Künstlerinnen mit Abenteuerlust

1. Marguerite Acarin, die "Akarova"

Sind Sie in Brüssel schon einmal am Place Akarova vorbeigekommen? Dieser kleine Platz hinter der Kirche Eglise des Brigittines wurde nach einer in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Frau benannt!

Marguerite Acarin, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Akarova ist Künstlerin und Tausendsassa: Tänzerin, Sängerin, Choreographin, aber auch Malerin und Bildhauerin. Bekannt ist sie vor allem für ihren Einfluss und ihren Beitrag innerhalb der Brüsseler Tanzszene. Sie gründete seinerzeit ihren eigenen Tanzsaal, um dort vollkommen frei und unabhängig ihrer choreographischen Recherche nachgehen zu können. Das Gebäude, das inzwischen als Wohnraum dient, steht noch immer an der Avenue de l'Hippodrome Nr. 72 in der Gemeinde Ixelles, ganz in der Nähe der Teiche von Ixelles und des Place Flagey. Die Akarova bewohnte bis zu ihrem Tod im Jahr 1999 die oberen Etagen. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof von Ixelles.

Akarova

2. Anna Boch

Anna Boch war nicht nur eine der Gründerinnen der Belgischen Liga für Frauenrechte (Ligue belge du droit des femmes), sondern machte im 19. und 20. Jahrhundert auch als Künstlerin und Malerin von sich reden.

Ihr Nachname ist in Belgien kein unbekannter... Anna ist in der Tat die Tochter von Victor Boch, einem der Gründer der berühmten Keramikmanufaktur Royal-Boch-Keramis, die in La Louvière ansässig war und vor gut zehn Jahren ihren Betrieb eingestellt hat

Anna wurde 1848 in der Provinz Hennegau in ein großbürgerliches Milieu hineingeboren, was ihr eine große materielle Sicherheit beschied. Sie verbrachte ihre Kindheit in La Closière, einem extravaganten Schloss, das ihr Vater von dem Architekten Poelaert errichten ließ. Sie genoss eine künstlerische und musikalische Ausbildung und frequentierte Künstler wie Van Gogh und Toulouse-Lautrec.

Nach ihrer musikalischen Ausbildung wandte sie sich der Malerei zu und genoss in Brüssel eine hochwertige Ausbildung, unter anderem bei Isidore Verheyden und Théo Van Rysselberghe, was ihre Sensibilität für die nicht-traditionelle Kunst verdeutlicht.  

Im Jahr 1907 kauft Anna ein Automobil und reist allein durch Europa – eine absolute Seltenheit in jener Epoche! Sie liess sich ein prunkvolles Wohnhaus in der Gemeinde Ixelles an der Kreuzung zwischen der Rue de l’Abbaye und der Chaussée de Vleurgat erbauen. Das vom Jugendstil inspirierte Gebäude muss 1954 leider zugunsten eines modernen Mehrfamilienhauses weichen. Sie organisierte bei sich zu Hause Musik-Montage, richtete ein umfangreiches Mäzenatentum ein und stellte eine umfassende Gemäldesammlung zusammen, die nach ihrem Tode in alle Himmelsrichtungen verstreut wurde...  Darunter ein Gemälde von Van Gogh, das einzige, das er zu Lebzeiten verkaufte!

Anna verstarb im Jahr 1936 in Brüssel.

3. Alexandra David-Néel

Sie haben sicherlich schon von diesen kühnen Abenteurerinnen gehört, die im 19. Jahrhundert die Welt bereisten? Alexandra David-Néel ist eine von ihnen! Die gebürtige Pariserin zog im Alter von sechs Jahren nach Brüssel – in die Gemeinde Ixelles, um genau zu sein. Nach ihrem Studium am Brüsseler Konservatorium schlug sie eine beeindruckend vielseitige Karriere als Orientalistin, Tibetologin, Opernsängerin, Journalistin und Schriftstellerin ein!

Neugierig und wissbegierig wie sie war, verkehrte sie in anarchistischen und feministischen Kreisen und konvertierte im Alter von 21 Jahren zum Buddhismus. Sie reiste durch Europa, dann nach Indochina, Tunesien, Indien, Korea, China und sogar bis nach Tibet und wurde 1924 die erste europäische Frau, die sich dort aufhielt.

Erst mit  78 Jahren kehrte sie nach Frankreich zurück, um ein sesshafteres Leben zu führen. Sie starb im Alter von knapp 101 Jahren!

 

Alexandra David-Néel