In Brüssel gehört es zur Tradition, zum Selbstverständnis und zum guten Ton, das handwerkliche und künstlerische Know-how von Generation zu Generation weiterzugeben. Viele der Brüsseler Traditionshäuser haben sich im Laufe der Jahre ein besonderes Savoir-faire angeeignet, das oftmals auch jenseits der belgischen Landesgrenzen großen Anklang findet. Sei es als offizielle Hoflieferanten des belgischen Königshauses oder als Mitglieder des erlesenen Kreises des Brussels Expertise Labels… einige der Traditionshäuser haben sich Exzellenz auf die Fahnen geschrieben.
Wussten Sie, dass viele Brüsseler Traditionshäuser heute teilweise bereits mehr als 100 Jahre alt sind? Einige von ihnen gab es sogar schon, bevor der Staat Belgien gegründet wurde. Mit Exzellenz, Tradition und Innovation ist es ihnen gelungen, Zeit und schnelllebige Modeerscheinungen zu überdauern und die verschiedenen Umwälzungen und geopolitischen Krisen zu überstehen. Ihr besonderes Geheimnis? Ihnen gelingt es mit Bravour, sich immer wieder an neue Trends anzupassen und gleichzeitig den tief verwurzelten Werten ihres Handwerks treu zu bleiben, die da heißen Leidenschaft, Know-how und Weitergabe des althergebrachten Savoir-faires.
Brauerei Cantillon - Brüsseler Gueuze-Museum (seit 1900)
Die in Anderlecht ansässige Brauerei Cantillon ist die letzte traditionelle Brüsseler Brauereien, die das legendäre Lambic-Bier braut. Das berühmte Familienunternehmen und sein Museum sind buchstäblich lebendiges Kulturerbe und nehmen Sie mit auf eine faszinierende Reise in die Vergangenheit. Tauchen Sie ein in die Zeit um 1900 und bewundern Sie historische Kupferkessel, Getreidespeicher, traditionelle Herstellungsverfahren und jahrhundertealte Bierfässer! Cantillon nutzt bis heute die althergebrachte Brauereitradition der Spontangärung der Würze, die von den berühmten, natürlich nur in Brüssel anzutreffenden Bakterien, den charmanten Brettanomyces bruxellensis, bewerkstelligt wird. Ein Brüsseler Highlight!
Joris (seit 1938)
Nun bereits in vierter Generation sorgen die Süßigkeiten von Bonbons Joris dafür, dass Naschkatzen das Wasser im Munde zusammenläuft. Das Familienunternehmen ist seit 1938 Teil der belgischen Süßwarensaga! Aufgrund der allgemeinen Rohstoffknappheit während des Zweiten Weltkriegs musste das Unternehmen jede Menge Einfallsreichtum unter Beweis stellen und spezialisierte sich auf Weingummi, kleine Köstlichkeiten, für die letztendlich nur zwei Zutaten benötigt wurden: Gelatine und Zucker. Das Wagnis hat sich ausgezahlt! Ob hart oder weich… die Bonbons werden auch heute noch nach traditionellem Rezept in der Brüsseler Gemeinde Berchem-Sainte-Agathe hergestellt und sind weit über die belgischen Landesgrenzen hinaus für ihren einzigartigen und nachhaltigen Herstellungsprozess bekannt.
Mary (seit 1919)
Es war das Jahr 1919, kurz nach dem 1. Weltkrieg, dass die leidenschaftliche Schokoladenliebhaberin Mary Delluc ihr erstes Schokoladengeschäft in der Rue Royale eröffnete. Die Unternehmerin erwies sich damit als enorme Visionärin, die eine Erfolgsgeschichte à la belge schrieb. Der damalige Laden kombinierte eine Pralinentheke mit einem eleganten Art-déco-Teesalon, in dem sich die Brüsseler Bourgeoisie die Ehre gab. Diesen besonderen Feinsinn spürt man bis heute in den Mary-Boutiquen, angefangen bei den Schokoladenkreationen über die Schaufensterdekoration bis hin zu den Pralinenschachteln, die allesamt im Zeichen von Harmonie und Zartheit stehen.
