Napoleon und Brüssel

11 Februar 2025

Dass es eine Verbindung zwischen Napoleon und Waterloo gibt, wissen die meisten wohl in groben Zügen. Die Beziehung zwischen dem französischen Feldherrn und Brüssel, das immerhin 20 km von Waterloo entfernt liegt, ist jedoch weniger bekannt. Lassen Sie sich von uns auf eine kleine geschichtliche Erkundungstour zu den Orten mitnehmen, an denen Napoleon bis heute seine Spuren hinterlassen hat. 

Ein wenig Geschichte...

18. Juni 1815: Die Napoleonischen Kriege und die imperialen Ansprüche Napoleon Bonapartes enden nach der Schlacht von Waterloo. Kaiser Napoleon I. träumte davon, ein französisches Kaiserreich zu errichten, das ganz Europa beherrschen sollte. Der Sieg der Armee, die einen Großteil der europäischen Länder vereinte, über die napoleonische Armee (Frankreich) bei Waterloo setzte seinen Ambitionen jedoch ein jähes Ende.  

Kurzer geschichtlicher Rückblick: Belgien und damit auch Brüssel standen von 1794 bis 1814 unter französischer Herrschaft. Diese kurze Zeit war gleichbedeutend mit zahlreichen radikalen Veränderungen, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind: auf Verwaltungsebene (territoriale Neuordnung), auf religiöser Ebene (Aufhebung der Kirchengemeinden), auf gerichtlicher und juristischer Ebene (Neuordnung der Justiz, Einführung des Zivilgesetzbuches) oder z. B. der Beginn des Abbaus der zweiten Brüsseler Stadtmauer.  

Dieses Kapitel der Geschichte wird auch heute noch auf den belgischen Schulbänken ausführlich behandelt. Es hat nicht nur Frankreich, sondern auch die Kulturlandschaft Brüssels nachhaltig geprägt. Sehen Sie selbst. 

Napoleon in den Brüsseler Museumssammlungen

Noch heute lebt die Symbolfigur Napoleon in den Sammlungen bemerkenswerter Gebäude und großer Brüsseler Museen fort.

Beginnen wir mit dem historischen Stadtzentrum und den Fluren des Brüsseler Rathauses, wo ein prächtiges Porträt des damaligen Ersten Konsuls Napoleon Bonaparte ausgestellt ist, das 1804 von Charles Meynier angefertigt wurde. Direkt gegenüber dem Rathaus, ebenfalls auf dem Grand-Place, finden Sie im Maison du Roi die Porträts von Napoleon und seiner Frau Josephine, die in der Zeit zwischen 1796-1809 von Louis Dupré gemalt wurden. Und nicht weit davon entfernt, im historischen Marionettentheater Théâtre Royal de Toone, befindet sich eine Marionette, die einen Soldaten Napoleons darstellt.

Die Königlichen Museen für Schöne Künste besitzen ihrerseits eine Napoleonbüste aus Gips von Charles-Louis Corbet aus dem Jahr 1804, eine Kreidezeichnung von James Ensor aus dem frühen 20. Jahrhundert und einen Abguss der Napoleonbüste, der 1902 von der in Tongeren aufbewahrten Originalstatue angefertigt wurde.

Im Europaviertel werden Sie in den neuen Räumen des Museums für Kunst und Geschichte, die den dekorativen Künsten gewidmet sind, die Gelegenheit haben, das Mobiliar zu entdecken, das beim Ball der Herzogin von Richmond am 15. Juni 1815 zum Einsatz kam, d. h. am Vorabend der Schlacht von Quatre-Bras und drei Tage vor der entscheidenden Schlacht von Waterloo (die Möbel werden ab Juni 2025 zu sehen sein). Die Herzogin war die Ehefrau von Charles Lennox, der die Reservetruppen befehligte, die Brüssel im Falle einer Invasion durch Napoleon zu verteidigen hatten. Auf diesem prestigeträchtigen Ball waren zahlreiche Generäle aus Wellingtons Armee zu Gast. Das Armeemuseum stellt außerdem ein Ölgemälde aus, das Napoleon I. in seinem Krönungsanzug zeigt und von Anne-Louis Girodet um 1812 angefertigt wurde. Das Haus der Europäischen Geschichte schließlich fragt nach Napoleons Ambitionen: War er ein Verfechter der Freiheiten oder ein Eroberer? Das Museum bietet einige Antworten zur Entschlüsselung dieser turbulenten Zeit, die das Ende des Ancien Régime markierte und die modernen Demokratien einläutete. 

