Architektur in Ixelles: eine Kirche und prestigetächtige Bauten

Ixelles, weitläufig und lebhaft

Ixelles ist eine weitläufige Gemeinde im Brüsseler Süden und erstreckt sich von den Grenzen des so genannten Pentagons bis weit in den Großraum Brüssel hinein, fast bis zum fernen Wald Forêt de Soignes. Die Architektur ist bunt gemischt, von sehr dicht besiedelten und lebhaften Vierteln in der Nähe des Zentrums bis hin zu den nicht minder lebhaften Vierteln Flagey oder Cimetière d'Ixelles, dem studentischen Treffpunkt schlechthin. Kurz gesagt, hier erwarten Sie zahlreiche Entdeckungen, die fast alle Epochen abdecken – vom historischen Gemeindekern der Teiche von Ixelles bis hin zu den Straßen und Ecken, die erst in jüngerer Zeit urbanisiert wurden. Auf geht's zu einem schönen Spaziergang! 

Vitrail de l'hôtel Tassel

Wir beginnen unseren Spaziergang mit einer Kirche: der Kirche des heiligen Bonifatius, die zwischen 1846 und 1849 im neugotischen Stil erbaut wurde. Wussten Sie, dass dieses beeindruckende, etwas in das Stadtgefüge eingezwängte Gebäude die erste neugotische Kirche ist, die in Brüssel erbaut wurde? 

Machen wir nun einen kleinen Ausflug in die alte Arbeitswelt von Ixelles… zu der ehemaligen Porzellanfabrik Demeuldre-Coché. Diese beiden Gebäude an der Chaussée de Wavre (141 und 143) waren in Wirklichkeit das Geschäft, das der Porzellanmanufaktur als Schaufenster diente. Das Geschäft wurde 1905 im eklektischen Stil errichtet, der von der italienischen Renaissance inspiriert wurde; die Fassaden sind aufwendig gestaltet. Das Unternehmen war überaus erfolgreich und kaufte um 1930 die Maschinen der Porzellanfabriken von Limoges auf, die damals in Schwierigkeiten steckten! 

Der ehemalige Pavillon Malibran ist den Einheimischen besser unter der Bezeichnung Maison Communal bekannt – das Rathaus. Der berühmte Komponist und Violinist Charles Bériot ließ 1833 sein Landhaus auf diesem Grundstück errichten. Die berühmte Sängerin Maria Malibran heiratete den Musiker einige Zeit später. Ab 1849 wurde das Gebäude von der Gemeinde aufgekauft, die zahlreiche Umbauarbeiten und Erweiterungen vornahm. 

Das Gebäudeensemble hat etwas Faszinierendes an sich… und verdient einige Erläuterungen. Es handelt sich um einen ehemaligen Schulkomplex, der von den Schwestern Notre-Dame de l'Arbre Bénit geführt wurde und manchmal auch als Pensionnat de l'Arbre Bénit bezeichnet wird. Es gibt ein neoklassizistisches Gebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das an ein neogotisches Backsteingebäude aus dem Jahr 1901 angrenzt, wobei das erste seltsamerweise viel neuer wirkt als das zweite. 

Die Familie Solvay brachte es einst in der Chemiebranche zu Vermögen. Sie hat sich an vielen Orten in Brüssel niedergelassen. Dieser Komplex aus drei Häusern und einem Stadthaus – ganz bescheiden – im neoklassizistischen Stil umfasste das ehemalige Anwesen von Ernest Solvay, das von einem Park eingerahmt wurde. 

 

 

Nun geht es weiter zur berühmten Avenue Louise, um das nicht minder berühmte Stadthaus Hôtel Solvay zu bewundern, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Solvay, schon wieder? Wir bleiben in der Tat bei der gleichen Familie. Es handelt sich hierbei um den ehemaligen Wohnsitz von Armand Solvay, Ernests ältestem Sohn. Der Bau dieses Jugendstilhauses wurde 1903 fertiggestellt und war das wohl prestigeträchtigste Werk des Architekten Victor Horta. Alles an diesem Haus verweist auf die mondäne Welt der Bourgeoisie: die Fassade ebenso wie die wunderbar erhaltene Inneneinrichtung. 

