Kunstspaziergang von Flagey bis zur Villa Empain

Flagey (c) Alex Vasey

Nach dem Kanalviertel, den Marollen und Schaerbeek verschlägt es uns dieses Mal nach Ixelles und damit in ein Viertel, in dem die Jahrhunderte aufs Schönste aufeinandertreffen und koexistieren! Von der Belle Epoque über die Dreißigerjahre bis hin zur Streetart, von den Überresten einer ehemaligen Abtei bis hin zu zeitgenössischen Skulpturen – begleiten Sie uns auf diesen spannenden und etwas anderen Spaziergang, der neuen Input für alle Sinne verspricht! Farbenfrohe Fassaden, idyllische Ecken und historische Anekdoten: Entdecken Sie gemeinsam mit uns die schönsten Facetten der Gemeinde Ixelles!  

Place Flagey, die Königin der Nacht

Unser Spaziergang beginnt am legendären Place Flagey, einem kulturellen Hotspot, wo es Tag und Nacht hoch hergeht. Gesäumt wird der Platz von dem Maison de la Radio, dessen unverkennbares Stufentürmchen seit den 1930er-Jahren über das pulsierende Herz der Stadt wacht. Freunde zeitgenössischer Architektur sollten einen genaueren Blick auf die Haltestelle der Straßenbahnlinie 81 werfen, deren Glas- und Stahldach 2010 im Rahmen der Neugestaltung des Platzes von dem deutschen Architekturbüro Latz & Partner entworfen wurde. Die von der Natur inspirierten, halb poetischen, halb futuristischen Formen verleihen dieser Seite des Platzes einen Hauch von Modernität.

Schon gewusst? Der Place Flagey zählt zu den größten Brüsseler Plätzen und erweist sich als echter Tausendsassa, wenn sich der Wochenmarkt, ein Wanderzirkus oder der alljährliche Weihnachtsmarkt hier niederlassen… ja, und manchmal wird der Platz sogar als Startplatz für Ballonaufstiege genutzt!

Von Fassade zu Fassade

Schlendern Sie unter den Baumreihen am Westufer der Teiche von Ixelles entlang. Hier beginnt ein wunderbar malerischer Spaziergang zwischen Trauerweiden und den Fassaden der Prachtbauten, die das Ufer säumen. Vor Ihnen ragt das Maison de la Radio wie ein Ozeandampfer in den Himmel und spiegelt sich in den Teichen wider. Sie wissen gar nicht, wohin Sie zuerst blicken sollen? Wir empfehlen die Hausnummer 36 der Avenue du Général de Gaulle: Dieses modernistische Gebäude mit Sandsteinfliesen trägt den Namen „La Cascade" (dt. der Wasserfall) und besticht mit seinen schönen Balkonen und dem runden Erker. Gleich nebenan, an den Hausnummern 37 und 39, können Sie die mit Schmiedeeisen verzierten Fassaden von zwei Jugendstilhäusern aus der Feder von Ernest Blérot bewundern.

Schon gewusst? Die Wasserflächen, die heute als „Etangs d'Ixelles“ (dt. Teiche von Ixelles) geläufig sind, wurden von der Abtei La Cambre einst als Fischteiche genutzt. Von den ursprünglich vier Teichen, die sich durch das Maelbeek-Tal zogen, sind heute nur noch zwei übrig.

Graffiti in the City

Bruxelles street art

Nach diesem kleinen Abstecher in die Belle Epoque geht es weiter in die Avenue Géo Bernier, die Rue du Bourgmestre und schließlich in die Chaussée de Boondael, wo Sie zahlreiche Streetart-Kunstwerke erwarten. Zwischen den Hausnummern 210 und 224 offenbart sich dem Flâneur eine wahre Freilichtgalerie. Auf kleinstem Raum haben rund zwanzig Graffiti-Künstler die Fassaden mit ihren Arbeiten verziert. Highlights sind hier die abstrakten und perfekt aufeinander abgestimmten Kompositionen von Ben Hendlisz, die bunten Arbeiten von Dake, aber auch die hyperrealistischen Akzente des jungen Brüsseler Künstlers Nean. Und so vermittelt das von dem Kollektiv Propagandza ins Leben gerufene Projekt einen ersten Eindruck der überbordenden Kreativität der belgischen „Streetart“-Szene. Anschließend geht es zurück in Richtung der Teiche von Ixelles.

Schon gewusst? Die Chaussée de Boondael existiert seit dem 13. Jahrhundert. Damals verband sie das Dorf Ixelles mit dem Weiler Boondael und war Teil der historischen Verkehrsachse nach Namur, Luxemburg und Nancy.

Uptown Abbey

Abbaye de la Cambre

Es gibt Orte, an denen man die Welt um sich herum schlicht vergisst. Die Abtei Abbaye de la Cambre und ihre Umgebung gehören zu diesen stillen und wie aus der Zeit gefallenen Orten. Rund um die gotische Kirche und das ehemalige Zisterzienserkloster, dessen älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen, laden Grünflächen zum Spazieren und Verweilen ein. Die eleganten Gärten zwischen Klassik und Renaissance sind terrassenförmig angelegt und münden auf der anderen Seite in ein bewaldetes Tal mit kleiner Wasserfläche. Nach dieser kleinen Auszeit im Grünen können Sie sich auf den Weg in Richtung Avenue Franklin Roosevelt machen.

Schon gewusst? In den Gärten der Abbaye de la Cambre befinden sich mehrere schöne Exemplare bemerkenswerter Bäume. Dazu gehören auch zwei Ahornblättrige Platanen, die im Schutze der Steinmauern an der Rückseite der Abtei wachsen und gedeihen. Eine der beiden Platanen hat einen Stammumfang von sage und schreibe 5 Metern, während ihre Äste mit knapp 10 Metern Spannweite beeindrucken!

Die Lichter der Stadt

Auf der Höhe der Villa Empain sollten Sie einen Blick auf den Mittelstreifen der Avenue Franklin Roosevelt werfen. Zwei kunstvoll gearbeitete Silberscheiben sind mit ihren Spiegelungen ein echter Blickfang. Die Skulptur des libanesischen Künstlers Nadim Karam erinnert an die manchmal komplexen Beziehungen zwischen Ost und West. „Die beiden Flächen stehen einander gegenüber und initiieren einen historischen Dialog, der sich an vielen Stellen überschneidet, aber auch Brüche aufweist", so der Künstler. Die Skulptur mit dem Namen „Spaces-in Between“ spielt insbesondere mit dem Begriff des Dazwischen. Sie stammt aus den Sammlungen der Fondation Boghossian-Villa Empain und zeugt von dem Willen, Kunst und Stadt in einen Dialog zu bringen.