Maison Dandoy (seit 1829)
Riechen Sie ihn auch, den Duft von Spekulatius, der durch die kleinen Kopfsteinpflastergassen rund um den Grand-Place zieht? Das ist wahrscheinlich die Keksbäckerei Biscuiterie Dandoy, die die Brüsseler Luft seit 1829 mit Zimt- und Kardamomdüften erfüllt. Eine echte Institution, die ihre Kekstradition bereits seit vielen Generationen hütet und pflegt. Heute findet man hier an der verlockenden Kekstheke eine bunte Auswahl an Köstlichkeiten: Spekulatius, Marzipan, Pains Grecque (eine Keksspezialität aus Milchbrot, braunem Zucker und Kristallzucker) und Pains d’Epices (der frankophonen Entsprechung der Lebkuchen). Das Maison Dandoy hegt eine echte Leidenschaft für die Kunst des Schönen und Exklusiven und arbeitet dafür auch immer wieder mit renommierten Künstlern oder anderen belgischen Traditionshäusern zusammen. Das Geschäft in der Rue au Beurre (ja, wirklich, der Butterstraße) wurde im Jahr 1858 eröffnet und ist somit die älteste seiner Art. Baudelaire soll hier während seines Brüsseler Aufenthalts im Jahr 1860 regelmäßig gesichtet worden sein. Auch das Maison Dandoy überlebte die Rationierungen des Zweiten Weltkriegs dank seines süßen Zwiebacks, der aus einigen wenigen Zutaten gebacken wurde.
Neuhaus (seit 1912)
Im Jahr 1912 erfand Jean Neuhaus unter dem majestätischen Glaskuppeldach der Galeries Royales Saint-Hubert die berühmte belgische Praline. In Brüssel vollzog der Schweizer Apotheker mit italienischen Wurzeln (offenbar ein Feinschmecker!) eine echte berufliche Kehrtwende: Er machte sich als Chocolatier selbstständig und spezialisierte sich auf gefüllte Schokoladenspezialitäten. Kurz darauf, im Jahr 1915 erfand seine Frau Louise Agostini den berühmten belgischen „Ballotin”, so der Terminus technicus für die belgische Pralinenschachtel. Heute kreiert Neuhaus Schokolade aus naturbelassenen Zutaten und nachhaltig angebauten Kakaobohnen – und das schmeckt man! Schmelzen Sie dahin für die süßen Köstlichkeiten dieser Chocolaterie, die in der Galerie de la Reine, aber auch in vielen anderen Brüsseler Stadtvierteln zu finden ist.
Wittamer (seit 1910)
Süße Genüsse, die die Zeit überdauern, gibt es auch bei Wittamer. Dieses mehr als einhundert Jahre alte Traditionshaus versteht sich auf Feingebäck, Pralinen und Konditoreiwaren. Zwar wurde es 2021 von einem externen Unternehmertrio übernommen, dennoch bleibt das Haus den Werten und dem Savoir-faire der drei Generationen der Familie treu. In Brüssel verwöhnt Wittamer in seiner berühmten Boutique am Grand Sablon buchstäblich alle Sinne. Zart knuspernde Macarons, Pralinen zum Dahinschmelzen, Schwarzwälder Kirschtorte etc.... es ist quasi ein Ding der Unmöglichkeit, einer der verlockendsten Theken der belgischen Hauptstadt zu widerstehen! Feinschmecker auf der ganzen Welt freuen sich hingegen über die internationale Präsenz von Wittamer.
