Tänzchen gefällig? Die dynamische Brüsseler Tanzszene

30 April 2021
Zeitgenössischer Tanz Brüssel

Eine neue Generation von Tänzerinnen und Tänzern offenbart in Brüssel ihr Talent. Die zeitgenössischen Tanzszene steht in der belgischen Hauptstadt ganz im Zeichen von Freiheit und künstlerischer Vielfalt und positioniert sich seit einiger zeit als echter Dreh- und Angelpunkt für Tanz und Performance. Begleiten Sie uns auf eine Entdeckungsreise und sehen Sie selbst, was die Einzigartigkeit der Brüsseler Tanzszene ausmacht. Tänzer, Choreografen, Studierende, Tanztruppen und Kulturinstitutionen... lassen Sie an ihrer persönlichen Vision von Tanz und ihren Zukunftsplänen teilheiben. Wir stellen Ihnen einige der Persönlichkeiten und Akteure vor, die das Herz des Tanzplaneten Brüssel höher schlagen lassen!

Benjamin Vandewalle - Choreograph und Tänzer

  • Was macht die DNA der Brüsseler Tanzszene aus und welches sind Ihrer Meinung nach ihre Besonderheiten?

Wenn ich das in einem Schlagwort zusammenfassen müsste, wäre es Vielfalt. Schon allein deshalb, weil Brüssel eine extrem internationale Stadt ist, aber ist ja allgemein bekannt! Die Brüsseler Vielfalt ist nicht nur "geografisch", sondern drückt sich auch in den verschiedenen künstlerischen Kategorien aus: Wir haben Anne Teresa De Keersmaeker, die international sehr bekannt ist, aber auch eine sehr lebendige Underground-Szene. Zwischen diesen beiden "Extremen" gibt es eine echte Vielfalt an künstlerischen Angeboten und jede Schicht dieses "Millefeuilles" ist sehr gut repräsentiert.

portrait benjamin vandewalle

"Bei der Arbeit mit der neuen Generation konnte ich feststellen, wie sehr ihre Arbeit von der Dringlichkeit, relevant zu sein, durchdrungen ist. Ihr Ansatz ist viel engagierter und ihre künstlerischen Vorschläge beziehen sich auf die zeitgenössischen Herausforderungen. Sie sind wie eine Aufforderung, uns zu bewegen! "

Benjamin Vandewalle, Choreograph und Tänzer

  • Können Sie Ihre Beziehung zum Tanz in drei Adjektiven beschreiben?

Kontemplativ. Ich mag es, wenn die Kunst einen Raum schafft, in dem die Menschen in eine Art introspektive Meditation eintreten. Dass sie sich für unbekannte Dinge öffnen.

Sensorisch. Tanz berührt alle Sinne. Er kann durch die Haut gehen, durch den Klang des Körpers, durch den Tastsinn ... nicht nur durch die Augen. Er hat mehrere Dimensionen

Interaktiv / partizipativ. Mir gefällt insbesondere, dass auch der Körper des Publikums in die Choreografie einbezogen wird, dass er nicht nur passiv ist. Der Tanz muss im Körper des Publikums Platz nehmen.

 

 

 

Elodie Verlinden - Dozentin an der ULB im Masterstudiengang Darstellendes Spiel

  • Was macht die DNA der Brüsseler Tanzszene aus und welches sind Ihrer Meinung nach ihre Besonderheiten?

Meiner Meinung nach besteht eine ihrer Besonderheiten darin, dass sie keine hat! Sie zeichnet sich durch eine Vielzahl von Formen, Ursprüngen und Abstammungen aus. Wie die multikulturelle Stadt Brüssel bietet sie Hunderte von Facetten, selbst innerhalb des Universums eines einzigen Choreographen. Die Brüsseler Szene verbietet sich nichts, alles ist möglich. Schließlich liegt ihre Besonderheit in ihrer Vielfalt!

"Die Brüsseler Szene verbietet sich nichts, alles ist möglich. Schließlich liegt ihre Besonderheit in ihrer Vielfalt!"

Elodie Verlinden, Dozentin an der ULB im Masterstudiengang Darstellendes Spiel

  • Können Sie die Beziehung Ihrer Institution zum Tanz in drei Adjektiven beschreiben?

