Zählen Sie zur Riege der Feinschmecker? Sind Sie offen für Neues auf Ihrem Teller? Die belgische Hauptstadt ist in dieser Hinsicht ein echtes Paradies, um nicht zu sagen Schlaraffenland! In der Tat weht seit einiger Zeit ein frischer Wind durch die Brüsseler Gastronomielandschaft. Im Kielwasser großer Namen wie Humus x Hortense (*) und Barge (*) haben in den letzten Jahren zahlreiche avantgardistische Köche auf sich aufmerksam gemacht. Junge Köche (und Köchinnen!), deren Ehrgeiz nicht darin besteht, um jeden Preis einen Michelin-Stern zu ergattern, sondern die sich einer zeitgemäßen und trendigen Küche und einem radikal lokalen Ansatz verschreiben. Dabei fühlen sich sowohl ihrer Stadt Brüssel als auch dem Planeten verpflichtet. Hier einige ausgewählte Adressen.
Flâne
Kleiner Tipp unter uns: Bei Flâne sollten Sie unbedingt direkt an der Theke Platz nehmen. Ein Logenplatz, von dem aus Sie das außergewöhnliche Talent von Küchenchef Paul Ravet bewundern können. Mit bemerkenswerter Präzision schaltet und waltet (und zaubert!) er hier in der offenen Küche seines charmanten Restaurants am Place Wiener in der schönen Waldgemeinde Watermael-Boitsfort. Die Plätze sind heißbegehrt, denn halb Brüssel möchte hier die gastronomische Präzision und die beeindruckenden Geschmackskombinationen erleben und kosten - und das zu absolut erschwinglichen Preisen.
Rue des Trois Tilleuls 1, 1170 Watermael-Boitsfort
La Belle Équipe
Ein paar der jungen Sprösslinge des wunderbaren Restaurants Nightshop sind inzwischen flügge geworden: Einer der Küchenchefs eröffnete in einem nahegelegenen Gebäude sein eigenes Restaurant und nannte es La Belle Équipe – in etwa Dream Team – denn Gastronomie ist Mannschaftssport. Und tatsächlich ist hier ein absolutes Dream Team am Werk, bestehend aus zwei Champions in der Küche und zwei Assen im Saal. Hier können Sie und Ihre Tischgenossen sich feine und jahreszeitliche Speisen aus hervorragenden Zutaten schmecken lassen.
Rue Dansaert 202, 1000 Brussel
Rebel
Wer kulinarische Überraschungen mag, sollte sich in Richtung Flagey-Viertel aufmachen. In der Weinbar Rebel gibt es regelmäßig Residencies mit talentierten Avantgarde-Köchinnen und -köchen. Es lohnt sich, das Programm im Auge zu behalten, denn hin und wieder geben sich hier renommierte Küchenchefs bei punktuellen Kitchen Takeovers die Ehre. Das gleiche Niveau gilt übrigens auch für die Weinauswahl: Das Team überzeugt immer wieder mit einer perfekt abgestimmten Getränkeauswahl. Preisklasse: ca. 15 € pro Gericht.
Rue Lesbroussart 48, 1050 Ixelles
Kline
Die jungen Vertreter der gastronomischen Avantgarde haben ganz offensichtlich ein Faible für die Brüsseler Unterstadt. Das Duo Nico Corbusier und Katrien Vantomme hat sich ganz in der Nähe von Nightshop und Aster im Dansaert-Viertel niedergelassen, um dort eine bodenständige, von kulinarischen Einflüssen aus aller Welt inspirierte Küche zu zelebrieren. Die Speisekarte umfasst Gerichte zum Teilen, die in "cold and fresh" und "hot and heavy" unterteilt sind, darunter viele Gemüsegerichte (ca. 15 €). Die Kompositionen sind alles andere als klassisch und dabei absolut schmackhaft. "Brutalistisch" mit Tendenz zum Abstrakten, so wie die Kunstwerke des Expressionisten Franz Kline, nach dem das Restaurant benannt wurde.
