Eine Zeitreise durch die Brüsseler Bars

12 Mai 2026
die Bar des Cafés Métropole

183 Nationalitäten auf einer Fläche von gerade einmal 161 km² … im Schmelztiegel Brüssel ist jeder Tag wie eine kleine Weltreise: Spanische Tapas-Bars, irische Pubs, marokkanische Teehäuser und japanische Izakaya's reihen sich hier nahtlos aneinander.

Doch in Brüssel können Sie nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit reisen! Denn die Brüsseler Café- und Kneipenlandschaft ist historisch gewachsen … und spiegelt die unterschiedlichen Epochen wider, die die Stadt bis heute prägen.

Begleiten Sie uns auf eine Zeitreise durch die Brüsseler Vergangenheit im Zeichen von Hopfen, Malz und Brüsseler Lebensart.

Station Nr. 1: „Mittelalterliche Sitten …“

Ganz in der Nähe des Grand-Place befinden sich, ein wenig verborgen zwischen dunklen Gassen und kleinen Sackgassen, einige der ältesten Brüsseler Schenken. Sie alle liegen rund um die Rue du Marché aux Herbes verstreut, deren Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Urige Schenken wie A l’imaige de Nostre-Dame, Au Bon Vieux Temps, A la Bécasse oder das Königliche Puppentheater Toone sind eindrucksvolle Beispiele der Brüsseler Folklore. Hinter dem schummrigen Licht der Buntglasfenster bechert man auf rustikalen Holzmöbeln zünftiges Abteibier … hier wähnt man sich wahrlich in einem mittelalterlichen Gasthaus. Pass auf dein Bündel und deine Taler auf, Reisender! 

Buntglasfenster im Café Au Bon Vieux Temps

Rockkonzerte vor mittelalterlicher Kulisse hingegen gibt es in den dunklen Gewölbekellern von La Porte Noire, die nach der ehemaligen Stadtmauer benannt wurden. Im 16. Jahrhundert befand sich an dieser Stelle die Küche eines Alexianerklosters, heute gilt die Adresse als Tempel für Fans keltischer Symbolik, harter Rockmusik und starker Spirituosen. 

Verliese, Folterwerkzeuge und makabre Schauplätze sind genau Ihr Ding? Dann auf ins Cercueil, was übersetzt vielversprechend "Sarg“ bedeutet. Kein Zweifel: Diese exzentrische Horror-Bar ließ sich von Der Exorzist inspirieren. Und tatsächlich scheint hier jeden Tag ein wenig Halloween zu sein: Man speist am formschönen Sarg, hört standesgemäß Death Metal und schlürft Bier aus Totenkopfkelchen. Dantes Inferno lässt grüßen …

Station Nr. 2: „Schön, schöner … Belle Époque ”

Die retro-futuristische Steampunk-Musikbar La Machine im Saint-Géry-Viertel nimmt sie mit zu den Anfängen der Industrialisierung: Hier können Sie Dampf ablassen in einem Dekor, das einem Jules Verne-Roman entsprungen sein könnte!

das Steampunk-Interieur des Cafés La Machine

Als nächstes verschlägt es uns geradewegs in die Belle Époque, das goldene Zeitalter der Cafés und Cabarets, der Ateliers und Galerien, der Konzertsäle und Salons. In den Brüsseler Etablissements rund um die Börse, darunter Le Cirio, Le Grand Café, Le Falstaff, Brasserie Greenwich und ein wenig weiter La Mort Subite und De Ultieme Hallucinatie scheint die Zeit in einem Gemälde von Toulouse Lautrec stehengeblieben zu sein. Statt Absinth empfehlen wir Ihnen einen Half-en-Half (einen legendären Cocktail avant la lettre, gemischt aus Sekt und Weißwein, erfunden von Le Cirio). 

Station Nr. 3: „Trommelwirbel ... hier kommen die Roaring Twenties“

Wilde Swing-Abende in den Cabarets, verbotene Freuden in den Speakeasies zur Zeit der Prohibition. Das gleiche diskrete und dabei leicht frivole Ambiente finden Sie bei Plumette im Schatten des Justizpalasts, im traditionell aufmüpfigen Marollenviertel. Während Sie an Ihrem Whisky Sour nippen, werfen Al Capone und Jay Gatsby ihre langen Schatten.

Die Pharmacie Anglaise auf dem Mont des Arts hingegen besticht mit einer wilden Mischung aus Vintage-Labor, Kuriositätenkabinett und historischer Apotheke. Wer Einlass begehrt, muss hier ganz zeremoniell die Klingel betätigen ... Gleiches Prinzip gilt für die Bar Rouge, einen plüschigen Nachtclub im Cabaret-Stil in der Nähe des Parc de Bruxelles. 

