Brüssel... die Stadt des René Magritte

26 November 2025
Musée René Magritte Museum
© Rene Magritte Museum-Brussels-Jette - 2008

Bonjour, Monsieur Magritte! Geheimnisvolle Silhouetten, Melonenhüte, Vögel mit weit ausgebreiteten Schwingen, ein endlos blauer Himmel... Die Bildsprache des belgischen Surrealisten ist unverkennbar. Und der surrealistischstes Maler Belgiens fühlte sich in Brüssel wie ein Fisch im Wasser. Wir wandeln in Brüssel von Kultorten zu Kulturstätten auf Magrittes Spuren – begleiten Sie uns?

Wer war Magritte?

René Magritte zählt zu den wichtigsten Vertretern des surrealistischen Malerei und steht in einer Reihe mit Max Ernst, Salvador Dali und Juan Miró. Anfang der 1920er-Jahre schloss sich Magritte der Brüsseler Surrealistenbewegung mit ihren Dichtern, Schriftstellern, Komponisten und Künstlern an. Die Brüsseler Surrealisten schlugen einen eigenen Weg ein und distanzierten sich von André Breton und der Pariser Gruppe. Rasch entwickelte Magritte seinen ganz eigenen Stil. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern führte René Magritte, der Mann mit der blühenden Fantasie, übrigens ein eher bürgerliches Leben.

  • Interessantes Detail: Magritte, der sich selbst wie einer der Kleinbürger aus seinen Gemälden kleidete, führte seinen Hund täglich spazieren. Auch malte er zu festen Uhrzeiten. Doch gerade die Wiederholung und die Banalität des Alltäglichen inspirierten ihn. Mit Georgette, seiner Jugendliebe, zog es ihn in einen ruhigen Brüsseler Außenbezirk.  

Magritte in den Museen

Das Magritte-Museum auf dem Mont des Arts

Das Magritte-Museum heißt jährlich mehr als 300 000 Besucher willkommen, kein Wunder, immerhin besitzt es die weltweit größte Sammlung von Werken des belgischsten aller Surrealisten. Sie umfasst nicht nur Gemälde, sondern auch Zeichnungen, Tuschemalereien, Plakate, Werbearbeiten, Briefe, Fotografien, Skulpturen und Filme. Der Rundgang beginnt im obersten Stockwerk. Schauen Sie unbedingt aus dem Fenster des Aufzugs, wenn Sie nach oben fahren, um einen Blick auf den ein oder anderen Ausschnitt eines Magritte-Gemäldes zu erhaschen!

> Place Royale 1, 1000 Brüssel

  • Interessantes Detail: Sämtliche Schaffensperioden des Künstlers sind umfassend vertreten, insbesondere Magrittes „Kuh“-Periode in den 1940er-Jahren. In jener Zeit löste er sich von den Pariser Surrealisten, mit denen er sich immer weniger verbunden fühlte.

Musée René Magritte in der Gemeinde Jette

Frei nach René Magritte "Ceci n’est pas le Musée Magritte."… ist dies nicht das Magritte-Museum, sondern das bescheidene Wohnhaus in der Brüsseler Randgemeinde Jette, in dem René und Georgette ein knappes Vierteljahrhundert lang lebten. Der berühmte belgische Surrealist hatte kein eigenes Atelier, sondern malte in der Küche oder im Wohnzimmer. Mehr als die Hälfte seiner Werke entstand hier, darunter einige der überraschendsten Bilder der modernen Kunst. Dank der detektivischen Arbeit des Kunstliebhabers André Garitte konnte das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Fotos, Texte und Zeitzeugenberichte bildeten hier die Grundlage für eine originalgetreue Nachbildung!

> Rue Esseghem 135-137, 1090 Jette 

  • Interessantes Detail: Als das Nachbarhaus zum Verkauf stand, bekam das René-Magritte-Museum einen ebenbürtigen Nachbarn: das Musée d’Art Abstrait (Museum für Abstrakte Kunst). Die Gelegenheit, eine (buchstäbliche!) Tür zwischen zwei radikal entgegengesetzten Kunstbewegungen im Brüssel der 1920er-Jahre zu öffnen!

Magritte im Theater

Als das Théâtre Royal des Galeries  1951 renoviert wurde, versah Magritte die Saaldecke mit einem seiner berühmten Wolkenhimmel, der nun einen schönen Kontrast zu dem roten Samt und den goldenen Ornamenten des von der italienischen Renaissance inspirierten Saals bildet.

> Galerie du Roi 32, 1000 Brüssel

culture - theatre - salle - surréalisme - magritte-art

Magritte im Kongresszentrum

Im Foyer Magritte des Kongresszentrums Brüssel Square ist mit „Les barricades mystérieuses“ (Die geheimnisvollen Barrikaden) ein aus dem Jahr 1961 stammendes, atemberaubendes Originalfresko des Großmeisters zu sehen. Hier finden Sie typische Merkmale seiner Arbeit: übergroße Baumblätter, ein geheimnisvolles Haus, erleuchtete Fenster... Trotz dieser poetischen Elemente stellt sich ein Gefühl des Unbehagens ein, was durchaus die Absicht des Künstlers war. Bitte beachten Sie: Dieses Werk ist nur im Rahmen von Veranstaltungen zu sehen.

