Architektur in Anderlecht

Anderlecht, eine weitläufige und altehrwürdige Gemeinde 

Anderlecht ist eine der größten Gemeinden der Region Brüssel. Dieser Parcours wird Ihnen keinen allgemeinen Überblick über die Architektur der Gemeinde geben, sondern sich auf den historischen Kern konzentrieren und dabei einen Blick auf die architektonischen Spuren der ferneren Vergangenheit werfen. Sind Sie ein Liebhaber von kleinen Gassen mit Kopfsteinpflaster, mittelalterlichen Gebäuden und der Atmosphäre vergangener Zeiten? Dann begleiten Sie uns auf diesem Parcours durch die altehrwürdige Geschichte der Gemeinde Anderlecht, die bereits im 11. Jahrhundert ihren Lauf nahm, und wandeln mit uns auf den Spuren der Kanoniker und des Humanismus.  

Bâtiment ancien du centre d'Anderlecht avec nature à l'avant plan

Erste Station ist die schöne Stiftskirche Saints-Pierre-et-Guidon. Ähnlich wie die Kathedrale Saints-Michel-et-Gudule im Brüsseler Stadtzentrum war diese Kirche ab dem Ende des 11. Jahrhunderts zunächst ein romanisches Heiligtum, das zu Ehren des Heiligen Guidon und zur Aufbewahrung seiner Reliquien errichtet wurde. Das gotische Bauwerk wurde zwischen der zweiten Hälfte des 14. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter Beibehaltung einiger romanischer Elemente errichtet. Die unterschiedlichen Farbtöne der weißen Steine verweisen auf die verschiedenen Bau- und Restaurierungsphasen. Wussten Sie, dass die Turmspitze ein neugotischer Zusatz aus dem 19. Jahrhundert ist? (Place de la Vaillance) 

Noch auf demselben Platz, sollten Sie kurz vor diesem Gebäude verweilen, das als das ehemalige Anwesen Vandenpeereboom bekannt ist. Hinter dem Eingangsportal aus dem 18. Jahrhundert verbirgt sich ein großes, außergewöhnliches Haus, das der Architekt Malfait 1890 einst für den ehemaligen Minister Jules Vandepeereboom entworfen hat. Dieser wünschte sich ein Haus im Stil des 16. Jahrhunderts, in dem er nicht nur wohnen, sondern auch seine Antiquitätensammlungen unterbringen wollte. Auf dem Gelände befindet sich heute eine Akademie, also zögern Sie nicht, es zu betreten, um die (falsche) Jahreszahl, die mithilfe von Metallankern angebracht wurde, die Sprossenfenster, die bunte Mischung aus Ziegeln und Steinen, das Türmchen und all die anderen architektonischen Elemente zu betrachten. Willkommen im 16. Jahrhundert! (Place de la Vaillance, 17) 

Flanieren Sie jetzt durch die Rue Porselein – ein malerischer Ort, der Sie in die Vergangenheit von Anderlecht eintauchen lässt.

Ein Stück weiter gelangen Sie zum alten Beginenhof, der sich direkt auf der anderen Seite der Kirche befindet. Die Gemeinschaft der Beginen entstand in Anderlecht im 13. Jahrhundert. Er gilt als der kleinste Beginenhof Belgiens und präsentiert sich Ihnen heute in Form von zwei weiß gestrichenen Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die um einen zentralen Hof und einen Brunnen angeordnete Anlage ist überaus malerisch und beherbergt heute ein Museum über das Alltagsleben der damaligen Zeit (Rue du Chapelain, 8). 

Dem Maison Erasmus eilt sein Ruf gewissermaßen voraus. Es handelt sich um ein bekanntes historisches Bauwerk im gotischen Stil aus dem 16. Jahrhundert, das einst, für ein paar Monate im Jahr 1521, den Humanisten Erasmus beherbergte. Die Zeit seines Aufenthalts nutzte er, um an einer neuen Ausgabe des Neuen Testaments zu arbeiten. Das Backsteingebäude ziert ein mit stufenförmigen Oberlichtern versehenes Dach, das bereits die flämische Renaissance ankündigt. (Rue de Formanoir, 31)

Und weiter geht's in Richtung eines anderen Platzes, mit dem dieser kleine Rundgang durch die Straßen von Anderlecht endet. Dort begrüßt Sie das durchaus ästhetisch gestaltete Gebäude des Friedensgerichts. Es wurde 1898 nach einer Petition der Einwohner errichtet, die neidisch auf die Errichtung einiger öffentlicher Gebäude in anderen Teilen der Gemeinde geworden waren. Es greift auf brillante Weise den Stil der flämischen Neorenaissance auf. Die Hauptfassade ist vollkommen symmetrisch. Es kommen vor allem hiesige Materialien zum Einsatz: Backstein und Blaustein. (Place de la Résistance, 3)