Die Architekten des Brüsseler Art déco

06 Februar 2025
Grand Hospice - Institut Pacheco

Kleine historische Rückblende: Brüssel in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, die Stadt ist voller Lebensenergie und die Stadtteile in den Randbezirken im Aufschwung begriffen. Viele belgische und Brüsseler Architekten, darunter Adrien Blomme, Joseph Diongre oder auch Michel Polak, nutzen die Gelegenheit, um sich an dem Architekturstil der Stunde zu versuchen: dem Art déco – in Form von Apartment- oder Stadthäusern, Sozialwohnungen oder Gartenstädten ... Die Brüsseler Häuserfassaden wurden nach und nach mehr durch diese neuen und klaren Linien gezeichnet, in denen verschiedene Elemente zusammenflossen. Sie möchten mehr über diese Architekturströmung erfahren? Wir stellen Ihnen die großen Namen des Art déco in Brüssel vor.

Michel Polak (1885-1948)

Die prächtige Villa Empain stammt aus seiner Feder, genau wie der elegante Résidence Palace mit seinem Mosaikschwimmbad und türkischem Bad. Und auch die ehemalige Zahnklinik Georges Eastman (das heutige Haus der Europäischen Geschichte) ist seine Schöpfung. Michel Polak war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Architekt des Brüsseler Luxus und Prunks schlechthin, doch durch seinen Beitrag zur Entwicklung von Apartmenthäusern etablierte er gleichzeitig eine neue Form des städtischen Wohnens.

  

Jean Baptiste Dewin (1873 – 1948)

Vom geometrischen Jugendstil zum Art déco ist es im Grunde nur ein kleiner Schritt. Und Jean Baptiste Dewin ist ihn mühelos gegangen. Von der ehemaligen Entbindungsstation in Ixelles, deren Mauern eine schöne Komposition aus orangefarbenem Backstein und Mosaiken ziert,  bis hin zum Universitätskrankenhaus St. Pierre – Dewin ist DER Brüsseler Architekt der Krankenhäuser, Kliniken und Pflegeheime des frühen 20. Jahrhunderts. In ein anderes Register fällt sein Meisterwerk: das Rathaus der Gemeinde Forest, dessen Proportionen und reiche Verzierungen absolut sehenswert sind.

  

Adrien Blomme (1878 – 1940)

Spanisch-maurische Inspirationen, regionalistische Akzente oder Einflüsse im Landhausstil: Adrien Blomme ist ein vielseitiger Architekt, der eine große Bandbreite an Stilrichtungen erforschte und beherrschte. Zwei seiner gelungensten Art-déco-Bauwerke sind sicherlich das ehemalige Brauhaus Wielemans-Ceuppens (das heutige Zentrum für moderne Kunst Wiels) und die Villa Vandevelde in der Gemeinde Uccle. Einheimischen ist die Fassade des ehemaligen Kinos Cinéma Métropole wohlbekannt, das mit seinem dreifachen Glasdach und seiner langgestreckten, mit Travertin geschmückten Fassade in der Rue Neuve Nummer 30 thront.

  

Joseph Diongre (1878 – 1963)

Dass auch Brüssel sein eigenes Weißes Haus hat, ist Joseph Diongre zu verdanken! Hier gibt es zwar kein Oval Office, dafür aber eine extravagante Relieffassade. Neben dem Withuis erschuf Joseph Diongre auch eines der charakteristischsten Gebäude der Hauptstadt: Das ehemalige Rundfunkgebäude Flagey! Das mit ockerfarbenem Backstein verzierte Bauwerk in Ozeandampferarchitektur, verbindet Schlichtheit mit Pragmatismus und hat im Laufe der Jahre stets seinen Kurs beibehalten. Joseph Diongre, der zum Haus- und Hofarchitekten der Gemeinde Molenbeek ernannt wurde, versuchte sich auch am sozialen Wohnungsbau, darunter die bemerkenswerte Gartenstadt Diongre mit ihren 112 Wohnungen und ihrem malerischen Cottage-Charme. In derselben Gemeinde befindet sich auch die bemerkenswerte Kirche Saint-Jean Baptiste aus Stahlbeton.

  

Antoine Courtens (1899-1969)

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Antoine Courtens eine gute Schule hatte! Als Schüler von Victor Horta und Frank Lloyd Wright und Mitarbeiter von Tony Garnier in Lyon hat sich der in der Brüsseler Gemeinde Saint Josse geborene Courtens mit klingenden Namen umgeben. In Brüssel schuf er mit dem Palais de la Folle Chanson (dt. Palast der verrückten Lieder) ein überraschendes Eckgebäude, das von einer Rotunde überragt wird. Der obere Teil dieses "Manifests" des Brüsseler Art déco erinnert an eine Sternenkomposition, eine gelungende Anspielung auf den sternförmigen Kreisverkehr, den er überragt. In der Gemeinde Ixelles findet man sein Faible für Rotunden übrigens auch im Hôtel Haerens wieder, dessen Fassade an der Avenue Brugmann bewundert werden kann.

  

Léon Emmanuel Govaerts (1891 – 1970) und Alex Van Vaerenbergh (1885 - ?)

In den 1930er-Jahren entwarf dieses Architektenduo eines der wohl schönsten Brüsseler Beispiele für die Architektur der Amsterdamer Schule: das Maison van Buuren. Die Beiden bewegten sich elegant zwischen Art déco, Eklektizismus und Moderne und schufen eine ganze Reihe schöner Häuser und Villen im Stile der Roaring Twenties. Im "Alleingang" verlieh Léon Emmanuel Govaerts der Vorderseite der Taverne l'Espérance seinen unnachahmlichen Stil mit rotem Marmor und geometrischen Glasfenstern.

  

Albert Van Huffel (1877-1935)

Der Name Albert Van Huffel ist untrennbar mit seinem Lebenswerk verbunden: der Basilika von Koekelberg. Als größtes geistliches Art-déco-Gebäude der Welt ist diese Grande Dame mit ihren kühnen Linien ein Gesamtkunstwerk. Mit dem Modell dieses Mammutprojekts gewann der aus Gent stammende Architekt übrigens den Grand Prix de l'Architecture auf der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes (Internationale Ausstellung für moderne dekorative und industrielle Künste) in Paris. Van Huffel war nicht nur Architekt, sondern entwarf auch Möbel, Teppiche, Stickereien und Leuchten. Ein Tausendsassa und Multitalent, der Funktionalität und Schönheit perfekt miteinander zu verbinden wusste.