Wohl kaum jemand außerhalb Belgiens weiß, dass Brüssel eine wichtige Rolle in der Geschichte des internationalen Fußballs gespielt hat. Wussten Sie zum Beispiel, dass das erste Spiel zwischen zwei kontinentaleuropäischen Nationen (Belgien und Frankreich) 1904 in Uccle stattfand? Dass der erste belgische Fußballverein aus Brüssel stammte? Dass sich eine der ältesten Tribünen Europas im Viertel Vivier d'Oie befindet? Auf geht's zur Entdeckung dieser Fußballmonumente der belgischen Hauptstadt!
König-Baudouin-Stadion, zwischen internationalen Sportveranstaltungen und Konzerten
Das König-Baudouin-Stadion ist DAS belgische Stadion schlechthin. Es befindet sich seit 1930 auf dem Heysel-Gelände in der Nähe des Atomiums – daher auch sein ursprünglicher Name „Stade du Centenaire“ (Stadion des hundertjährigen Jahrestags der belgischen Unabhängigkeit) – und hat ein Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern bzw. 60.000 Konzertbesuchern. Das Stadion, das sich in der Nähe des Atomiums befindet, wird häufig Schauplatz spannender Begegnungen der tapferen "Diables Rouges", aber auch jedes Jahr Austragungsort von zwei Großveranstaltungen: dem Finale des belgischen Fußballpokals und dem Mémorial Van Damme, einem Leichtathletik-Meeting mit Nervenkitzel und Atmosphäre! Außerdem finden hier regelmäßig Konzerte statt: Große Künstler wie Madonna, U2, Céline Dion oder die Sängerin Beyoncé (anlässlich ihrer „The Formation World Tour” am 31. Juli 2016) gaben sich hier bereits die Ehre
Möchten Sie einen Blick hinter die Kulissen dieses legendären Stadions werfen? Es werden Führungen angeboten, bei denen Sie einen Blick hinter die "Kulissen" werfen können, die normalerweise nicht oder nur im Fernsehen zu sehen sind, z. B. die Umkleidekabinen der "Diables Rouges", die Künstlergarderobe oder die Presseräume.
Avenue de Marathon 135/2, Laeken
Lotto Park, Stadion des RSC Anderlecht
Der Lotto Park ist gemeinsam mit dem König-Baudouin-Stadion eine der größten Sportstätten der Region Brüssel-Hauptstadt und bietet Platz für 22.000 Zuschauer. Seit seiner Einweihung im Jahr 1917 wird dieses gigantische Stadion von dem RSC Anderlecht genutzt, dem erfolgreichsten Fußballclub Belgiens. Es befindet sich im Parc Astrid, einem 15 Hektar großen Park im Herzen der Gemeinde Anderlecht. Das Stadion wurde bereits Schauplatz zahlreicher spannender Begegnungen, darunter hochkarätige Spiele im Rahmen der europäischen Pokalwettbewerbe, denn in den 1970er- und 1980er-Jahren gehörte der Verein Anderlecht auf europäischer Ebene zur Crème de la Crème!
Avenue Théo Verbeeck 2, Anderlecht
Das Stadion Joseph Marien – malerisch und authentisch, ein Stadion, das sich seinen ursprünglichen Charme bewahrt hat!
Das Joseph-Marien-Stadion am Rande des herrlichen Parc Duden ist Teil der "Donation royale", die es vermietet. Seit über 100 Jahren spielt die Royale Union Saint-Gilloise, einer der traditionsreichsten Vereine Brüssels, der zwölfmal belgischer Meister wurde, auf diesem schönen Rasen in einer gesellig-ausgelassenen Atmosphäre! Das Publikum setzt sich aus einer Vielzahl von Groundhoppern – also Stadionbesuchern – und Hipstern zusammen. Das Stadion ist auch für seine denkmalgeschützte Fassade und seine Art-déco-Glasfenster bekannt
Chaussée de Bruxelles 223, Forest
Bertelson-Stadion, ehemaliger Trainingsplatz der "Diables Rouges"
Dieses Stadion, das in den 1950er-Jahren erbaut wurde und von einer Leichtathletikbahn eingerahmt wird, ist mit seinen verlassenen, halb von Gras überwucherten Tribünen ein Ort für Nostalgiker. Es war einst das Heimatstadion von La Forestoise, einem 1909 gegründeten Fußballverein, der fünf Spielzeiten in der belgischen ersten Liga bestritten hat. Es stand kurz davor, Austragungsort für die Spiele der "Diables Rouges" zu werden, bevor die Wahl auf den Heysel-Komplex fiel; das Bertelson-Stadion diente ausschließlich als Trainingsplatz für das belgisches Nationalteam. Direkt nebenan befindet sich die mythische Konzerthalle Forest National.
Avenue du Globe 46, Forest
Stadion Vivier d’Oie, zurück zu den Wurzeln der FIFA
Dieses Stadion in der Gemeinde Uccle im Brüsseler Süden ist in mehrfacher Hinsicht geschichtsträchtig. Es wurde 1902 erbaut und ist die Heimat des Racing Club de Bruxelles, der 1890 zunächst als Leichtathletikverein gegründet wurde und 1894 eine Fußballabteilung ins Leben rief – damals einer der besten Fußballvereine Belgiens. Die seinerzeit innovative Stahlbetonkonstruktion ist eine der ersten überdachten Tribünen Europas – wenn man die Holztribünen ausnimmt – und wahrscheinlich die einzige, die intakt geblieben ist. Wussten Sie, dass das erste Fußballspiel zwischen Belgien und Frankreich auf diesem Rasen ausgetragen wurde? Das Spiel endete mit einem Unentschieden (3:3). Spannendes Detail: Im Zuge der Begeisterung für das Spiel wurde wenige Wochen später die FIFA gegründet. Heute beherbergt die Anlage einen Hockeyclub, den Racing Club de Bruxelles.
