Architektur in Woluwe-Saint-Pierre: der Gemeindekern und seine Sehenswürdigkeiten

Woluwe-Saint-Pierre, vornehm und luftig

Die Brüsseler Gemeinde Woluwe-Saint-Pierre ist vor allem ein Wohngebiet. Ihren Namen verdankt sie teilweise dem Wasserlauf Woluwe, der durch sie hindurchfließt. Sie verfügt über zahlreiche Grünflächen – insbesondere den Parc de Woluwe oder den Parc des Étangs Mellaerts – was für eine hohe Lebensqualität sorgt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde vor allem ländlich geprägt, wobei der Bau der Avenue de Tervueren ihre städtebauliche und architektonische Entwicklung stark beschleunigte. Das historische Zentrum der Gemeinde erstreckt sich rund um die Kirche Saint-Pierre. Später wurde das Gebiet durch die Gründung von landwirtschaftlichen Betrieben allmählich bebaut, wodurch mehrere Dörfer entstanden.

Vue partielle sur le palais Stoclet

Kirchen sind besonders markante Bauwerke, die das Stadtbild prägen. Die Kirche Saint-Pierre, die Sie vor sich sehen, wurde 1936 erbaut. Das weitläufige Gebäude im neo-traditionellen Stil integriert Elemente der Vorgängerkirche aus dem 18. Jahrhundert und versucht, eine architektonische Kontinuität herzustellen. Neu sind die monumentalen Proportionen, die im Gegensatz zu den bescheidenen Ausmaßen der alten Kirche stehen. (Parvis Saint-Pierre)

Den Architekten Vermeiren und Nicaise ist das Rathaus zu verdanken, das in der Zeit zwischen 1961 und 1975 entstand. Ein beeindruckendes Gebäude mit einem weithin sichtbaren Glockenturm, dessen Stil sich frei an der flämischen Neorenaissance orientiert. Charmantes Detail: An der Stelle des Rathauses wurde früher Gemüse angebaut!  (Avenue Charles Thielemans, 93)

Architektonisches Highlight von Woluwe ist natürlich der berühmte Palais Stoclet, der Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Adolphe Stoclet, seines Zeichens Ingenieur, Bankier und Kunstsammler, beauftragte einst den österreichischen Architekten Joseph Hoffmann mit dem Bau eines Hauses an der Avenue de Tervueren. Das Ergebnis? Ein echter Prachtbau, der in der Zeit von 1905 bis 1911 entstand. Ohne finanzielle oder ästhetische Einschränkungen konzipiert, bildet das Ensemble „Palast und Garten“ ein luxuriöses Gesamtkunstwerk mit klaren Geometrien, die einen Bruch mit dem klassischen Jugendstil markieren und in die Kategorie der Wiener Sezession oder des geometrischen Jugendstils fallen. (Avenue de Tervueren, 281)

Auch die zeitgenössische Architektur ist hier durchaus sehenswert... z. B. dieses Wohnhaus, Baujahr 2000. Die ursprüngliche Parzellenmauer wurde beibehalten, die der Fassade als Stützmauer dient, was dem Ensemble eine fast schwebende Leichtigkeit verleiht. Die Fassade ist, abgesehen von einigen Fensterbändern, fast vollständig fensterlos (Rue Saint-Hubert, 6). 

Wenn Sie in der Rue Saint-Hubert eine halbe Drehung vollführen, stoßen Sie praktisch mit der Nase auf dieses prächtige Herrenhaus im Beaux-Arts-Stil aus dem Jahr 1913. Seine Besonderheit? Den ursprünglichen Plänen nach handelte es sich hierbei um ein Jugendstilhaus! Man erkennt noch einzelne Spuren, vor allem in den zahlreichen als Peitschenschlag bezeichneten Linien. (Avenue Roger Vandendriessche, 38)

Der nächste Halt führt Sie zu einem Beispiel des neoklassischen Stils, der auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch anzutreffen war. Dieses auffällige, symmetrische Gebäude diente ursprünglich als Mädcheninternat. Es wurde zum Polizeipräsidium umfunktioniert und 1985 bei einem Bombenanschlag stark beschädigt. Umfangreiche Renovierungsarbeiten gaben ihm seinen alten Glanz zurück. Beachten Sie auch das Glasdach, das erst 1996 ergänzt wurde. (Rue Père Eudore Devroye, 245) 

Nächste Station ist dieses interessante Gebäude im Ozeandampfer-Stil. Es umfasst zwei Wohnungen und wurde 1933 von dem Architekten Lucien de Vestel entworfen, wobei die gesamte Architektur an ein Schiff erinnert. Beachten Sie insbesondere die beiden Holztüren mit Bullauge, die geradewegs zum Oberdeck führen könnten! (Avenue Jules César, 120) 

Diese modernistische Villa (1931) des Architekten Léon Mercenier ist ein echter Blickfang. Sie entspricht perfekt dem Stilkanon, d. h. geometrische Formen, Flachdach und verputzte Fassaden. Im Inneren trennt diese bürgerliche Wohnung klar die Räume der Eigentümer von den Räumen der Bediensteten. (Avenue de l'Horizon, 32)

Die Villa Gosset ist ein weiteres Beispiel des prächtigen Art-déco-Stils. Sie wurde 1928 von dem Architekten Adrien Blomme entworfen. Gosset war in der Zigarettenindustrie tätig, und seine Geschäfte schienen gut zu laufen: Seine Villa umfasst Wohnhaus, Pförtnerhaus, ein als Stallungen dienendes Nebengebäude auf einem großen, eingezäunten Grundstück. (Avenue de l'Horizon, 21-23)

Die Bilbiotheca Wittockiana wurde von einem passionierten Bücherliebhaber und Privatmann eröffnet und besticht allein schon durch ihre außergewöhnliche Architektur. Ein kleiner Kulturtempel, untergebracht in einem faszinierenden Gebäude aus Naturstein und Rohbeton, der sowohl als Museum als auch als Dokumentationszentrum rund um die Geschichte und die Technik der Buchbinderei dient. (Rue du Bemel, 23)

Das Maison Gombert an der Avenue de Tervueren ist ein imposantes modernistisches Gebäude mit drei Fassaden und zählt zu den bemerkenswertesten Bauwerken des Architekten Huib Hoste (1933).  Flachdächer mit Balustraden, kubistische Formen, weiß verputzte Wände, die an einen Schiffsbug erinnern: Hier kommt das ganze Repertoire des Modernismus zum Tragen. (Avenue de Tervueren, 333)