Noch exklusiver geht es im Le Jalousy im Marollen-Viertel zu. In dieser zweistöckigen "Geheimbar“ erhalten Sie nur Einlass, wenn Sie das Passwort der Woche kennen. Doch die Cocktail-Kreationen des hauseigenen Mixologen lohnen den Aufwand!

Zu guter Letzt führt uns die Reise ins Cabaret Mademoiselle, wo wilde Burlesque-Abend ein wenig an die Goldenen Zwanziger in Berlin erinnern, hier in Brüssel gewürzt mit einem belgischen und zeitgenössischen Touch. 

Burlesque-Szene im Cabaret Mademoiselle

Station 4: „Auf ein Stelldichein mit den 1930er-Jahren "

Wir begeben uns zu zwei besondere Adressen des Brüsseler Kulturerbes, die voller Geschichte(n) stecken: L'Hôtel Esperance in der Innenstadt und das Hôtel Le Berger in Ixelles. Vor knapp einem Jahrhundert dienten sie noch als verruchte Stundenhotels. Heute können Sie es etwas ruhiger angehen lassen und in den stilvollen Art-déco-Hotelbars einen gepflegten Apéro genießen.

Voller Legenden steckt auch die Art-déco-Bar Archiduc, die seit 1937 in der Rue Dansaert als heiße Adresse gehandelt wird … zunächst als Ort für kleine Flirts und Tändeleien, dann seit den 1950er-Jahren als Hotspot für Jazz-Liebhaber und Nachtschwärmer aller Art.  

Wenn man an die 1930er-Jahre in Brüssel denkt, kommt man natürlich nicht am Surrealismus vorbei. In der Bar Magritte (der Hotelbar des berühmten Hôtel Amigo in der Nähe der Grand-Place) können Sie mit jedem Schluck von Ihrem Cocktail ein wenig tiefer in die surrealistischen Traumwelten von René Magritte eintauchen. Ceci n’est pas un bar ... Dies ist keine Bar, sondern ein Abenteuer für alle Sinne. Sie mögen es gerne etwas größer? Dann auf zur Brasserie Surréaliste im Herzen des Dansaert-Modeviertels. Das Art-déco-Gebäude, Baujahr 1932, mit einer Fläche von 1500 m² diente einst als Bananenlager und wird heute als Mikrobrauerei genutzt. Auf der Karte steht nicht nur eine beeindruckende Auswahl von Biersorten, sondern auch Fusion-Küche zum Teilen. Das besondere Extra? Die visuelle Identität, die gemeinsam mit dem Brüsseler Künstler Elzo Durt gestaltet wurde. Die DJ-Sets und Kunstveranstaltungen vervollständigen dieses Fest für die Sinne mit hohem Suchtfaktor.

Station 5: „Eine Reise durch die Popkultur der Fifties und Sixties“

Allmählich Jetlag von all dem Zeitreisen? Nichts, was ein XL-Hamburger, ein Pancake oder ein Pastrami-Sandwich nicht wieder richten könnten! Verschiedene Brüsseler Lokale beglücken ihre Gäste mit dem unbeschwerten Feeling amerikanischer Diners. Das wäre zum Beispiel der Elbow Lunch Counter im Saint-Boniface-Viertel. Die Pastrami-Bar ist ein Lunch-Hotspot mit hohem USA-Faktor. Im Châtelain-Viertel versprüht Rambo – das allererste Smashburger-Restaurant Belgiens – das Flair eines echten Burger Joint. Der (inoffizielle) Titel des besten Hamburger Brüssels ist heissumkämpft: Und mit Flipper’s ist im Flagey-Viertel ein ernstzunehmender Konkurrent aufgetaucht. Das blitzblanke Interieur erinnert an das Kalifornien der 80er-Jahre.

Retro-Americana-Flair findet man auch beim trendigen Shakes & Brews, das sich auf Kaffee und Cocktails spezialisiert hat, die hier nach allen Regeln der Kunst zubereitet werden. Tagsüber ist dies die perfekte Adresse für Kaffee und Brunch, während sich hier abends ein fast filmreifer Spot offenbart, wo Cocktails und gedimmte Beleuchtung für Atmosphäre sorgen. 

Oder wie wäre es mit einer schönen Tasse Kaffee oder Matcha im The Wayne Café. Das retro-futuristische Design dieses komplett in Weiß gehaltenen Cafés könnte direkt dem Dekor von 2001: Odyssee im Weltraum entsprungen sein. Wer ein Paar Barbarella-Boots sein eigen nennt, kann sie hier zur Schau tragen!

Unser Abenteuer endet bei Madame Moustache, einer extravaganten Tanzbar, in der verschiedene Epochen aufeinandertreffen. Swing, Western, Rock ’n’ Roll und burleske Einflüsse verschmelzen zu einer feucht-fröhlichen und farbenfrohe Hommage an vergangene Zeiten.