Kulturspaziergang im Brüsseler Stadtzentrum

18 Januar 2022
Place Sainte Catherine

Dieser Parcours ist von unzähligen historischen Spuren gesäumt, die die reiche Geschichte des Brüsseler Stadtzentrums erzählen. Wir befinden uns hier vielleicht nicht gerade im grünsten Teil der Stadt (ein bisschen Parkluft schnuppern können Sie dennoch im Parc de Bruxelles und in den Gärten des Mont des Arts), doch dafür erwarten Sie hier zahlreiche öffentliche Plätze, Straßen und Gassen, die zu kleinen kulturellen und historischen Streifzügen einladen. Streetart und altehrwürdige Architektur ergeben hier eine bunte Mischung, gewürzt mit einer Prise Kultur, Literatur und unterhaltsamen Anekdoten!

Stelldichein von Rodin und Cordal an der Börse

Brüsseler Börse

Unser Spaziergang beginnt vor den Stufen der ehemaligen Börse. Das Gebäude, das sich derzeit in Renovierung befindet, wird schon bald wieder in seinem alten Glanz erstrahlen. Die Statue von Cardal, die ganz diskret die Fassade des imposanten Bauwerks ziert, wird ganz sicher bewahrt werden und wird vor allem Liebhaber von Kontrasten gefallen. Ganz in der Nähe befinden sich 12 weitere Statuen des zeitgenössischen spanischen Künstlers: unter anderem an der Fassade des Cafés des berühmten Brüsseler Konzertsaals Ancienne Belgique.

Schon gewusst? In seiner Jugend war der berühmte Bildhauer Auguste Rodin an der Erstellung der Skulpturen, Statuen, Karyatiden und Friesen des Börsengebäudes beteiligt.

Das pulsierende Herz Brüssels

Boulevard Anspach Fussgängerzone mit Radfahrer

Hier befinden Sie sich mitten in einer der ambitioniertesten Fußgängerzonen Europas. Ihre Einrichtung löste zwar nicht überall Begeisterung aus, doch es ist nicht zu leugnen, dass sie sowohl Luftverschmutzung als auch Lärmpegel und Stress drastisch verringert hat. Schlendern Sie also ganz entspannt durch die verkehrbefreiten Straßenzüge und werfen dabei an den Hausnummern 100 und 122 des Boulevard Anspach einen Blick in die hier ansässigen Comic-Buchhandlungen Brüsel und Multi BD, wo Sie von belgischen Comic-Klassikern bis zur modernen Graphic Novel alles finden.

Gleich um die Ecke befinden sich die Halles Saint-Géry. Der ehemalige überdachte Wochenmarkt, der 1881 erbaut wurde, war schon im Mittelalter ein Handelsplatz. Bis 1977 konnten die Einheimischen hier ihre Einkäufe erledigen. Inzwischen wurde das Gebäude im Stile der flämischen Neo-Renaissance zu einem Ausstellungsraum rund um das Brüsseler Kulturerbe umfunktioniert. Auch von innen lässt sich die eindrucksvolle Metallstruktur ausgiebig bewundern.

Schon gewusst? Einigen Historikern zufolge ist der Ort, an denen sich heute die Halles Saint-Géry befinden, die Wiege Brüssels! Hier stand einst die Kirche Saint-Gery, die die Überreste der Heiligen Gudule barg. Nach dem Abriss der Kirche unter französischer Besetzung, ließ die Stadt einen Platz erbauen. Die pyramidenförmige Springbrunnen (der aus der Abtei von Grimbergen stammt) befindet sich heute im Inneren der Hallen!

Vergessen Sie nicht... dem riesigen Comic-Wandbild an der Hausnummer 20 einen Besuch abzustatten. Zu sehen ist hier Nero, der Comic-Held aus der Feder von Marc Sleen, auf dessen Konto mehr als 200 Alben gehen!

Literatur für alle

Passa Porta

Schlendern Sie nun weiter in Richtung der Kirche Sainte-Catherine. Ihr Weg führt Sie durch die Rue Antoine Dansaert. Ein obligatorischer Zwischenstopp für literarisch Interessierte ist das internationale Literaturhaus Passa Porta. Der Online-Katalog lädt schon im Vorfeld zum Stöbern ein... Texte mehrsprachiger Autoren, Videoaufnahmen und Podcasts komplettieren das Angebot.

Der Vieux Marché aux Grains (dt. der ehemalige Kornmarkt) ist ein überaus belebter Platz mit zahlreichen Cafés und REstaurants. Das flämische Gemeindezentrum De Markten bietet neben Workshops auch Konferenzen, Ausstellungen und andere kulturelle Aktivitäten. Danach lockt das benachbarte Café mit Blick auf die Platanen und leckeren Speisen!

Zeitgenössische Kunst... mit Workshop

Gleich gegenüber der Kirche Sainte-Catherine befindet sich die CENTRALE for contemporary art, deren Name auf das ehemalige Elektrizitätswerk zurückgeht, das das Gebäude beherbergte, bevor es zu einer Kultureinrichtung wurde. Mit #CentraleFromHome und #trythisathome (einem schönen Überbleibsel des Lockdowns!) reagierte die CENTRALE auf eine Nachfrage nach Online-Angeboten. Hier finden Sie Künstler-Workshops für Groß und Klein, z. B. die leicht schrägen Workshops von Camille Van Hoof oder die Häkelkurse mit Stephan Goldrajch, der Ihnen verrät, wie Sie alte T-shirts recyceln.

Schon gewusst? Der barocke Glockenturm gegenüber der Centrale gehörte einst der ehemaligen Kirche Sainte-Catherine, die aus dem 15. Jahrhundert stammte und 1893 abgerissen wurde. Dies erklärt, warum der Turm ein wenig abseits steht...

Vergessen Sie nicht.... dem Tour noire einen Besuch abzustatten. Bei diesem "schwarzen Turm" handelt es sich umd die Überreste der ersten Brüsseler Stadtmauer. Das Gebäude stammt vermutlich aus dem frühen 13  Jahrhundert und ist heute fast komplett von einem Hotel umgeben.

Greta Thunberg in der Nähe des Marché aux Poissons

Einheimische nennen die Straßenzüge mit dem zentralen Wasserbecken westlich der Kirche Saint-Catherine "Marché au Poisson" oder auch "Vismet" – und tatsächlich befand sich an dieser Stelle von 1884 bis 1955 ein Fischmarkt. Am hinteren Ausläufer des Marché aux Poisson in Richtung der inneren Ringstraße in der Cité du Sureau befindet sich ein Wandgemälde der jungen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Das Kunstwerk stammt aus der Feder des Brüsseler Graffiti-Künstlers Encq, der bei der Brüsseler Kunst- und Kulturinitiative Carte de visite/ARTopenKUNST den Publikumspreis gewann.

Schon gewusst? Der Brüsseler Hafen erstreckte sich einst bis ins Stadtzentrum. Das größte Hafenbecken war das Becken von Saint-Catherine, der letzte Ausläufer des historischen Brüsseler Hafens, an dessen Stelle sich heute die Kirche Saint-Catherine befindet. Die Hafenaktivitäten wurden bis ins 20. Jahrhundert hinein betrieben, bis dann ein Hafenbecken nach dem anderen zugeschüttet wurde.

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