Au Grand Rasoir - Maison Jamart (seit 1821)
Mit fast 1500 Messer- und Rasurartikeln in allen Formen und Farben pflegt das Maison Jamart seit mehr als 2 Jahrhunderten die Messerschmiedekunst. Das über Generationen weitergegebene Fachwissen wird heute nicht nur von Profis und Laien, sondern auch vom belgischen Königshof geschätzt! Sobald Sie die Schwelle der Maison Jamart übertreten, wähnen Sie sich in längst vergangenen Zeiten. Lassen Sie sich verzaubern von dem Charme der alten Regale und Vitrinen, die im Laufe der Jahre Patina angesetzt haben. Küchenmesser, Scheren, Taschenmesser, Rasiermesser und viele andere Produkte werden sorgfältig von renommierten Lieferanten aus Frankreich, Deutschland, England, der Schweiz und Japan ausgewählt.
Coutellerie du Roi (seit 1750)
In der leicht übersehbaren Passage du Nord, ganz in der Nähe der großen Shoppingmeile Rue Neuve, finden Sie die Coutellerie du Roi. Das altmodische Messergeschäft wurde schon 1750 gegründet – d. h. lange vor der Ausrufung des Staates Belgiens – und bietet eine große Auswahl an Utensilien, von Nagelscheren über Pfeffermühlen bis hin zu einer großen Auswahl an Messern. Auch einige Sammlerstücke sind in der Auslage zu finden. Die Marken Opinel, Laguiole, Leatherman, Victorinox und Peugeot sind hier selbstverständlich vertreten. Die Coutellerie du Roi bietet darüber hinaus einen hervorragenden Kundenservice und verfügt über eine eigene Schleifwerkstatt.
Maison Van Thienen (seit 1880)
Das Maison Van Thienen hat sich seit 1880 auf hochwertige Rahmungen spezialisiert, was auf den Vergolder François Van Thienen zurückzuführen ist. Mehrere Generationen der Van Thienens leiteten das Familienunternehmen bis 1986, als Charles Van Thienen, der Enkel von François, das Unternehmen an Vincent Vercheval übergab, der es heute seinerseits mit fachkundiger Hand leitet. In 140 Jahren hatte das Haus bereits das Privileg, mit großen Künstlern wie René Magritte, Paul Delvaux, James Ensor oder Léon Spilliaert zusammenzuarbeiten. Kurzum, Handwerkskünstler mit begnadeten Händen!
Miroiterie Leys & Fils (seit 1870)
Fünf Generationen der Familie Leys haben seit 1870 den guten Ruf der Spiegelmacherei Miroiterie Leys begründet und gefestigt. In den 150 Jahren Firmengeschichte hat das Unternehmen an zahlreichen prestigeträchtigen Bauwerken mitgewirkt, die die ganze feine Noblesse des Glases zum Ausdruck bringen, z. B. bei den Königlichen Gewächshäuser von Laeken, der Solvay-Bibliothek, dem Königspalast, den Königlichen Galerien Saint-Hubert und dem Atomium. Ein Savoir-faire, das auf mehr als einem Jahrhundert Erfahrung beruht.
Savonneries bruxelloises (seit 1926)
Die knapp 100 Jahre alte traditionelle Seifenmacherei Savonneries bruxelloises befindet sich in der Brüsseler Gemeinde Laeken. Seit 1926 haben drei Generationen der Familie Nanson sowie verschiedene Nachfolger hier die Produktion von hochwertigen Seifen und anderen festen Kosmetika verfeinert. Nun wurden die Savonneries von zwei jungen Unternehmern übernommen, die nicht nur die historischen Werte und Ambitionen bewahren, sondern sich auch an die Herausforderungen der Gegenwart anpassen. Das Ergebnis dieser echt Brüsseler Handwerkskunst und des althergebrachten Savoir-faires wird zu knapp drei Vierteln in alle Teile der Welt exportiert. Möchten Sie mehr über das Herstellungsverfahren wissen? Die Fabrique, in der die Parfums von Grasse herrlich duften, kann nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden.
Vervloet (seit 1905)
Von ihrer Brüsseler Werkstatt aus arbeiten die Teams des Maison Vervloet an unzähligen belgischen und internationalen Projekten. Seit mehr als einem Jahrhundert vertraut man vielerorts auf das besondere Know-how dieses Unternehmens, das sich auf Kunstbeschläge spezialisiert hat und auf diesem Gebiet in Europa zu den letzten ihrer Art gehört. Die Handwerkskünstler haben eine Kollektion von mehr als 45 000 Beschlägen aus Bronze und Messing entworfen, häufig Maßanfertigungen, die zahlreiche Stilrichtungen abdecken – von Louis XIV über Art-déco bis hin zu zeitgenössischem Design.