Wussten Sie, dass Napoleon einst das Schloss von Laeken rettete?

Diese Aussage muss vielleicht ein wenig nuanciert werden, aber dennoch sind wir nicht weit von der Wahrheit entfernt: Ende des 18. Jahrhunderts sorgten die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege dafür, dass Europa den Gürtel enger schnallen musste. Das zwischen 1781 und 1785 erbaute Schloss Schonenberg in Laeken wurde von seinen Besitzern, Marie-Christine von Österreich und Albert von Sachsen-Teschen, die als Generalgouverneure der Niederlande die Regionen regierten, nach der Angliederung des Territoriums an Frankreich im Jahr 1794 rasch verlassen. Das Schloss wurde daraufhin den Plünderern überlassen.  

Napoleon, der sich leidenschaftlich für die Erhaltung des kulturellen Erbes einsetzte, kaufte es 1803 auf und rettete das Schloss Laeken somit in letzter Minute vor der Zerstörung. Er begann daraufhin mit Umbauarbeiten, um es zu seinem Brüsseler „Standbein“ zu machen. Bis 1810 hielt er sich dort dreimal auf. Das Schloss Laeken ist heute die Residenz des belgischen Königs.

Mit seinem sicheren Gespür für die großen Kulturerbeschätze gab er auch den Anstoß zur Renovierung des Brüsseler Opernhauses Théâtre de la Monnaie, das zu dieser Zeit darniederlag. Napoleon, der von dem kleinen Manneken-Pis begeistert war, verlieh ihm den Ehrentitel des Kammerherrn, der Adligen verliehen wurde, die einem König oder Prinzen dienten. Das Brüsseler Bengel (Ket in Brüsseler Mundart) besitzt außerdem einige Kostüme aus der Zeit des Ersten Kaiserreichs, die in der GardeRobe Manneken Pis bewundert werden können. 

Nur einen Steinwurf von Brüssel entfernt

Das Wellington-Museum und Waterloo 1815

Wenn Sie mehr über die Schlacht von Waterloo und die napoleonische Zeit erfahren möchten, sollten Sie sich auf den Weg nach Waterloo machen. Das Wellington-Museum zeigt anhand von Original-Gegenstanden und -Dokumenten den politischen Kontext Europas vor und nach der Schlacht sowie den Verlauf der Kämpfe.  Sie können auch die Domäne der Schlacht von Waterloo 1815 besuchen. Diese beeindruckende Stätte ist sowohl eine Gedenkstätte als auch ein historisches Museum. Jedes Jahr Ende Juni können Sie anlässlich des Jahrestags der Schlacht von Waterloo einer spektakulären Nachstellung beiwohnen.

Noch eine letzte historische Anekdote!

Und zum Abschluss unserer Erkundungstour noch eine kleine Anekdote: Napoleons letztes Patenkind ist auf dem Brüsseler Friedhof in Evere begraben! Ja, tatsächlich, das Grab von Josephine Napoléone de Montholon, die auf der Insel St. Helena geboren wurde und 1819 in Brüssel verstarb, wird noch immer regelmäßig von Verehrern des Feldherrn mit Blumen geschmückt. Es wird gemunkelt, dass das Mädchen in Wirklichkeit Napoleons heimliche Tochter war. Tatsächlich gab es zu jener Zeit ein Gerücht über eine Affäre zwischen Napoleon und Gräfin Albine, der Mutter von Joséphine.  Dies konnte jedoch bis heute nicht verifiziert werden.