 

In dieser Gegend wimmelt es nur so von architektonischen Meisterwerken. Noch mehr Beispiele des UNESCO-Weltkulturerbes gibt es nur wenige Schritte vom Hôtel Solvay entfernt: Das Maison Tassel aus dem Jahr 1893 gilt als erstes Gebäude und Gründungswerk des Jugendstils in Brüssel. Es stammt ebenfalls aus Victor Hortas Feder. Émile Tassel war Professor an der ULB und, genau wie Horta, Freimaurer. Die wichtigsten Elemente des Jugendstils sind hier zu sehen: sichtbare Metallstruktur, Einbettung des Dekors in die Struktur, Einfall natürlichen Tageslichts etc.

Nachdem Sie die Avenue Louise überquert haben, gehen Sie die Rue Defacqz entlang, um vor einer weiteren architektonischen Perle zu landen. Das Stadthaus Hôtel Ciamberlani, benannt nach der Witwe Ciamberlani, die es für ihren Sohn - den symbolistischen Maler Albert Ciamberlani - bauen ließ, wurde 1897 von Paul Hankar entworfen. Es ist im geometrischen Jugendstil erbaut und zeichnet sich vor allem durch seine monumentale, 12 Meter hohe Fassade aus, womit es doppelt so hoch ist, wie ein traditionelles Haus. Sie ist mit großen Sgraffiti verziert und weist zahlreiche Fenster in unterschiedlichen Formen und Größen auf. Auch das Nachbarhaus auf der rechten Seite ist einen Blick wert: Es wurde ebenfalls von Hankar (im Jahr 1898) entworfen, der auch hier dem Jugendstil treu blieb.

Biegen Sie nun in die nächste Straße ein, wo Sie ein weiteres Jugendstiljuwel entdecken können. Es wurde im Jahr 1900 von dem Architekten Albert Roosenboom entworfen. Elegante Schmiedearbeiten, ein überraschendes Erkerfenster sowie ein sehr schönes Sgraffito im oberen Stockwerk fügen sich zu einem umwerfenden Ensemble. (Rue Faider 83) 

Es folgt ein weiteres Bauwerk im Jugendstil. Die Pläne für dieses bürgerliche Haus stammten von dem Architekten Ernest Blérot. Seine Fassade aus weißem Stein ist überaus elegant und seine geschwungenen Linien wirken großzügig. (Rue Washington 50)

In der nahe gelegenen Rue du Magistrat befindet sich ein Bauwerk, das 1902 von einem in Ixelles hinreichend bekannten Architekten gebaut wurde: Léon Delune. Er war Spezialist für Eklektizismus, den er gewöhnlich – und auch hier – mit Jugendstil einfärbte. (Rue du Magistrat 45)

Nun gelangen wir zur Abwechslung zu einem Beispiel der Beaux-Arts-Architektur. Albert Roosenboom entwarf die Pläne für dieses Haus, das mit seinem Louis-XV-Einfluss etwas aus der Brüsseler Architekturlandschaft heraussticht. Beachten Sie vor allem die Wellenformen. Es wurde 1908 für Robert Altenloh, seines Zeichens Goldschmied und Hoflieferant, errichtet. (Rue Forestière 25) 

Ganz in der Nähe erwartet Sie ein ähnliches, jedoch um einiges luxuriöseres Haus. Es wurde 1914 von dem Architekten Roosenboom für einen gewissen Robert Altenloh erbaut! Offenbar liefen die Geschäfte des Goldschmieds so gut, dass er sich diese „kleine“ Extravaganz leisten konnte. (Rue Américaine 219) 

Nächste Station ist dieses massive Stadthaus, Baujahr 1912, das an einer Straßenecke gelegen ist. Sie werden feststellen, dass die Straßenfassade aus weißem Stein besteht, während die Fassade an der Rückseite aus rotem Backstein gebaut wurde. (Rue Américaine 223 und Chaussée de Vleurgat 195). Wenn Sie sich nun umdrehen, erblicken Sie ein ganz ähnliches Haus, ebenfalls im Beaux-Arts-Stil, das 1913 von den Architekten Albert (Vater) und Alexis (Sohn) Dumont erbaut wurde. Beide sind in Brüssel bekannt, da sie unter anderem das Rathaus von Saint-Gilles und die ehemalige Citroën-Werkstatt (heute Museum KANAL-Centre Pompidou) entworfen haben. (Chaussée de Vleurgat 193)