Maison De Greef (seit 1848)
Im Jahr 1848 ließ sich der Uhrmacher François-Prosper De Greef nur wenige Schritte vom Grand-Place entfernt in der Rue au Beurre nieder. Bis heute ist die sechste Generation der Familie, die sich auf Uhren und Schmuck spezialisiert hat, an derselben Adresse tätig. Die Nachfolger des Familienunternehmens haben sich der Exzellenz verschrieben und ihre Nische zwischen Eleganz und Exklusivität gefunden. Arnaud Wittmann, seines Zeichens Goldschmied, Designer und Juwelier, steht an der Spitze des Hauses, dem er seinen unkonventionellen und einzigartigen Stil einhaucht, um seine anspruchsvolle Kundschaft zufrieden zu stellen.
Leysen (seit 1855)
Das Geheimnis der langen Erfolgsgeschichte des Juweliergeschäfts Leysen? Symbolträchtige Schmuckstücke, die Geschichten erzählen und die Zeit überdauern. Seit 1855 standen sechs Generationen von Juwelieren an der Spitze dieser Schmuckinstitution. Kundennähe und Exzellenz haben den guten Ruf der Familie und die Exzellenz ihres Know-hows begründet. Alle Schmuckstücke werden in den belgischen Werkstätten von Goldschmieden gefertigt, die die von der Familie entworfenen Skizzen kunstvoll veredeln.
Wolfers (seit 1812)
Seit 1812 bringt das Maison Wolfers mit seinen Schmuckkreationen nicht nur die Augen seiner Kundinnen zum Funkeln. Es handelt sich um eines der ältesten Juwelier- und Goldschmiedehäusern Europas. Eleganz, Schönheit und ästhetische Kühnheit haben das Haus durch alle Epochen und Trends geführt. Im ausgehenden 19. Jahrhunderts hat es sich sogar als einer der Brüsseler Jugendstilpioniere in positioniert. 1958 erlangte das Maison Wolfers dank der Brüsseler Weltausstellung auch über Grenzen hinaus große Bekanntheit. Kleine Anekdote: Das Hochzeitsdiadem von Königin Mathilde von Belgien ist zu 100% eine Wolfers-Kreation.
Delvaux (seit 1829)
Brüssel kann sich rühmen, die Geburtsstadt des ältesten Luxuslederwarenhauses der Welt zu sein: Delvaux. Die Kreationen des 1829 von Charles Delvaux in der belgischen Hauptstadt gegründeten Traditionshauses werden heute in die ganze Welt exportiert und haben die Herzen von It-Girls wie Beyoncé, Lady Gaga und Rihanna im Sturm erobert. Das besondere Savoir-faire der Handwerkskünstler, das zeitlose Design und die Qualität der Kreationen haben seit 1883 sogar Einzug in den belgischen Königshof gehalten. Das Taschenmodell „Brillant“, das ursprünglich für die Weltausstellung 1958 entworfen wurde, ist das Aushängeschild des Hauses, das es immer wieder in neuen Variationen gibt.
Natan (seit 1930)
Das von Paul Natan gegründete Mode- und Prêt-à-porter-Haus Natan gibt es seit 1930. Doch erst seit der Übernahme durch Edouard Vermeulen in den 1980er-Jahren ist das Haus auch über die belgischen Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Der Designer, seines Zeichens ausgebildeter Innenarchitekt, konnte dank seines feinen Gespürs für Formen und Material rasch die europäischen Königshäuser für sich gewinnen, angefangen bei der belgischen Königsfamilie, aber auch die der Niederlande, Schwedens und Luxemburgs. Seit fast 40 Jahren entwirft Edouard Vermeulen klassische Modelle mit markantem Charakter.