Avenue des Chênes 125, Uccle
Stadion Trois Tilleuls, kleiner Bruder des König-Baudouin-Stadions
Das in der Welt des Fußballs eher unbekannte, etwas verborgen gelegene Stadion „Trois Tilleuls“ erfreut sich in der Gemeinde Watermael-Boitsfort großer Beliebtheit und wird auch von Stadionfans sehr geschätzt. Es wurde zwischen 1946 und 1948 erbaut und war damals für den Royal Racing Club de Bruxelles als riesiger Fußballtempel konzipiert. Seine Tribünen im Stil eines antiken Theaters boten 40.000 Menschen Platz – was aus Sicherheitsgründen jedoch seit langem verboten ist. Damit ist dieses Stadion auch heute noch das zweitgrößte Stadion Belgiens, direkt nach dem König-Baudouin-Stadion. Sie werden feststellen, dass die Zeit nicht spurlos an den Tribünen vorübergegangen ist ... und Sie können die große, wahrscheinlich hundertjährige Linde bewundern, die wie ein Zuschauer auf der Tribüne thront! Sie erinnert an einen Eigentümer, der sein Grundstück für den Bau des Stadions nur unter der Bedingung verkaufte, dass der Baum erhalten bleibt ... ein Baum, der heute ebenso wie die Tribüne unter Denkmalschutz steht
Avenue des Nymphes 1a, Watermael-Boitsfort
Das Fallon-Stadion, eine Referenz in der Brüsseler Sportwelt
Dieser beeindruckende, 1956 eingeweihte Sportkomplex versetzt Sie mit seinen insgesamt 22 Hektar großen Sportplätzen aller Art – darunter 6 aneinandergrenzende Fußballplätze, eine Leichtathletikbahn und natürlich die prächtige Tribüne vom Typ Aero-Elascon (einer seinerzeit innovativen Technik, mit der ein Vordach ohne Verwendung von Stützpfeilern errichtet werden konnte) – buchstäblich in die Welt des Sports. Fußballerisch gesehen war er die Heimat des Racing White, einem der Vorläufer des Racing White Daring Molenbeek oder RWDM, bevor der Verein in die Gemeinde Molenbeek-Saint-Jean und ins Machtens-Stadion umzog (siehe unten)
Wussten Sie, dass die Leichtathletikbahn der bevorzugte Trainingssportplatz der Borlée-Brüder war, einer großen Brüsseler Leichtathletenfamilie? Oder dass Papst Johannes Paul II. dort im Rahmen seines Besuchs in Belgien 1985 eine Zeremonie für die polnische Gemeinde abhielt?
Chemin du Struykbeken 1, Woluwe-Saint-Lambert
Crossing-Stadion, vierter Brüsseler Verein
Im oberen Teil des Parc Josaphat befindet sich das Stadion Crossing, das seit seiner Einweihung im Jahr 1914 fester Bestandteil der historischen Brüsseler Sportlandschaft ist. Von den ursprünglichen Anlagen ist jedoch fast nichts mehr übrig, da sie im Laufe der Zeit ersetzt wurden. Das Stadion wurde 2010-2011 komplett modernisiert und erstrahlt nun wieder in neuem Glanz. Ende des 20. Jahrhunderts war das Gelände so verfallen, dass es beinahe abgerissen worden wäre. Das hinderte jedoch den großen Bob Dylan nicht daran, dort 1984 ein Konzert zu geben, wo es allerdings recht matschig zuging.
Dieses Stadion war die Heimat des Royal Crossing Club von Schaerbeek, einem Verein, der heute zwar nicht mehr zu den besten gehört, aber dennoch hinter Anderlecht, Union und RWDM der viertgrößte Verein Brüssels ist. Es ist also kein Zufall, dass namhafte Spieler wie Georges Leekens oder Joseph Masopust – Ballon d'Or 1962 – dort gespielt haben ...
Avenue du Suffrage Universel 22, Schaerbeek
Das Edmond-Machtens-Stadion – eine Geschichte voller Wendungen
Das Edmond-Machtens-Stadion ist zweifellos eines der bekanntesten Stadien in Brüssel und bietet Platz für maximal 12.266 Zuschauer. Derzeit wird es vom Racing White Daring Molenbeek (RWDM) genutzt, einem Verein, der heute in der D1B (zweite belgische Liga) spielt, aber das Ergebnis einer Reihe von Umstrukturierungen, Fusionen und Namensänderungen ist. Dieses legendäre Stadion hat zwar zahlreiche Umbauten erfahren und nur wenige Überreste aus der Zeit seiner Einweihung im Jahr 1920 bewahrt, aber seinerzeit war es Schauplatz zahlreicher Brüsseler Derbys, die oft in einer hitzigen Atmosphäre ausgetragen wurden! Dazu zählen natürlich die sogenannten Zwanze-Derbys zwischen dem Daring Club de Bruxelles – dem Vorgänger des RWDM – und der Union Saint-Gilloise, eine Rivalität, die als Vorlage für das berühmte Theaterstück Bossemans et Coppenolle diente, aber auch die Begegnungen zwischen Anderlecht und dem RWD
Der RWDM, bekannt für die Leidenschaft seiner Fans, wurde 1975 belgischer Meister.
Rue Charles Malis 61, Molenbeek-Saint-Jean