Wie gut kennen Sie eigentlich das Brüsseler Europaviertel? Und damit meinen wir nicht nur die zahlreichen Institutionen, die Dreh- und Angelpunkt der EU-Politik sind, sondern auch die Kultur- und Freizeitangebote des Viertels. Vielleicht wissen Sie schon, dass Sie tagsüber Dinosaurierskelette bestaunen, ägyptische Kunst bewundern oder Ihr Wissen über die europäische Geschichte auffrischen können. Aber das Viertel ist auch abends, ja sogar nachts durchaus lebendig! Lust auf einen Kulturausflug nach Feierabend? Vielleicht auf einen letzten Drink? Wir verraten Ihnen unsere Top-Adressen im Viertel:
Le Senghor
In der Nähe des Place Jourdan, im Herzen des Europaviertels, befindet sich Le Senghor - das Kulturzentrum der Gemeinde Etterbeek. Das schöne Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert, das bis 1937 als Stadtteilkino diente, ist seit 1988 Treffpunkt für Kulturliebhaber aus aller Welt, wobei der afrikanische Kontinent im Rampenlicht steht. Das Kino wurde nach dem senegalesischen Dichter Léopold Senghor benannt, der höchstpersönlich der Einweihung beiwohnte. Regelmäßig finden hier Theater-, Film- und Tanzaufführungen statt. Das Programm überzeugt aber vor allem durch die vielfältigen Konzerten zwischen Afro-Jazz, Klassik und Weltmusik.
Atelier 210
In der Nähe des Parc du Cinquantenaire befindet sich das alternative Kulturzentrum Atelier 210, das sich Kreation, Reflexion und Kulturerlebnisse der besonderen Art auf die Fahnen geschrieben hat. Am Ruder ist keine Geringere als die Künstlerin Léa Drouet, die für ihren experimentellen Ansatz bekannt ist. Hier gibt es keine Tabus und so ist jede(r) willkommen, um in einer absolut offenen Atmosphäre über die Geschichte(n) der Gegenwart nachzudenken und sie zu ergründen. Hinzu kommen Konzerte oder Performances fernab des Mainstreams. Die Blackout Sessions sind – trotz der Dunkelheit – ein Highlight für alle, die einmal im wahrsten Sinne des Wortes abschalten wollen. Denn was gibt es Schöneres, als in kompletter Dunkelheit einem legendären Musikalbum zu lauschen?
Atelier Marcel Hastir
Der belgische Maler, Theologe und Widerstandskämpfer Marcel Hastir ist außerhalb Belgiens wohl eher unbekannt, aber dennoch eine wichtige Figur. Von 1935 bis zu seinem Tod 76 Jahre später lebte er in der Rue du Commerce im Brüsseler Leopold-Viertel. Diese einstige Hochburg des Widerstands scheint bis heute vom Zahn der Zeit verschont geblieben zu sein. Abseits vom Trubel der Stadt kann man dort nach wie vor seine Gemälde und Staffeleien bewundern und dabei klassischen Konzerten lauschen oder ein Theaterstück ansehen. Seit Jahrzehnten geben sich an diesem besonderen Ort immer wieder große Namen aus der Musikwelt die Ehre. Die intime, nostalgische und ein wenig magische Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes tut natürlich ihr Übriges.
Théâtre Varia
Wer sich für Theater und andere darstellenden Künste begeistert, sollte das Théâtre Varia in der Nähe des Place Jourdan ansteuern. Es ist seit langem eine feste Größe des (französischsprachigen) Theaters, aber auch für Tanz, Zirkus und Musik. Über die Vorstellungen hinaus setzt das Théâtre Varia auch auf kreative Begegnungen zwischen Künstlern und Publikum, z. B. in Form von Vorträgen, Workshops und Führungen. Vor und nach den Aufführungen können Sie in der „Zero-Waste“-Restaurant-Bar kleine Speisen genießen, vegan, vegetarisch oder mit Fleisch.
Piolalibri
Piolalibri hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem kulturellen Hotspot des Europaviertels entwickelt. Dieser überaus facettenreiche Ort befindet sich zwischen den Squares Ambiorix, Marie-Louise und Marguerite und dem Parc du Cinquantenaire, nur wenige Gehminuten von der U-Bahn-Station Schuman entfernt. Dabei ist Piola Libri Buchhandlung, italienisches Kulturzentrum, Weinbar, Musikbar mit Live-Konzerten und Restaurant mit köstlichen Antipasti in einem. Expats aus Italien können hier Nachrichten und neueste Trends aus ihrem Heimatland verfolgen. Und wer einfach neugierig ist, kann hier den Reichtum und die Schönheit der italienischen Kultur entdecken.
Jazz Station
Zugegeben, wir schummeln ein wenig, denn dieser Jazz-Tempel befindet sich eigentlich außerhalb des Europaviertels, nur einen Steinwurf von dem Square-Viertel entfernt. Trotzdem möchten wir Ihnen die Jazz Station nicht vorenthalten, die allein schon aufgrund ihrer Lage einen Besuch wert ist. Wo sonst auf der Welt kann man in einem Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert einem Jazzkonzert lauschen? Dieses überaus dynamische Musikzentrum befindet sich buchstäblich auf den Gleisen, die den Brüsseler Nordbahnhof mit dem Leopold-Viertel verbinden. Architektonisch besticht es durch seinen flämischen Neorenaissancestil mit brabantischen Barockeinflüssen. Doch das Interieur ist in diesem Fall noch spannender: Neben Ausstellungen, Proben, Listening Sessions und Vorträgen über die Geschichte des Jazz können Sie dort auch mehrmals pro Woche ein Konzert der Crème de la Crème der belgischen und internationalen Jazzszene besuchen.
Nach der Vorstellung noch auf ein Gläschen?
Lassen Sie den Abend voller kultureller Eindrücke gebührend ausklingen. Im Europaviertel gibt es dafür zahlreiche Adressen. Am Place Luxembourg, zum Beispiel, wo man es traditinell versteht, zu feiern! Expats aus ganz Europas frönen hier ihrer Partykultur. Bars wie das Ginette, die VesterBar, das Café Luxembourg, das Network Brussels und die Beer Factory sind hier die wohl beliebtesten und angesagtesten Treffpunkte. Dienstagabends findet an dieser Stelle ein Wochenmarkt statt.
Die Top-Adresse am Place Jean Rey ist zweifellos das Le Grand Central, eine beeindruckende Bar & Eatery mit großer Terrasse und einem Hauch von industrieller Designästhetik – eine weitere Erfolgsgeschichte des Brüsseler Cafe-Gurus Frédéric Nicolay.
Am Place Jourdan können Sie bei Pepete et Ronron und bei 13 Degrés einkehren, um köstliche Weine zu verkosten. Die Beers Bank hingegen bietet mehr als hundert Biersorten.
Liebhaber traditioneller irischer Pubs kommen im Europaviertel ebenfalls auf ihre Kosten: Im James Joyce, im The Hairy Canary und im The Wild Geese wird täglich bis spät in die Nacht gefeiert. Cheers!