die Sgraffiti. (rue André Van Hasselt, 32-34)

Rund um den Place des Bienfaiteurs befinden sich mehrere sehenswerte Gebäude, u. a. das Haus an der Avenue Dailly 48. Der Architekt Chambon entwarf dort für seinen Schwiegersohn ein Haus im geometrischen Jugendstil. (avenue Dailly, 48)

Setzen Sie Ihren Weg in den historischen Kern von Schaerbeek fort. Die gesamte Avenue Louis Bertrand ist einen Besuch wert, aber werfen Sie einen genaueren Blick auf das Ancienne Maison Verhaeghe Baujahr 1906, das von dem Schaerbeeker Architekten Strauven entworfen wurde, auf dessen Konto auch das Maison Saint-Cyr geht. Hier wurde nicht mit Ornamenten gespart: Die Fassadenelemente weisen zahlreiche Jugendstilverzierungen auf. (avenue Louis Bertrand, 43)

In unmittelbarer Nähe befindet sich ein weiteres Schulgebäude im Jugendstil: der Schulkomplex La Ruche, der von dem Architekten Jacobs entworfen und 1907 eingeweiht wurde. Als Gesamtkunstwerk entwarf der Architekt – auf fast einem Hektar Land! – nicht nur die Pläne, sondern auch alle Details und das Mobiliar. (rue Josaphat, 215, 229 und 241)

Auf der Avenue Louis Bertrand ist die Kirche Saint-Servais kaum übersehbar. Sie wurde von Gustave Hansotte zwischen 1871 und 1876 im neogotischen Stil erbaut und ersetzt eine alte mittelalterliche Kirche. Sie wurde kürzlich restauriert und überragt stolz eine der schönsten Brüsseler Alleen. (avenue Louis Bertrand)

Direkt neben der Kirche sollten Sie einen Augenblick bei der Maison Autrique verweilen, das ex aequo mit dem Hotel Tassel das erste von Horta 1893 erbaute Jugendstilhaus ist. Das schlichte, bürgerliche Haus verzichtet auf Luxus und Extravaganz. Bei der originalgetreuen Restaurierung wollte man dem ursprünglichen Stil so treu wie möglich bleiben. Im Interieur entwickelten François Schuiten und Benoit Peeters eine ganz besondere Museumsszenografie. (chaussée de Haecht, 266)

Gleiche Straße, anderes Ambiente: In der Chaussée de Haecht empfängt Sie das Maison des Arts in einer Oase der Ruhe. Die riesige neoklassizistische Villa und ihre Nebengebäude wurden 1836 für die Tuchhändlerfamilie Eenens-Terlinden errichtet. Das Grundstück hat beeindruckende Ausmaße, die in diesem stark urbanisierten Teil der Stadt selten sind. (chaussée de Haecht, 147)

Statten wir der benachbarten Kirche Sainte-Marie einen Besuch ab. Das Bauwerk wurde in der Zeit von 1845 bis 1888 erbaut und weist römisch-byzantinische Stilelemente auf – darunter eine Kuppel mit Metallstruktur – seinerzeit eine Seltenheit. Sie ist Teil der königlichen Trasse, die den Königlichen Palast im Zentrum mit dem Königlichen Schloss in Laeken verbindet. (place de la Reine)

Jetzt gelangen wir zu einem besonderen architektonischen Juwel. Auch wenn es sich auf dem Gebiet der Gemeinde Saint-Josse befindet, wollen wir einen Blick auf De Ultieme Hallucinatie werfen. Das ursprüngliche Gebäude, auch Hôtel Cohn-Donnay genannt, benannt nach einem seiner früheren Besitzer, stammt aus dem Jahr 1841 (oder vielleicht sogar noch früher), wurde jedoch 1904 von dem Architekten Hamesse radikal umgebaut. Die spektakulärsten Änderungen betreffen die Innenräume: von einem neoklassizistischen Hotel zu einer Jugendstilperle! Das Gebäude wird heute von einer Brasserie genutzt. (rue Royale, 316)

Begeben wir uns zurück ins Zentrum der Gemeinde Schaerbeek... zu ihrem Rathaus, das ursprünglich zwischen 1884 und 1887 von Jules-Jacques van Ysendyck im Stil der flämischen Neo-Renaissance erbaut wurde. Im Jahr 1911 wurde es nach einer Brandstiftung teilweise abgerissen und von Jules-Jacques‘ Sohn Maurice fast identisch wieder aufgebaut. (place Colignon)

Das Maison Langbehn ist ein Jugendstilwerk des aus den Niederlanden stammenden Architekten Jean Van Hall, der das Doppelhaus selbst bewohnte, bevor es 1926 von der Mutter des bildenden Künstlers Roger Langbehn gekauft wurde. Heute wird es von der Association Roger Langbehn genutzt, die ihre Aktivitäten auf die Bildung durch Kunst und Natur konzentriert, z. B. in Form von Konzerten und Ausstellungen. (rue Renkin, 90)

Eine weitere wichtige Figur der Jugendstilarchitektur in Brüssel war Henri Jacobs, der in Schaerbeek wohnte und dort auch verstarb. Sein Haus in der Avenue Maréchal Foch mit seiner prächtigen Fassade sticht sofort ins Auge... Im Erdgeschoss befanden sich seine Büros mit sage und schreibe fünf Zeichentischen! Die Wohnräume erstreckten sich über die oberen Stockwerke. (avenue Maréchal Foch, 9)

Ein paar Schritte weiter gelangen wir zum Place Princesse Elisabeth mit dem monumentalen Bahnhof von Schaerbeek. Der linke Teil aus dem Jahr 1887 ist im Stil der flämischen Neorenaissance gehalten, während der rechte Teil zwischen 1913 und 1919 im Repertoire des Jugendstils erbaut wurde. (place Princesse Elisabeth, 5)

Abstecher: Etwas abseits von unserem Parcours befindet sich die Kirche Sainte-Suzanne, die erste Kirche in Brüssel, deren Struktur vollständig aus Stahlbeton besteht. Sie wurde zwischen 1925 und 1928 von dem Architekten Jean Combaz errichtet und ist eindeutig dem Art-déco-Stil zuzuordnen. Ihre Architektur ist in vielerlei Hinsicht gewagt: Da wären zum Beispiel die zahlreichen Glasfenster, die teilweise wie ein echtes Glasdach anmuten! (avenue Gustave Latinis, 50)