The Crossbow Guild Museum of Brussels
The Crossbow Guild Museum of Brussels
Zinneke-Pis
Dieser putzige Vierbeiner hört auf den Namen Zinneke-Pis. Aus der Familie Pis kennen Sie wahrscheinlich bereits das charmante Geschwisterpaar Manneken-Pis und Jeanneke-Pis. Während der Familienname wohl keiner semantischen Erklärung bedarf, lohnt ein genauerer Blick auf den Vornamen: Als „Zinneke“ bezeichnet man in Brüssel im engeren Sinne einen Mischlingshund und im weiteren Sinne jemanden, der zwar in Brüssel lebt, aber nicht dort geboren wurde – ganz im Gegensatz zum ketje, dem waschechten Brüsseler Bengel. Die Etymologie führt uns zurück zur Senne – Zinne auf Niederländisch –, dem inzwischen übertunnelten Brüsseler Wasserlauf, in dem der Überlieferung nach im 16. Jahrhundert streunende Mischlingshunde ertränkt wurden..., die man ein paar Jahre zuvor zur Bekämpfung der hiesigen Rattenplage ausgesetzt hatte!
Urheber der Skulptur (1999) ist Tom Frantzen, ein Brüsseler Künstler, der mit seinen Werken den typischen Brüsseler Humor voller Witz und Selbstironie einzufangen versteht. Frantzen hat zahlreiche Skulpturen erschaffen, die das Brüsseler Stadtbild prägen, darunter Madame Chapeau oder auch Vaartkapoen.
Zinneke-Pis
Madame Chapeau
Madame Chapeau (dt. „Frau Hut“) sagt Ihnen wahrscheinlich nichts. Doch wer sich für das Brüsseler Kulturgut interessiert, kommt an dieser Frauenfigur fast nicht vorbei. Wie kaum eine andere verkörpert sie die charmanten Eigenheiten und Traditionen der belgischen Hauptstadt. Aber woher stammt sie eigentlich? „Madame Chapeau“, so lautet der Spitzname von Amélie van Beneden, einer der Nebenrollen des berühmten Theaterstücks „Bossemans et Coppenolle“, das 1938 von den beiden belgischen Theatermachern Paul Van Stalle und Joris d'Hanswyck geschrieben wurde. Dieses durch und durch „brusseleirische“ Stück ist eine wunderbare Hymne an die „Zwanze“, d. h. den typisch Brüsseler Humor zwischen aufmüpfigem Schalk und drolliger Selbstironie. Die Uraufführung fand einst im Théâtre du Vaudeville in den Galeries Royales Saint-Hubert statt. Heute wird das Stück regelmäßig im Théâtre des Galeries auf die Bühne gebracht.
Um die Geschichte von „Madame Chapeau“ zu ergründen, begeben wir uns auf einen kleinen Exkurs in das Theaterstück, bei dem eine Textzeile lautet: „Ich heiße nicht Madame Chapeau, die Schurken aus meiner strotje [Gasse auf Brusseleir] nennen mich so, weil ich zu vornehm bin, um ohne Hut auszugehen!“.
Die Statue aus dem Jahr 2000 stammt von dem Brüsseler Künstler Tom Frantzen, auf dessen Konto auch eine Reihe anderer Skulpturen gehen, die über das Brüsseler Stadtgebiet verstreut sind (z. B. Zinneke-Pis oder Vartkapoen).
Madame Chapeau
Manneken-Pis
Die kleine charmante Brunnenfigur Manneken-Pis ist das Brüsseler Wahrzeichen schlechthin und der erklärte Liebling der Brüsseler. Sowohl bei Touristen als auch bei Einheimischen sorgt der kleine Mann für gute Laune.
Erschaffen wurde die Bronzestatue 1619 von Jérôme Duquesnoy dem Älteren, ursprünglich als einfache Verzierung eines der zahlreichen Brüsseler Brunnen, die die Stadt im Mittelalter mit Trinkwasser versorgten. Doch inzwischen ranken sich zahlreiche Legenden um den kleinen, wasserlassenden Bengel. Eine der beliebtesten besagt, Manneken Pis habe mit Hilfe seines gezielten Wasserstrahls die brennende Lunte einer für den Grand Place bestimmten Bombe gelöscht. Im Laufe der Zeit wurden ihm verschiedene symbolische Rollen angedichtet, als Beschützers der Stadt, als Sprachrohr der Brüsselerinnen und Brüsseler zu verschiedenen Anlässen… und natürlich als Gestaltwerdung des schelmischen und respektlosen Brüsseler Humors. Sein Spitzname „Ketje" ist übrigens die Bezeichnung für einen typischen Brüsseler Bengel.
Seine beeindruckende Garderobe mit inzwischen mehr als 800 Kostümen, mit denen sich das kleine Kerlchen zu gehobenen Anlässen in Schale wirft, kann in dem Ausstellungsraum „GardeRobe MannekenPis" (Rue du Chêne 19, 1000 Brüssel) bewundert werden, der Teil des Brüsseler Stadtmuseums „Musée de la Ville de Bruxelles" ist. Das älteste Kostüm wurde übrigens 1698 vom bayerischen Kurfürsten gestiftet!