Rue de Flandre 162, 1000 Brüssel
Humus x Hortense
Visionär köstlich. So könnte man das hochgelobte und -prämierte Restaurant Humus x Hortense wohl am besten umschreiben. Für das erste pflanzlich-gastronomische Restaurant Belgiens erfand das Pioniers- und Erfolgsduo Nicolas Decloedt und Caroline Baerten den Begriff der botanischen Gastronomie. Im Mittelpunkt ihrer Philosophie stehen Nachhaltigkeit, Mikro-Jahreszeiten und jahrhundertealte Konservierungstechniken. Das alles brachte dem Paar bereits eine ganze Reihe von Auszeichnungen ein, darunter auch einen grünen und einen klassischen Michelin-Stern. Abends zahlt man für das Menü etwa 150 €.
Rue de Vergnies 2, 1050 Ixelles
Cosmos
Hier in diesem prächtigen Gebäude an der Rue du Trône (mit dem denkmalgeschützten Fresko einer Fischerszene, die man schon aus dem renommierten Restaurant Maison Vincent kennt) steht Top-Talent Kevin Perlot in der Küche. In seinem Cosmos dreht sich alles um Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte, die er mit Könnerschaft sorgfältig zubereitet. Seine kompromisslose gastronomische Vision bringt Perlot mit technischer Perfektion auf den Teller.
Rue du Trône 65, 1050 Ixelles
Barge
Wer zur Avantgarde gehören will, braucht vielleicht einen kleinen Spleen. Eben das ist auch die ungefähre Bedeutung von „barge“ im Französischen, das – als kleine Anspielung auf die maritime Vergangenheit des Viertels – gleichzeitig auch „Lastkahn“ bedeutet. Noch dazu (und hier zeigt sich, dass wirklich alles perfekt durchdacht ist) ist der Name des Restaurants ein Zusammenzug der Initialen der Gründer. Hervé Gillard schaltet und waltet nach wie vor in der Küche und bringt originelle, naturbelassene und zeitgenössische Kreationen als festes Menü (ca. 110 €) auf Teller und Tisch. Sicherlich eines der besten Restaurants der belgischen Hauptstadt.
Avenue d’Ypres 33, 1000 Brüssel
Nocturlabe
Bei Nocturlabe werden Sie kein Fleisch finden. Stattdessen haben Sie die Wahl zwischen zwei Menüs der Saison: eines mit Fisch, eines mit Gemüsekreationen. Hier wird nichts verschwendet, fast alle Zutaten kommen aus der Region, selbst die Weinkarte trägt einen lokalen Einschlag. Aber das ist nicht der einzige Grund, diesem Restaurant in der Nähe des schönen Parc Josaphat in Schaerbeek einen Besuch abzustatten. Auch das überaus elegante Interieur lockt Gäste an. Vor Ort können Sie kreativen und technisch versierten Küchenchef Benoît Bodivit bei der Ausübung seiner Kochkünste sehen können. Überzeugt?
Rue Josse Impens 3, 1030 Schaerbeek
Eliane
Aufmerksamen Brüsseler Feinschmeckern war es nicht entgangen... der flämische Shootingstar und Sternekoch Kobe Desramaults, zweifelsohne einer der talentiertesten Köche, die Belgien je hervorgebracht hat, wurde in den vergangenen Jahren immer häufiger in Brüssel gesichtet, so dass eigentlich klar war, dass er über kurz oder lang auch hier eine feste Adrsse haben würde. Ende 2024 war es so weit, in Form von Eliane, einer Ode an seine Großmutter, untergebracht im prächtigen PIAS-Gebäude im Viertel Bas-Fonds. Hier kann man sich auf einen Abend voller gastronomischer Geniestreiche freuen. Zu probieren gibt es rund zwanzig Tapas-Varianten, von denen jede Sie mit Virtuosität in andere Gefilde entführt. Die Niederlassung von Desramaults bestätigt einmal mehr, dass Brüssel gastronomisch in der ersten Liga mitmischt.
Rue Saint-Laurent 36, 1000 Brüssel
Ihnen läuft schon das Wasser im Munde zusammen?
Sie sind auf den (avantgardistischen) Geschmack gekommen? In Brüssel gibt es viele weitere aufregende Adresse dieser Kategorie. Da wären Le 203, Lombric, Badi, Ivresse oder Flamme, aber auch Nightshop, Charivari, Savage, L’Altitude oder Mome, wo Sie die Kreationen experimentierfreudiger Küchenchefs und -chefinnen probieren können, ohne zu tief in die Tasche greifen zu müssen.