Immaterielles Kulturerbe

Meyboom

Dieser Brauch, der Teil des lebendigen Brüsseler Kulturerbes ist, wird auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO geführt. Gemeinsam mit einer Reihe ähnlicher Veranstaltungen in Belgien und Frankreich fällt die Meyboom-Tradition in die Kategorie „Prozession der Riesen und Drachen in Belgien/Frankreich“. Sie gelten als „originelles Ensemble festlicher Veranstaltungen und ritueller Darbietungen“, wobei „mythische Helden oder Tiere, Berufe oder zeitgenössische lokale Figuren, historische, biblische oder legendäre Persönlichkeiten“ im Mittelpunkt stehen.

Das Meyboom-Fest geht auf eine folkloristische Tradition aus dem 13. Jahrhundert zurück und besteht darin, einen festlichen Baum an einer Straßenkreuzung zu pflanzen. Der Brauch soll in Folge eines Biersteuerstreits zwischen Brüssel und Löwen entstanden sein. Die Brüsseler gewannen und erhielten von da an das Recht, an jedem 9. August vor 17 Uhr einen Baum zu pflanzen – und wenn ihnen dies nicht gelingt, geht das Recht an Löwen über!suite à une querelle entre les villes de Bruxelles et Louvain au sujet de la perception des taxes sur la bière. Les Bruxellois prennent le dessus et reçoivent le privilège de planter un arbre chaque 9 août avant 17 h, sans quoi le privilège est octroyé à Louvain la concurrente !

Meyboom sur la Grand-Place

Die Bierkultur in der Region Brüssel

Es ist kein Wunder, dass das Haus der Bierbrauer, das Maison des Brasseurs, seit dem 17. Jahrhundert einen derart prominenten Platz auf dem Brüsseler Grand-Place einnimmt: Schließlich ist die Bierkultur untrennbar mit Brüssel und Belgien verbunden. Tatsächlich gibt es im ganzen Land 200 Brauhäuser und 2.500 Biersorten. Seinen diesbezüglichen Weltruf verdankt das belgische Königreich sowohl seinen Abteien, die sich bereits im Mittelalter der Kunst des Bierbrauens widmeten, als auch den besonderen belgischen Biersorten – darunter das spontangärige Gueuze-Lambic, das seit dem Jahr 1900 von der Brasserie Cantillon in Brüssel gebraut wird. 2016 nahm die UNESCO die belgische Bierkultur auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf und würdigte damit ihre wichtige Rolle – sowohl im täglichen Leben als auch bei festlichen Veranstaltungen.

Davon kann man sich insbesondere in der belgischen Hauptstadt überzeugen! In Brüssel finden verschiedene Bierfestivals statt, außerdem sind hier zahlreiche Mikrobrauereien und Brauereien ansässig, die ihr Bier nach altem Handwerk und/oder auf experimentelle Art und Weise brauen.

3 verres de bière

Ommegang

Die Prozession und die Feierlichkeiten des Ommegang sind ein nicht wegzudenkendes Element der Brüsseler Folklore und damit eine Art Pflichtveranstaltung des Brüsseler Sommers. Das Ommegang-Fest findet jedes Jahr Ende Juni oder Anfang Juli statt und besteht hauptsächlich aus einem festlichen Umzug und einer Darbietung, die auf einer historischen Begebenheit beruht: dem 1549 von der Stadt organisierten Ommegang, den Karl V. zum Anlass nahm, seinen Sohn und Thronfolger Philipp (später Philipp II.) einzuführen.

Wörtlich bedeutet „ommegang“ in etwa „um etwas herumgehen" und bezeichnete ursprünglich eine Prozession von Geistlichen, die um ihre Pfarrei ziehen, um ihre Reliquien und andere Devotionalien zur Schau zu stellen. Erst später erhielt diese Prozession ihren weltlichen und politischen Charakter.

Nachdem der Ommegang im 18. und 19. Jahrhundert ein wenig vernachlässigt worden war, erhielt die Veranstaltung ab dem 15. Juni 1930 auf Initiative des Folkloristen Albert Marinus ihren vollen Glanz zurück. Seitdem sorgt der Ommegang an zwei Sommerabenden im Jahr an mehreren Orten der Stadt für ein farbenfrohes mittelalterliches Spektakel mit Armbrustschützenwettbewerb, Zeremonie in der Sablon-Kirche, einer zwei Kilometer langen Prozession, einer zweistündigen Darbietung auf dem Grand-Place mit 1400 Statisten und 47 Folkloregruppen, die von den kostenpflichtigen Tribünenplätzen aus bewundert werden können, und schließlich ein „Renaissancedorf", in dem die Besucher vier Tage lang in die Atmosphäre des 16. Jahrhunderts eintauchen können.

Ommegang Grand-Place

Die Tradition der Stabmarionetten

Diese in Belgien traditionelle Puppentheaterform fand ihren Ursprung in den Wanderjahrmärkten der Renaissance. In der Praxis werden die Puppen mit Hilfe von Metallstäben bewegt, die jeweils an Kopf und Körper befestigt sind. In Brüssel kann man diese Art von Puppentheater im Théâtre Royal de Toone erleben – einer echten Institution, die so alt ist wie Belgien selbst! Das Theater liegt ein wenig verborgen in einer malerischen Sackgasse in der Nähe des Grand-Place und kann eine beeindruckende Sammlung von Marionetten sein Eigen nennen, die noch heute von traditionell arbeitenden Marionettenbauern angefertigt und instandgehalten werden. Das Repertoire der Stücke reicht von Rittergeschichten über biblische Szenen bis hin zu volkstümlichen Erzählungen – zum Beispiel Dracula. Sie sind stark durch den typisch Brüsseler Humor – den zwanze – geprägt und werden in der hiesigen Mundart aufgeführt, teilweise aber auch ins Deutsche, Englische, Italienische und Spanische übersetzt. Kleines Extra ist die ebenso urige wie auch charmante Schenke!

2 Puppen