Der Wohnsitz der Familie Solvay, die es in der Industrie zu Reichtum gebracht hatte, ist sicherlich das prestigeträchtigste Bauwerk aus der Feder von Victor Horta und gibt Aufschluss über die großbürgerliche und mondäne Welt der Epoche. Ernests ältester Sohn Armand hatte die Leitung der Firma "Solvay et compagnie" von seinem Onkel übernommen, der 1894 unerwartet verstorben war. Er war es, der den Auftrag für dieses Privathaus gab und dem berühmten Jugendstilarchitekten dabei vollkommen freie Hand ließ. Bis heute ist das Interieur außergewöhnlich gut erhalten. Horta entwarf es als Gesamtkunstwerk und gestaltete selbst kleinste Jugendstil-Details: Betten, Hocker, Kronleuchter, Türklinken etc. Das Haus ist großzügig geschnitten, zum Glück, denn das Personal war zahlreich: Bis zu 12 Personen standen im Dienste der Familie – und ihrer Aktivitäten!
Das Erdgeschoss und das schöne Obergeschoss sind, was ihre prunkvolle Gestaltung angeht, am beeindruckendsten, denn sie dienten als Empfangsbereiche. Das zweite und dritte Obergeschoss, die Privatwohnungen der Familie, sind eher schlicht gehalten. Das Untergeschoss und die Dachgeschosse waren dem Dienstpersonal vorbehalten.
In jener Zeit orientierten sich einige der Solvay-Geschwister bereits in Richtung der eleganten Avenue Louise: Edmond, einer von Ernests Brüdern, war Eigentümer der Hausnummer 178. Alfred, sein anderer Bruder – Mitbegründer der Firma Solvay und kaufmännischer Leiter – gab 1888 bei Jules Brunfaut einen Prachtbau im Stile der Neorenaissance in Auftrag, in denen er Empfänge ausrichten wollte! Dieses Gebäude, das sich an der Nr. 137a der Avenue Louise befand, ist heute verschwunden.