Architektur in Woluwe-Saint-Pierre: ein reicher Stilmix

Woluwe-Saint-Pierre, vornehm und luftig

Die Brüsseler Gemeinde Woluwe-Saint-Pierre ist vor allem ein Wohngebiet. Ihren Namen verdankt sie teilweise dem Wasserlauf Woluwe, der durch sie hindurchfließt. Sie verfügt über zahlreiche Grünflächen – insbesondere den Parc de Woluwe oder den Parc des Étangs Mellaerts – was für eine hohe Lebensqualität sorgt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde vor allem ländlich geprägt, wobei der Bau der Avenue de Tervueren ihre städtebauliche und architektonische Entwicklung stark beschleunigte. Das historische Zentrum der Gemeinde erstreckt sich rund um die Kirche Saint-Pierre. Später wurde das Gebiet durch die Gründung von landwirtschaftlichen Betrieben allmählich bebaut, wodurch mehrere Dörfer entstanden.

Parador villa moderniste, entrée de la maison et vue sur le jardin

Ausgangspunkt dieses Spaziergangs bildet ein beeindruckendes Bauwerk, das wir dem Architekten Jacques Dupuis zu verdanken haben: der Parador, eine atemberaubende modernistische Villa, die in der Zeit von 1946 bis 1948 für den Bruder des Architekten, Paul-Victor, seines Zeichens Arzt, erbaut wurde. Das Wohnhaus ist von der Straße aus kaum einsehbar und in erster Linie auf den Garten hin ausgerichtet, um die Ruhe seiner Bewohner zu gewährleisten. Übrigens wurde die Baugenehmigung seinerzeit nur unter der Bedingung erteilt, dass ein „Sichtschutz aus Pappeln gepflanzt wird, um den Blick auf die Fassade zu verdecken“, die als „hässlich“ eingestuft wurde! (Avenue Louis Jasmin, 297) 

Die Avenue Edmond Parmentier, benannt nach dem Unternehmer, der für den Bau der Avenue de Tervueren verantwortlich war, wird von recht alten und prestigeträchtigen Häusern gesäumt. Die Villa aus der Feder des Architekten Georges Borges dominiert die Umgebung und verweist mit ihren gestuften Hauptfassaden, der Kombination verschiedener Materialien und den vergitterten kleinen Holzfenstern auf den flämischen Neo-Renaissance-Stil. Sie stammt aus dem Jahr 1913 (Avenue Edmond Parmentier, 191). 

Wenn Sie eine Schwäche für Herrenhäuser haben, wird Ihnen die nächste Etappe zusagen. Bei der Errichtung im Jahr 1906 entschied man sich für den Cottage-Stil. 15 Jahre später wurde die Fassade umgestaltet. Ergebnis war dieser Pavillon mit eklektischer Tendenz. Dem Aussehen nach könnte er auch direkt aus dem 18. Jahrhundert stammen. (Rue Mareyde, 25) 

Zurück zur Avenue Parmentier: Werfen Sie einen Blick auf die beiden Doppelhaushälften im eklektischen Stil. Interessantes Detail: Die besondere Symmetrie ist nicht einer einzigen Baustelle zu verdanken. Das Haus auf der linken Seite wurde 1909 und das kleinere Haus rechts 1913 gebaut. Einige Elemente unterscheiden sie voneinander, wie z. B. die Türmchen. (Avenue Edmond Parmentier, 120 und 122)

Das Maison Goffay ist das Werk des gleichnamigen Architekten, der es 1935 für seine Eltern errichten ließ. Goffey, der erst vor kurzem seinen Abschluss gemacht hatte, schuf ein gewagtes Werk im modernistischen Stil, das sich ganz offensichtlich an Le Corbusier orientierte. Bemerkenswerte Details: der Zugang über eine Fußgängerbrücke und die auf Pfahlwerken ruhende Struktur, was in Brüssel absolut außergewöhnlich ist... (Avenue du Hockey, 43)

Zum Abschluss des Spaziergangs besichtigen wir die Kirche Saint-Paul, eine relativ neue Kultstätte, die erst 1941 geweiht wurde. Das imposante Gebäude mit seinem korridorartigen Eingang und seinem massiven Turm ist im neoromanischen Stil gehalten und verwendet ausschließlich Materialien aus Belgien, insbesondere den hier weitverbreiteten Sandstein. (Avenue du Hockey, 94-96)