Vorhang auf für die schönsten klassischen Theatersäle in Brüssel

Théâtre Royal des Galeries

Rote Samtsessel und -vorhänge, Logen im verschnörkelten Barockstil, monumentaler Stuck, atemberaubende Wandgemälde, prunkvoll verzierte Decken… In Brüssel können Sie nicht nur im Opernhaus La Monnaie den klassischen Prunk der darstellenden Künste bewundern. Wir haben für Sie eine Auswahl der schönsten Brüsseler Theatersäle zusammengestellt, die die Eleganz längst vergangener Zeiten bis heute wach halten. Vom Barocksaal im italienischen Stil bis zum volkstümlichen Theater aus dem 17. Jahrhundert… lassen Sie sich mitnehmen auf eine Zeit- und Entdeckungsreise zu den schönsten historischen Theater der Stadt!

Théâtre des Martyrs

Theatre des Martyrs

Das Théâtre des Martyrs hat dem monumentalen Place des Martyrs neues kulturelles Leben eingehaucht, nachdem er beinahe von den politischen Institutionen "geschluckt“ worden wäre. Allein das architektonische Ensemble steckt voller Überraschungen! Der Platz, der wie eine kleine, neoklassische Oase des 18. Jahrhunderts anmutet, liegt trotz seiner Nähe zu den großen Brüsseler Einkaufsstraßen ganz friedlich da. Die elegante Symmetrie der weißen Fassaden erinnert an die Wäscherei, bei der einst die Bettwäsche zum Trocknen hing ("Place de la Blanchisserie“, dt. Wäschereiplatz). An der Hausnummer 22 befindet sich das moderne Theater mit bis zu 366 Plätzen, ein kleines Studio und ein Café. Schwerpunkt des Spielplans liegt auf dem klassischen und modernen Theater in französischer Sprache, hin und wieder stehen auch Tanztheater, Poesie und musikalische Darbietungen auf dem Programm.

Kleiner historischer Exkurs: 466 Revolutionskämpfer, die für die Unabhängigkeit Belgiens kämpften, sind hier auf dem Place des Martyrs (dt. Märtyrerplatz) begraben. Ausgangspunkt der Revolte war übrigens das Théâtre de La Monnaie, das sich ganz in der Nähe befindet!

KVS

KVS Foyer

Das KVS öffnete Mitte des 19. Jahrhunderts seine Pforten und hat sich seitdem als wichtigstes niederländischsprachiges Theater der Stadt etabliert. Nach verschiedenen Gastspielen an unterschiedlichen Orten, ließ sich das KVS schließlich in dem ehemaligen Arsenal in der Rue de Laeken nieder, das zu einem Theatersaal umfunktioniert wurde. Der Architekt Jean Baes entwarf seinerzeit ein geniales Raumkonzept mit Außenbalkonen, die dem Theater bis heute seine besondere Ästhetik verleihen. Das Ensemble ist ein schönes Beispiel der flämischen Neo-Renaissance, kombiniert mit neuen Materialien (Eisen) und Jugendstilelementen. Das ursprüngliche Gebäude (das "bol") wurde erweitert (in Form des "top" unter dem Glasdach und der "box" in dem neuen Gebäude am Quai aux Pierres de Taille). Das KVS ist durch sein interkulturelles, genre- und generationenübergreifenden Programm eng mit den Realitäten der Stadt verbunden. Auf die Bühne kommt vor allem innovatives internationales und belgisches Theater, aber auch Tanz und literarische Veranstaltungen. Ein weiteres Standbein sind die Künstlerresidenzen. Nach der Aufführung sollten Sie unbedingt das Flair des prachtvollen historischen Foyers auf sich einwirken lassen!

Kleiner historischer Exkurs: Bei der offiziellen Einweihung des Theaters im Jahr 1887 sprach König Leopold II. den Bürgermeister Buls auf Niederländisch an. Dies war das erste Mal, dass ein Mitglied der Königsfamilie bei einem öffentlichen Auftritt Niederländisch sprach!  

Théâtre Royal des Galeries

Théâtre Royal des Galeries

1847 wurde das Théâtre Royal des Galeries als Teil des ehrgeizigen architektonischen Projekts der Königlichen Sankt-Hubertus-Galerien erbaut. Angesichts der Tatsache, dass in Brüssel seinerzeit der Neoklassizismus vorherrschte, mag die von der italienischen Renaissance inspirierte Architektur überraschen.
Das Theater ist seinem ursprünglichen Anspruch, als reines Unterhaltungstheater zu dienen, bis heute treu geblieben. Highlight der Saison ist die traditionelle Revue zum Jahresende. Roter Samt, goldene Ornamente und ein hauptsächlich französischsprachiger Spielplan mit Klassikern (Feydeau, Molière, Sacha Guitry) und zeitgenössischen französischsprachigen Autoren (z. B. den Belgiern Eric-Emmanuel Schmitt und Anne-Marie Etienne) zeichen das Theater aus. Aber auch übersetzte Interpretationen von internationalen Klassikern (Shakespeare, Pirandello, Agatha Christie) mit moderner Interpretation kommen hier auf die Bühne.  

