Art déco in Brüssel: entschieden modern

Mit seinen geometrischen Linien und seinen charakteristischen dekorativen Elementen hatte die Art-déco-Bewegung in den 1920er- und 1930er-Jahren ihre Blütezeit. Vor allem in den wilden Zwanzigern zog sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Ihre unverwechselbare Ästhetik setzte sich in vielen Bereichen durch: Möbel, dekorative Kunst oder Architektur. Der Großmeister des Jugendstils, Victor Horta, lieferte mit dem Palast der Schönen Künste BOZAR (1922-1929) auch ein erstes Paradebeispiel des Art déco. Es folgten Stadtpaläste, Villen und Wohnhäuser, die die belgische Hauptstadt zu einer der bemerkenswertesten Art-déco-Städte Europas machten.

Das Art-déco-Programm

Brüsseler Highlights des Art déco

Die Art-déco-Perle Villa Empain mit ihrem Saal aus Marmor und exotischem Tropenholz, die Kuppeln der Basilika von Koekelberg (übrigens das größte Art-déco-Gebäude der Welt), die Geländer des ehemaligen Rundfunkgebäudes in Flagey, die an einen Ozeandampfer erinnern...  Brüsseler Architektur vom Feinsten!

Die typischen Stilelemente des Art déco

  • Gerade, geometrische Linien   

  • Kräftige Farben 

  • Spiel mit Volumen und Reliefs 

  • Einsatz von edlen Materialien (Holz, Marmor, Gold...) 

  • Bezüge zum "Ozeandampfer"-Stil

Wichtige Art-déco-Architekten

  • Michel Polak, (1885-1948) 

    Dieser Architekt war überaus produktiv und umtriebig: Von ihm stammen die atemberaubende Villa Empain, der elegante Résidence Palace mit Mosaikschwimmbad und türkischen Bädern und auch das stilvolle Georges Eastman Dental Institute (heute das Haus der Europäischen Geschichte). Michel Polak hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur Luxus und Glamour ins Brüsseler Stadtbild gebracht, gleichzeitig war er auch der Architekt, der durch seinen Beitrag zur Entwicklung von Mehrfamilienhäusern eine neue Art des städtischen Wohnens aufbrachte.    

  • Jean Baptiste Dewin (1873 – 1948)

    Vom geometrischen Jugendstil (einer nüchterneren Variante des ansonsten floralen und organischen Jugendstils) zum Art déco ist es nur ein kleiner Schritt! Jean Baptiste Dewin ist ihn mit Leichtigkeit gegangen. Von ihm stammen unter anderem die ehemalige Geburtsklinik von Ixelles aus orangefarbenem Backstein mit Mosaikinschriften und das Krankenhaus UHC Saint-Pierre. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts baute Dewin nicht nur zahlreiche Krankenhäuser, Kliniken und Pflegeheime in Brüssel, sondern auch das Rathaus der Gemeinde Forest, das zweifelsohne als sein Meisterwerk gelten kann. Das Gebäude mit seinen beeindruckenden Proportionen und reichen Verzierungen ist unbedingt einen Abstecher wert! 

  • Adrien Blomme (1878 – 1940)

    Spanisch-maurische Inspirationen, regionalistische Akzente oder Landhausstil: Adrien Blomme war ein Architekt, der gerne unterschiedliche Stilrichtungen erkundete und umsetzte. Mit dem Bau der ehemaligen Brauerei Wielemans-Ceuppens (dem heutigen Zentrum für zeitgenössische Kunst Wiels) und der Villa Vandevelde in Uccle hat er sich auch durch seine Beherrschung des Art-déco-Stils hervorgetan. 

Und der Jugendstil?

Brüssel ist vor allem als eine der europäischen Hauptstädte des Jugendstils bekannt. Im Gegensatz zum Art déco, seinem Nachfolger, zeichnet sich der Jugendstil durch seine dekorativ geschwungenen Linien (auch Peitschenhieblinien oder S-Kurve genannt) und seine aus der Pflanzenwelt abgeleitete Ornamente und Zierelemente aus. Fassaden mit prächtigen Tiffany-Glasfenstern, luxuriöse Villen und sanft geschwungene Schaufenster sind überall in der belgischen Hauptstadt zu finden. Möchten Sie diese architektonischen Schätze erkunden und mehr über ihre Geschichte erfahren? Dann hier entlang!👇