Villen

Villa Empain: the Great Gatsby zum Greifen nah

Villa Empain - Boghossian Foundation
Michel Polak (1934)
Avenue Franklin Roosevelt - Franklin Rooseveltlaan 67
© visit.brussels - Jean-Paul Remy - 2017

Architekt: Michel POLAK, 1930

Wenn man die prächtige Villa aus der Ferne blitzen sieht, mag man kaum glauben, dass dieses architektonische Juwel jahrelang vernachlässigt wurde. Das Anwesen wechselte mehrfach den Besitzer, bis es schließlich von der Stiftung Fondation Boghossian erworben wurde, die hier ein Zentrum für Kunst und den Dialog zwischen östlichen und westlichen Kulturen einrichtete. Nach einer gründlichen (und preisgekrönten) Komplettrenovierung konnte die Villa Empain 2010 ihre Türen auch für die Öffentlichkeit öffnen. Das Gebäude ist ein Paradebeispiel der Ideale des Art déco: Symmetrie, nüchtern-strenge Linien, gepaart mit edlen Materialien. Hier kann man entweder die hochkarätige Ausstellungen besuchen oder sich einfach nur von der luxuriösen Einrichtung verzaubern lassen. Besuchen Sie auf jeden Fall die Boutique mit ihrer schönen Auswahl. Und vergessen Sie nicht, in dem schönen Café mit amerikanischer Bar vorbeizuschauen (das bald wieder geöffnet sein wird!). Bewundern Sie bei schönem Wetter den Skulpturengarten. Oder besuchen Sie in den Abendstunden die hin und wieder stattfindenden Aufführungen und Partys am Pool mit seiner einzigartigen ovalen Pergola. Hier hätte sich sicherlich auch der Great Gatsby wohlgefühlt!

Beachten Sie die blattvergoldeten Eckbeschläge an den Ecken und Rahmen der Wandöffnungen, die originalerhaltenen dünnen Fensterprofile aus Metall (Messing), das Kupferdach, die Verwendung luxuriöser Materialien wie Marmor, Onyx, Palisander, Wurzel- und poliertes Adernholz...

  

Wissenswertes...

Michel Polak hatte bereits zahlreiche Art-déco-Bauten entworfen, bevor der junge Baron Empain mit einem besonderen Anliegen an ihn herantrat: dem Bau der Villa Empain. In den 1920er-Jahren entwarf er das allererste Brüsseler Luxuswohnhaus und gleichzeitig den größten Wohnkomplex Europas: den Residence Palace in der Rue de la Loi. Die verschiedenen Gebäude wurden teilweise restauriert, renoviert und um das prächtige Gebäude des Europäischen Rates erweitert. Das Gebäude dahinter beherbergt das Internationale Pressezentrum. Unter der Woche kann man dort auch im Restaurant speisen. Im Rahmen des belgischen Vorsitzes des Rates der Europäischen Union im Jahr 2024 wurde ein Teil des Erdgeschosses dieses Gebäudes in Angriff genommen. Beachten Sie die imposante Treppe zum Theater aus rotem Marmor (!), den Innenhof mit Mosaikboden und Mosaikbrunnen sowie die Buntglasfenster. In den 1930er-Jahren erbaute er auch das Eastman Dental Institute, in dem heute das Haus der Europäischen Geschichte untergebracht ist.

Museum und Gärten van Buuren: als wäre die Zeit stehen geblieben

Art déco - architecture - Alice et David Van Buuren

Architekten: Léon Govaerts und Alexis Van Vaerenbergh, 1924 - 1928.

Die Art-déco-Architekten hatten häufig einen internationalen kulturellen Hintergrund und standen in engem Kontakt mit der Geschäftswelt. Das Haus der Brüsseler Mäzene David und Alice van Buuren ist ein Paradebeispiel für die Amsterdamer Schule. Asymmetrische Fassaden, dekoratives Mauerwerk mit handgefertigten roten Ziegeln, Buntglasfenster und Strebenfenster, steile Dächer... Der Bankier, der selbst niederländischer Abstammung war, fühlte sich von dieser niederländischen Version des Art déco besonders angezogen. Das Handwerk steht hier im Vordergrund, ebenso wie die Verwendung von „bodenständigen“ Materialien wie Ziegel und Holz. Auch die Gärten, ein wunderbares Beispiel für Landschaftskunst, sind einen Besuch wert. Sie wurden in den späten 1920er-Jahren von Jules Buyssens im Art-déco-Stil angelegt.

Renommierte belgische, französische und niederländische Designer wirkten an der meisterhaften Inneneinrichtung des Hauses mit. Ein echtes Glück, dass sie über all die Jahre hinweg in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben ist. Hier können Sie die intime Atmosphäre eines Privathauses auf sich wirken lassen. Besondere Möbel, signierte Teppiche, Buntglasfenster, Skulpturen und Gemälde belgischer und internationaler Meister machen das Haus zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. Schon vor hundert Jahren gingen hier Künstler, Schriftsteller und Musiker ein und aus. Und auch heute öffnet die Stiftung des Museums und der Gärten Van Buuren die Pforten des Anwesens für Besucher.

 

  

Wussten Sie, dass...

...David van Buuren persönlich die Pläne gezeichnet hat? Ausgeführt wurden Sie dann von dem Brüsseler Architektenduo Léon Govaerts und Alexis Van Vaerenbergh. Und als David van Buuren einen spektakulären Kronleuchter ergatterte, ließ er kurzerhand den Saal vergrößern, um ihn besser zur Geltung zu bringen. Er ging sogar so weit, das Gästezimmer im Obergeschoss eigenhändig zu streichen!