Kleiner historischer Exkurs: Bei der Renovierung des Theaters im Jahr 1951 wurde Magritte damit beauftragt, die Decke des Zuschauerraums mit einem Wokenhimmel zu verzieren. Allerdings wurde er freundlich gebeten, dieses Mal auf seine typischen Schellen zu verzichten, die man für "zu düster" befand...

Théâtre Royal de Toone

Théâtre Royal de Toone

Hierher verschlägt es nur selten die eleganten Herrschaften, die mit ihren funkelnden Operngläsern die Stars auf der Bühne (oder sich gegenseitig) ins Visier nehmen. Das Théatre Royal du Toone ist das letzte Brüsseler Volkstheater. Hier in einem alten Speicher (aus dem Jahr 1696!) reihen sich einfache Holzbänke mit bunten Kissen aneinander. Dabei ist das Puppentheater durchaus eine ernste Angelegenheit und keineswegs Kinderunterhaltung: Hier werden Stücke gespielt, die von den Klassikern inspiriert sind... "Cyrano de Bergerac" von Edmond Rostand, "Die drei Musketiere" von Alexandre Dumas oder "Tijl Uilenspiegel" von Charles De Coster, um nur ein paar Highlights aus dem Repertoire zu nennen. Der hier namensgebende "Toone" ist der Puppenspieler, der alle Figuren spielt. Der Tradition ach wird er immer von seinem Vorgänger, d. h. dem vorherigen Toone inthronisiert. Sechs Puppenspieler begleiten ihn, um die "Polichinelles", d. h. die Marionetten, zu bewegen. Lassen Sie sich eine Aufführung in Brüsseler Mundart nicht entgehen – egal, ob Sie ihrer mächtig sind oder nicht!

Kleiner historischer Exkurs: Die so genannten "Polichinelles"-Puppen gehen auf die Zeit zurück, als der unpopuläre Philipp II. von Spanien die Schließung der Theater anordnete. Er wollte diesen Hochburgen des Widerstands schlicht und einfach Einhalt gebieten. Die findigen Brüsseler ersetzten die Schauspieler daraufhin einfach durch Marionetten!

Théâtre Royal du Parc

Théâtre Royal du Parc

Das Théâtre Royal du Parc ist das älteste Theater in Brüssel. Es wurde 1782 am Rande des Parc de Bruxelles erbaut (zum Vergleich: das Opernhaus La Monnaie stammt aus dem Jahr 1819) und galt als Ergänzung zur benachbarten Vaux-Hall, einem historischen Gebäude mit Unterhaltungsangebot. Das Theater kann auf eine bewegte Geschichte mit wechselnden "Mietern" und unterschiedlichen Funktionen zurückblicken. So diente es bereits als Dependence des Opernhauses La Monnaie, als Zirkus und sogar als Dressurstätte für Pferde, bevor es im 19. Jahrhundert zum wichtigsten französischsprachigen Theater in Brüssel aufstieg. Hier wechseln sich klassische und zeitgenössische belgische (französischsprachige) Kreationen mit Adaptionen von Stücken aus anderen Ländern ab. Der Spielplan zeugt von einer klaren Vorliebe für Komödien, wobei auch Gast- und Koproduktionen ihren Platz finden.

Kleiner historischer Exkurs: Während des Ersten Weltkriegs wurde das Théâtre Royal du Parc von den deutschen Besatzern beschlagnahmt, die nur deutsche Aufführungen erlaubten!

Beursschouwburg

Beursschouwburg

Das Gebäude im eklektischen Stil aus dem Jahr 1885, in dem die Beursschouwburg untergebracht ist, wurde mehrfach umgebaut. Ursprünglich Laden, Festsaal und Café, entwickelte sich der Ort zu dem innovativen, multidisziplinären Kunstzentrum, das wir heute kennen. Das majestätische weiße Foyer und die rote Eingangshalle versetzen uns in längst vergangene Zeit zurück. Im Jahr 1946 wurde es in das Théâtre de la Bourse umgewandelt, das im ersten Stock über ein Auditorium im italienischen Stil verfügt. In den 1960er-Jahren entstand in Brüssel der Bedarf an einem flämischen Kulturnetzwerk, was zur Gründung der Beursschouwburg führte – einer flämischen Bühne im Herzen der Stadt. Seitdem positioniert sich das Haus immer wieder als Wegbereiter zahlreicher prägender Kulturinitiativen: Mallemunt, Rockrally und Kunstenfestivaldesart, um nur ein paar zu nennen. Das Programm ist stets untrennbar mit der Lebenswirklichkeit der internationalen Metropole Brüssel verbunden und wendet sich an Brüsselerinnen und Brüsseler jeglicher Couleur.

Kleiner historischer Exkurs: Die Programmgestalterin für Kinder- und Jugendvorstellungen in der Beursschouwburg gründete später das flämische Kinder- und Jugendtheater BRONKS!