Manneken-Pis ist leider immer wieder Opfer von Vandalismus geworden und so befindet sich die Originalstatue, die mehrfach gestohlen und beschädigt wurde, nun sicher und wohlbehalten im Stadtmuseum (im Maison du Roi am Grand-Place).
Manneken-Pis
Jeanneke Pis
Wenn man so will, ist Jeanneke-Pis die kleine Schwester von Manneken-Pis. Doch vielleicht möchten Sie ein bisschen mehr über diese kleine Brüsseler Göre wissen? Jeanneke-Pis besteht, genau wie ihr berühmter Bruder, aus einer 50 cm hohen Bronzestatue mit Springbrunnen, umgeben von einer Schale. Das kleine Kunstwerk wurde 1985 von dem Künstler Denis-Adrien Debouvrie entworfen, der hier im historischen Îlot Sacré-Viertel mehrere Restaurants besaß. Das weibliche Pendant zum Manneken-Pis wurde 1987 eingeweiht – passenderweise in Anwesenheit von La Cicciolina (die für ihre Freizügigkeit bekannte italienische Politikerin und Pornodarstellerin!).
Der Bildhauer und Restaurator gab diese Statue sicherlich aus mehreren Gründen in Auftrag: In erster Linie wohl, um in dieser etwas vernachlässigten Sackgasse einen neuen Anziehungspunkt zu erschaffen. Debouvrie besaß hier gleich mehrere Lokale. Vielleicht aber auch aus Gründen der Gleichberechtigung, die Manneken-Pis seit Jahrhunderten zugunsten der Männer untergraben hatte. Und schließlich ist der Brunnen natürlich ein weiteres Beispiel waschechter „Zwanze“, dem subversiven Brüsseler Humor. Mit der Zeit ist eine weitere Legende hinzugekommen: Jeanneke, die in der „Impasse de la Fidelité“ (wörtlich übersetzt, der „Sackgasse der Treue“) ihr Bächlein lässt, verspricht Verliebten eben diese. So ist es inzwischen Brauch, Münzen in das Becken des Brunnens zu werfen, wobei das gesammelte Geld an Wohltätigkeitsvereine gespendet wird.
Jeanneke Pis
Marionettentheater - Théâtre de Toone
Während der spanischen Besetzung der Niederlande wurden zwangsweise sämtliche Theater geschlossen, um Kritik - in Form von satirischen Stücken - an den spanischen Herrschern zu unterbinden. Die Brüsseler haben alsdann die Schauspieler durch Marionetten ("Poechenelles" in Brüsseler Mundart) ersetzt, die in illegalen Theatern auftragen.
Anfang des 19. Jahrhunderts zählten die Brüsseler Marionettentheater zu den beliebtesten Vergnügungen für Erwachsene, denn sie boten eine enorme Freiheit, benötigen nur wenig finanzielle Mittel und konnten überall aufgeführt werden. Ihr Repertoire ist bis heute sehr vielfältig und reicht von volkstümlichen Legenden über Rittergeschichten bis hin zu religiösen oder historischen Stücken, die sehr frei interpretiert werden.
Seit der Gründung des Theaters im Marollenviertel ist nun bereits die 9. Puppenspielergeneration der Toone-Dynastie am Werk. Der jeweils neue Toone (Brüsseler Kosename für "Antoine", so der Vorname des Gründers) muss sowohl von seinem Vorgänger als auch von dem Publikum angenommen werden - und so ist es nicht unbedingt der jeweilige Sohn, der die Nachfolge antritt.
Die Klassiker werden in Brüsseler Mundart und manchmal auch auf Niederländisch oder Französisch aufgeführt.
Das Théâtre de Toone birgt auch ein urige Schenke und ein Marionettenmuseum.
Marionettentheater - Théâtre de Toone
Vaartkapoen
Wissen Sie, wie man in Brüssel einen gutmütigen, kleinen Ganoven nennt? Vaartkapoen, wörtlich „Schelm“ oder „Schelm vom Kanal“, angelehnt an die Zunft der Kanalarbeiter. Später bezeichnete der Begriff junge Burschen mit zweifelhaften Sitten, die sich auf der Suche nach Gelegenheitsarbeiten oder halbseidenen Geschäften am Kanalufer herumtrieben. Die Figur, die hier aus der Kanalisation steigt und einen Polizeibeamten am Bein packt, um ihn zum Stolpern zu bringen, ist ein weiteres Beispiel, das gleich zwei Brüsseler Besonderheiten verkörpert: Zum einen die Zwanze, den typisch Brüsseler Humor; zum
anderen eine kleine Anspielung an den volkstümlichen belgischen Comic, genauer gesagt an den legendären Polizisten „Agent 15“ aus der Comic-Serie Quick und Flupke, den beiden berühmten Ketjes aus den Marollen. Amüsanterweise wird eben dieser Polizist mal Opfer, mal Komplize der Machenschaften der beiden frechen Comic-Helden.
Als die Statue 1985 aufgestellt wurde, installierte man eine Sicherheitsabsperrung aus Ketten und Pfosten, die später aus Gründen des Realismus wieder entfernt wurde.
Auch das ist Brüsseler Kultur!
Vaartkapoen
Théâtre Royal du Peruchet
Théâtre Royal du Peruchet