Kulturtempel

Flagey, das ehemalige belgische Institut für Rundfunk und Fernsehen: eine "schöne Klangfabrik"

Café Belga - Place Eugène Flagey - terrasse - été

Architekt: Joseph DIONGRE, 1935-1938


Der Bau des seinerzeit dringend benötigten neuen Rundfunkgebäudes am Place Flagey in Ixelles verlief nicht reibungslos. Er erforderte zwei Ausschreibungen, an denen mehr als 50 Architekten und sogar zwei BBC-Ingenieure teilnahmen. Und das war im Grunde auch gut so, denn in jener Zeit gab es erst wenige spezielle Rundfunkgebäude. Der Entwurf des Gewinners Joseph DIONGRE berücksichtigte sämtliche akustischen Anforderungen, aber auch den aufgrund der benachbarten Teiche sumpfige Gelände. Technischer Einfallsreichtum und eine durchdachte Ästhetik: Die Jurymitglieder waren sich einig, dass es sich hier um eine „schöne Klangfabrik“ handelt. Der "Dampfer" würde weltberühmt werden.

Fünfunddreißig Jahre lang fanden hier alle Radiosendungen und -aufnahmen statt. Dazu gehörten zahlreiche Übertragungen von Konzerten mit klassischer Musik, Jazz und neuer Musik und später auch Fernsehübertragungen. Als das Fernsehen immer wichtiger wurde, zogen die niederländisch- und französischsprachigen Sender 1960 in ein größeres Gebäude am Boulevard Auguste Reyers um. Auch nach der Renovierung und Erweiterung blieb der Komplex ein besonderer Veranstaltungsort für Konzerte und Musikaufnahmen. Die außergewöhnlichen akustischen Eigenschaften der Säle legten den Grundstein für eines der wichtigsten Brüsseler Kulturhäuser: Flagey, das heute ein Anziehungspunkt für renommierteste Musiker ist. Hier erklingen sowohl Jazz und Weltmusik als auch klassische und zeitgenössische Musik. Das Studio 5 wurde in ein Kino umgewandelt, in dem regelmäßig Filme und Videos gezeigt werden. Studio 6 dient derzeit als Fernsehstudio des Brüsseler Senders BRUZZ.

  

Wussten Sie, dass...

...der Turm, typisch für den beliebten „Ozeandampferstil“, hinzugefügt wurde, um die Fernsehsendeantenne unterzubringen? Dieses neue Medium steckte noch in den Kinderschuhen, aber das Institut national de radiodiffusion verbürgte sich für die ersten Übertragungsexperimente.

Bozar - Palast der Schönen Künste

extérieur - musée - art déco - public

Architekt: Victor HORTA, 1922-1929

1919 legte Victor Horta in Brüssel den Grundstein des Art déco, nachdem er zuvor schon als einer der Pioniere des Jugendstils in Erscheinung getreten war. Mit seinen Plänen zum Bau des Palais des Beaux-Arts (Bozar) setzte er auf künstlerische Innovation, doch auch hier gab es aufgrund von finanziellen Probleme eine Planänderung. Die Herausforderungen hatten es in sich: ein Gelände mit Höhenunterschieden und einer Höhenbeschränkung auf der zum Place des Palais hinausgehenden Seite, die Erhaltung der Geschäfte und des Viadukts in der Rue Ravenstein, der Treppenkomplex in der Rue Baron Horta... und das alles unter Einhaltung eines engen Budgets! All diese Sachzwänge meistere Horte mit Bravour: Er entwarf und baute einen ehrgeizigen Komplex mit Ausstellungs- und Konzertsälen auf einer Gesamtfläche von rund 30.000 m2 mit drei Ebenen, die die Oberstadt mit der Unterstadt verbinden. Entscheidend war sein innovativer Einsatz von Beton, der insbesondere in der großen Horta-Halle deutlich wird: Beton war leichter verfügbar und sehr viel preiswerter als Metall. In dem eiförmigen Konzertsaal „Henry Le Bœuf“ gestaltete er beispielsweise die wellenförmigen Balkone aus Beton. In diesem architektonischen Prunkstück mit brillanter Akustik, schrägen Flächen und 2.200 Plätzen spielen seit fast einem Jahrhundert die Crème de la Crème der Musikszene. Nicht umsonst findet hier der renommierte Königin-Elisabeth-Wettbewerb für Nachwuchstalente im Bereich klassischer Musik statt! Bozar ist bis heute eine erstklassige kulturelle Referenz. Jedes Jahr kann man sich hier auf eine neue Saison mit Konzerten, Ausstellungen, Filmen, Vorträgen und vielem mehr freuen.

  

Wissenswertes...

Wohl jeder Brüsseler Musikliebhaber kennt den Henry-Le-Bœuf-Konzertsaal. Benannt wurde er nach dem Bankier Henry Le Bœuf, der dem Brüsseler Musikszene im Allgemeinen und diesem Musiktempel im Speziellen wichtige Impulse gegeben hat. Mit der Eiform kam Horta dem Geigenvirtuosen Eugène Ysaye entgegen, der sich wünschte, dass die Künstler sich vom Publikum umgeben fühlen.

Wiels, die ehemalige Brauerei Wielemans-Ceuppens

Wiels

Architekt: Adrien BLOMME, 1930

Der Wieleman-Turm in der Avenue Van Volxem 354 ist auch heute noch ein echter Blickfang in der Gemeinde Forest. Sein Bau symbolisiert die Blütezeit der damaligen Brauerei Wielemans-Ceuppens. Seinerzeit arbeiteten hier mehr als tausend Menschen! Die neue Brauerei wurde 1930 von dem "Haus- und Hofarchitekten" Adrien Blomme erbaut. Architektonisch und technisch gesehen war sie eine der modernsten Brauereien Europas. Obwohl Blomme Gebäude in verschiedenen Stilrichtungen baute, wählte er häufig den Art-déco-Stil. Der Einfluss des Modernismus ist in diesem nüchternen Betongebäude deutlich zu erkennen. Durch die großen, durchgehenden Fenster konnten die Passanten einen Blick auf den Herstellungsprozess des Biers erhaschen. Um eine Einheit zu schaffen, erhielten die Backsteinfassaden der alten Brauerei und des Maschinenraums an den Hausnummern 356 bis 370 (in dem heute das Centre Culturel de Forest BRASS und die niederländischsprachige Bibliothek untergebracht sind) einen hellen Zementanstrich mit geometrischen Art-déco-Verzierungen.

Drei der ursprünglich acht glänzenden Kupferkessel sind von der Straße aus auch heute noch gut sichtbar. Sie bilden die Kulisse des Cafés im Zentrum für zeitgenössische Kunst Wiels, wo Sie bei einem leckeren Snack oder einem Getränk eine Pause einlegen können. Auch die Buchhandlung ist frei zugänglich. Neben spannenden Ausstellungen zeitgenössischer Künstler werden regelmäßig Künstlergespräche, Führungen, Workshops und Familiensonntage organisiert, in deren Rahmen die zeitgenössische Kunst einem breiten Publikum zugänglich gemacht word. ypisch für das Art déco sind die Decken- und Wandlampen aus Glas und Metall und die Wandverkleidung mit schwarzen und grünen Fliesen.

  

Wissenswertes...

Die Räume im hinteren Teil des Gebäudes, die über eine Treppe erreichbar sind, dienten früher als Getreidespeicher. Nach einer gründlichen Renovierung wurden dort die Ausstellungsräume eingerichtet.