> Mont des Arts, 1000 Brüssel

magritte - surréalisme - fresque

Spaziergang durch Jette, Magrittes Gemeinde

Die Gemeinde Jette ist malerisch, aber nicht nur... Sie ist auch fest im städtischen Gefüge verankert. Nun hat Jette der Leidenschaft für Magritte, der hier zur Glanzzeit seines Schaffens wohnte, neu wiederbelebt. Wunderwerke aus Keramik zieren Boden und Wände. In jüngster Zeit hat eine Gruppe von Streetartists ein Auge auf die Gemeinde geworfen. Tatsächlich hat sich die "Jette Society" in den vergangenen Jahren stark verjüngt.

Magritte im Café

La Fleur en Papier Doré

Es wird gemunkelt, dass Magritte sein erstes Bild an einen Stammgast dieses historischen Cafés  verkauft haben soll, das einst von zahlreichen Künstlern frequentiert wurde. Gleiches gilt übrigens auch für seine surrealistischen Kollegen Marcel Mariën, Louis Scutenaire, Marcel Lecomte, E.L.T. Mesens und Marc Eemans. Die antiken Möbel und Gemälde in den drei kleinen Café-Räumen tragen die dunkle Patina der Zeit (und des Zigarettenrauchs!). Lassen  Sie sich ein echtes Brüsseler Lambic-Bier schmecken, während Sie versuchen die unzähligen kryptischen Schriftzüge an der Wand zu entschlüsseln. Hier hängen zwar keine Werke von Magritte, dafür aber eine Wandfotografie, die den Surrealisten in guter Gesellschaft vor dem Café zeigt.

> Rue des Alexiens 55, 1000 Brüssel

Das ehemalige Café Greenwich - betreten Sie eine Legende

Magritte war ein leidenschaftlicher Schachspieler. Kein Wunder, dass er ein regelmäßiger und gern gesehener Gast dieses Cafés war, das weithin von den Anhängern dieser edlen Denksportart frequentiert wurde. So pflegte er hier mit einer seiner Musen, der Baronin Anne-Marie Crowet, zu spielen. Für sie malte er auch das emblematische "L'Empire des lumières" (Das Reich der Lichter). Nach umfassenden Renovierungsarbeiten erstrahlt das Café nun wieder in seinem alten Glanz. Laden Sie Ihren Lieblingsschachpartner ein und lassen Sie sich von der Geschichte dieser charmanten Jugendstil-Brasserie den Bann ziehen.

> Rue des Chartreux 7, 1000 Brüssel

  • Interessantes Detail: "L'Empire des lumières" (Das Reich der Lichter) ist eines seiner bekanntesten Meisterwerke. In einem entfremdenden und poetischen Bild stellt der Maler darin die Verschmelzung von Tag und Nacht dar. Lassen Sie sich von diesem Werk im Magritte-Museum verzaubern. Günstigen Zugang erhalten Sie unter anderem mit der Brussels Card.

Die Magritte-Bar im Hotel Amigo!

Als Hommage an Magritte und den Surrealismus zelebriert die Bar Magritte des Hôtel Amigo die Fantasiewelten des Meisters!  Hier können Sie in elegantem Rahmen voller Überraschungen herrliche Cocktails genießen.

> Rue de l’Amigo 1, 1000 Brüssel

Magritte in Schaerbeek

Magritte heiratete seine Georgette 1922 in der Schaerbeeker Kirche Saint-Marie. Während der letzten zehn Jahre seines Lebens lebte er im Blumenviertel Quartier des Fleurs, in der Rue des Mimosas 97. Nach seinem Studium wohnte er zunächst in der Rue François-Joseph Navez 43 sowie im Boulevard Lambermont 207 und 404. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof von Schaerbeek unter einem einfachen Granitgrabstein in der Parzelle Nr. 16, Reihe Nr. 2. Seine geliebte Georgette folgte ihm rund zwanzig Jahre später. Bewunderer aus aller Welt lassen auf seinem Grab immer wieder die kuriosesten Gegenstände zurück. Auch seine Freunde, das Ehepaar Scutenaire und Marcel Mariën, haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

🎵 Rene And Georgette Magritte With Their Dog After The War 🎵

Magritte hat mehr als einen Musiker inspiriert. John Cale, Paul Simon und De Nieuwe Snaar widmeten ihm ein eigenes Lied. Paul McCartney ließ sich bei der Wahl des Logos der Plattenfirma der Beatles, Apple Music, sogar von seinem Gemälde „Au Revoir“ (ein leuchtend grüner Apfel) aus dem Jahr 1966 inspirieren. (Was übrigens intensive Prozesse nach sich zog, als Steve Jobs seine Firma Apple Computer nach seiner Lieblingsband benannte).