Paradox. Im Ausland gilt Brüssel als eine der Drehscheiben des zeitgenössischen Tanzes, mit einer Geschichte und Choreographen, die Weltruf genießen. Und trotzdem gibt es in Belgien noch keinen Masterstudiengang für Tanz! Der Masterstudiengang Darstellende Kunst, in dem ich unterrichte, widmet dem Tanz nur einen von mehreren Kursen. Demnächst wird es jedoch einen neuen Masterstudiengang geben, der sich mit dem Tanz befasst... Theoretisch. An der Universität ist unser Ansatz in der Tat sehr theoretisch und reflexiv. Wir entwickeln eine "Werkzeugkiste", bringen unseren Studierenden Lektüreraster bei, und all das wird durch den Austausch genährt. Unser Unterricht ist jedoch nicht in der Tanzpraxis verankert. Lebendig. Nichtsdestotrotz ist unser Masterstudiengang voll und ganz mit der darstellenden Kunst verbunden. Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem aktuellen Tanzgeschehen und dem Programm des laufenden Jahres. Die Bibliothek den Rücken zu kehren, Aufführungen zu besuchen, sie zu analysieren und vor Ort zu diskutieren, gehört zu unserem Alltag!

Annie Bozzini - Direktorin und künstlerische Leiterin von Charleroi Danse / La Raffinerie

  • Was macht die DNA der Brüsseler Tanzszene aus und welches sind Ihrer Meinung nach ihre Besonderheiten?

Der Begriff DNA lässt mich vor allem an die Ursprünge, die Geschichte denken. Ich würde sagen, dass die DNA der Brüsseler Tanzszene auf ein zweifaches Erbe zurückzuführen ist: erstens auf das Fortbestehen des Balletts und zweitens auf die Ankunft von Béjart und seiner Schule. Abgesehen von den großen Leitfiguren zeichnet sich die Brüsseler Tanzszene durch ihre extreme Vielfalt aus: Künstler mit unterschiedlichen geografischen und kulturellen Hintergründen fördern die Durchlässigkeit der Kunstgattungen.

"Der Tanz in Brüssel zeichnet sich durch seine extreme Vielfalt aus: Künstler mit unterschiedlichen geografischen und kulturellen Hintergründen, die die Durchlässigkeit der Kunstgattungen fördern."

Annie Bozzini, Direktorin und künstlerische Leiterin von Charleroi Danse / La Raffinerie

 
  • Können Sie die Beziehung Ihrer Institution zum Tanz in drei Adjektiven beschreiben?

Wir sind eine Institution, die nicht nur leidenschaftlich, sondern auch professionell und sensibel sein muss. Wir bewegen uns zwischen diesen drei Polen, wir pflegen die Leidenschaft des Blicks und behalten gleichzeitig eine professionelle Verankerung bei. Das Ganze ist stets von einer besonderen Sensibilität durchdrungen!

Charlotte Cétaire - PARTS-Studentin im Bachelorprogramm Tanz "Training".

  • Was macht die DNA der Brüsseler Tanzszene aus und welches sind Ihrer Meinung nach ihre Besonderheiten?

Aus meiner Sicht als Studentin würde ich sagen, die "open stages" der Schulen. Die Tatsache, dass man in den Studio mit den Schülerinnen und Schüler bei der Arbeit in Kontakt treten kann. Am liebsten schaue ich mir die Arbeit an, die gerade in der der Entstehung ist, Künstler in ihrer Entwicklung zu verfolgen und neu zu entdecken... kurz gesagt, Teil dieses kreativen Prozesses zu sein. Alle Brüsseler Schulen, egal ob Zirkus, Theater oder Choreographie, stehen miteinander im Austausch, wir machen sogar gemeinsame Jam-Sessions! Es gibt eine sehr heterogene Seite, die mir für Brüssel typisch erscheint.

  • Können Sie die Beziehung Ihrer Institution zum Tanz in drei Adjektiven beschreiben?

Erschüttern. Die Fundamente erschüttern, um neue Dinge in uns zu finden, neue Beziehungen aufzubauen und unsere vorgefassten Meinungen zu erschüttern. Aber auch Fragen stellen und vor allem berühren. Das ist das Wesen der darstellenden Künste. Alle Sinne sind beteiligt, aber hauptsächlich der Tastsinn, der eine eigene Sprache ist und durch den man viele Dinge sehen und betrachten kann.